Steingaden, Martin

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Martin Steingaden OCist

Martin Steingaden

43. Abt des Zisterzienserstiftes Zwettl 1561–1566

*   Wangen, Württemberg
†   Heiligenkreuz, Niederösterreich

Martin Steingaden, geboren in der Reichsstadt Wangen in Württemberg, legte 1554 im Stift Heiligenkreuz die Profess ab. 1559 erscheint er als Prior. Am 1. April 1561 wurde er als Abt nach Zwettl gesetzt, dessen Konvent nur noch aus drei Priestern und zwei Novizen bestand (Schweickhardt 74), und im Mai des selben Jahres dort installiert.

Im Auftrag der Regierung begann Abt Martin, der zunächst auf den Widerstand der Konventualen gestoßen war, mit einer Reform des Klosters (Schweickhardt 74), geriet aber bald selbst unter den Einfluss der Zeitumstände. Ende 1566 oder Anfang 1567 wurde er durch eine von der Regierung eingesetzte Kommission abgesetzt oder resignierte nach anderen Angaben freiwillig, u.a. weil er sich, dem Beispiel vieler anderer folgend, verheiratet hatte.

Zunächst im Stift Heiligenkreuz inhaftiert, wurde der abgesetzte Abt nach seiner Begnadigung durch den Kaiser Pfarrer in Gföhl, einer Pfarrei unter dem Patronat der Abtei Lilienfeld, wo er mit Frau und Kind seine Tage verlebte. Als ihn sein Nachfolger in der Abtei, Lorenz Hengenmüller, nach Zwettl bat, um über einige Dinge Auskunft zu erhalten, antwortete Martin, er könne wegen des bevorstehenden Wochenbettes seiner Frau nicht kommen (Wiedemann 109).

Später soll Martin Steingaden reumütig nach Heiligenkreuz zurückgekehrt und dort gestorben sein (Watzl 51).

gge, April 2012


Literatur:

Watzl, Florian: Die Cistercienser von Heiligenkreuz, Graz 1898, S. 51 · Wiedemann, Theodor: Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns, Prag, 1882, S. 109 · Schweickhardt, Franz Xaver: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens. Dritter Band. Wien 1839. S. 74–77 · Frast, Johann: Topographie des Erzherzogthums Oesterreich. 16. Das Decanat Groß-Grungs und das Stift Zwetl, Wien 1838, S. 109–112.

Zitierempfehlung: Steingaden, Martin, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 4.8.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Steingaden,_Martin