Stübicher, Joseph

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Joseph Stübicher

Joseph Stübicher

33. Abt des Stiftes Neukloster 1746–1775

* 29. Jan. 1706 Fladnitz an der Teichalm
† 10. Feb. 1775 Wiener Neustadt

Joseph Stübicher (Stibicher), Taufname Franz, wurde am 29. Jänner 1706 in Fladnitz in der Steiermark geboren. Er legte am 2. Februar 1730 die Profess im Zisterzienserstift Neukloster ab und feierte am 20. Mai 1731 seine Primiz. Vor seiner Abtwahl am 24. März 1746 war er Küchen- und Stiftshofmeister, Novizenmeister, Subprior und zuletzt Pfarrer in Muthmannsdorf gewesen.

Stübicher gilt als Bauherr und „zweiter Stifter“ des barocken Neuklosters. Mit Unterstützung des Stiftshofmeisters P. Bernhard Sommer bewirkte er einen inneren und äußeren Aufschwung für das Stift. Einige Streitfälle, die das Kloster schon seit Jahren beschäftigten, legte er zugunsten des Neuklosters bei. Mehrere Stiftungen zugunsten des Klosters schufen die finanzielle Basis für die Errichtung eines Bibliothekssaales, für den Stübicher u.a. die Privatbibliothek des Bischofs Ferdinand Graf von Hallweil erwarb[1], und des Goldenen Saales, der von Johann Bergl mit Deckenfresken geschmückt wurde. Darüber hinaus sorgte Stübicher für eine intensive wissenschaftliche Tätigkeit im Neukloster.

Das alte baufällige Konventgebäude ließ er ganz abtragen und 1765 bis 1766 von Grund auf neu erbauen. Es widerstand auch dem Erdbeben, das am 27. Februar 1768 Neustadt und die nahegelegene kaiserliche Burg schwer beschädigte.[2] Die Wallfahrtskirche Maria Kirchbühel hatte er schon 1748 niederreißen und bis 1751 im barocken Stil neu erbauen lassen. Ebenfalls komplett neu erbaut wurde der zum Kloster gehörende Strelzhof.

Am 9. April 1768 beherbergte das Kloster die Erzherzogin Maria Karolina von Österreich, Königin beider Sizilien, auf ihrer Reise nach Neapel, und ihren Bruder Kaiser Joseph II. Als 1770 bei Bauarbeiten in der Burgkirche die Gebeine Kaiser Maximilians I. aufgefunden wurden, hielt Abt Stübicher bei der feierlichen Wiederbeisetzung das Seelenamt.

Mit Stübichers Tod 1775 begann der wirtschaftliche Abstieg des Klosters. Sein Nachfolger Alberich Stingel (reg. 1775–1801) bekam bereits den neuen Geist der Aufklärung und der josefinischen Kirchenpolitik zu spüren.

gge, März 2018

  1. Der Bischof war in finanzieller Bedrängnis und musste seine Bibliothek verpfänden, behielt aber ein lebenslanges Nutzungsrecht.
  2. Schwer beschädigt wurden allerdings ein Teil der Prälatur und die Stiftskirche. Ein Turm an der Südostseite der Präalatur musste komplett abgetragen werden.

Daten:

Prof.: 2. Feb. 1730; Prim.: 20. Mai 1731; Abbas: el. 24. März 1746.

Literatur:

Strommer, Alberich: Anton Wohlfarth. 1801 bis 1836 Abt des Neuklosters in Wiener Neustadt, ein Repräsentant des Spätjosephinismus. Ein Beitrag zur Geschichte des seit 1881 mit dem Stift Heiligenkreuz vereinigten Neuklosters (Heiligenkreuzer Studienreihe, Bd. 3). Heiligenkreuz 1984, S. 189 · Schwindel, Bernhard: Topographie des Erzherzogthums Oesterreich. 13 (=1/9). Das Cisterzienser-Stift in Neustadt, Wien, Wenedikt, 1835, S. 113–118 · Kluge, Benedikt: Das Neukloster in Wiener-Neustadt, in: Sebastian Brunner (Hrsg.), Ein Cistercienserbuch. Wien: Woerl, 1881/Paderborn, Salzwasser, 2013, S. 220–279 (hier: 261–263) · Handbuch der historischen Buchbestände. 3. Burgenland - Kärnten - Niederösterreich - Oberösterreich – Salzburg. Hildesheim: Georg Olms, 1996, S. 202.

Zitierempfehlung: Stübicher, Joseph, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 6.3.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/St%C3%BCbicher,_Joseph