Stades, Johann

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Johann Stades

Johann Stades

38. Abt des Klosters Marienfeld 1661–1681

* 1610 Coesfeld
† 6. Nov. 1681

Johann Stades, geboren 1610 in Coesfeld, empfing am 7. Januar 1641 die Tonsur und trat 1647 unter Abt Jodocus Caesem mit drei Mitnovizen in das Noviziat der Zisterzienserabtei Marienfeld ein. Dort war er nacheinander Subprior (um 1650), Pfarrer in Bersenbrück (um 1650/55), Granar (um 1655) und Bursar (1658). Am 7. Mai 1661 zum Abt gewählt, wurde er am 29. Juni 1661 in der Telgter Wallfahrtskapelle von Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen unter Assistenz der Äbte Johann Scherenbeck von Hardehausen und Johann Blanckenberg von Altenberg infuliert. Seine Mitra war für sechs Reichstaler im Kloster Rengering angefertigt worden.

Abt Stades, der seinen Mitbrüdern durch täglichen Besuch der Messe und des Morgengebets (auch im Winter) ein Vorbild der Klosterdisziplin war, setzte die Modernisierung der Klosterkirche fort. Überredet von Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg (1678-1683) ließ er 1681 den berühmten gotischen Flügelaltar des Meisters Johann Koerbecke von 1457[1] entfernen, um an dessen Stelle entsprechend dem Geschmack der neuen Zeit einen bis in das Kirchengewölbe aufragenden Hochaltar zu setzen, für dessen Entwurf der Bischof seinen Hofmaler Johann Georg Rudolphi aus Brakel zur Verfügung gestellt hatte. Der Chronist des Klosters, Hermann Hartmann (1649–1719), ein jüngerer Zeitgenosse des Abtes, der seit 1667 im Kloster weilte, bedauert den selbst erlebten Vorgang „als eine außerordentlich schmerzvolle Sache.“

Als am 8. Mai 1669 die Erhebung der Gebeine der hl. Thiatildis in Freckenhorst durch den Fürstbischof erfolgte, kam es zu einem Rangstreit zwischen Abt Stades und dem Hildesheimer Domdechanten Matthias von Korff-Schmising, der zugunsten des Abtes geschlichtet wurde. Abt Johann durfte das erste Hochamt feiern, Dechant korff das zweite nach der Prozession. 1672 ließ Abt Johann in Warendorf ein klosterähnliches Gebäude errichten, für den Fall, dass die Mönche aus Marienfeld Zuflucht in Warendorf suchen müssten, was während des Krieges des Fürstbischofs gegen die Holländer mehrfach, einmal für ein halbes Jahr, der Fall war. In seiner Amtszeit traten 38 Mitbrüder und zwei Laienbrüder in das Kloster ein. Einer starb während des Noviziats, zwei wurden auf ihren Wunsch hin entlassen, einer trat zum Protestantismus über. Am 17. November 1673 visitierten Generalvikar Gottfried Gummersbach von Altenberg und Vaterabt Vinzenz Wenner von Hardehausen Marienfeld.

Abt Johannes Stades starb am 6. November 1681. Seine letzte Ruhestätte fand er im inzwischen abgerissenen Kapitelhaus. Zu seinem Nachfolger wurde Bernhard Cuelmann gewählt.

gge, Mai 2018

  1. 15 der 16 Bildtafeln sind erhalten und ähnlich dem Liesborner Altar in Museen von Chicago bis Moskau verstreut.

Daten:

Abbas: el. 7. Mai 1661, ben. 29. Juni 1661.

Literatur:

Germania Sacra, Dritte Folge 2: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster 11. Die Zisterzienserabtei Marienfeld. Bearb. von Wilhelm Kohl. Berlin, New York, De Gruyter, 2010, S. 412f. · Leidinger, Paul: Die Zisterzienserabtei Marienfeld (1185–1803): Ihre Gründung, Entwicklung und geistig-religiöse Bedeutung, in: Westfälische Zeitschrift 148 (1998), S. 9–78 · Böhmer, Rudolf; Leidinger, Paul: Chroniken und Dokumente zur Geschichte der Zisterzienserabtei Marienfeld 1185–1803. Marienfeld: Selbstverlag der Pfarrgemeinde, 1998 · Werland, Walter: Marienfelder Chronik: Zur Geschichte der Zisterzienserabtei und der Gemeinde Marienfeld. Herausgegeben im Auftrag der Gemeinde Marienfeld, Marienfeld 1968, S. 222–224.

Zitierempfehlung: Stades, Johann, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 22.5.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Stades,_Johann