Stieber, Balthasar

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Balthasar Stieber

Balthasar Stieber

38. Abt des Zisterzienserstiftes Rein 1643–1673

† 23. April 1673

Balthasar Stieber war ein Bauernsohn aus der Gegend Plesch bei Rein. Am 12. April 1626 wurde er von Abt Matthias Gülger im Zisterzienserstift Rein aufgenommen und legte am 1. November 1626 die Profess ab. Nach der Priesterweihe kam er auf die Pfarre Gratwein und wurde von dort aus am Tag der Resignation seines Vorgängers Blasius Hilzer unter dem Vorsitz des Generalvikars Michael Schnabel von Heiligenkreuz und in Gegenwart der Äbte Caspar Orlacher von Wilhering und Cornelius Strauch von Lilienfeld zum Abt gewählt. Am 11. Oktober wurde er in der Stiftskirche von Generalvikar Schnabel infuliert und am 17. November 1743 in Graz in den Landtag eingeführt. Er war Verordneter und Deputierter der steirischen Landstände und wurde 1659 zum Generalvikar des Zisterzienserordens für Kärnten und die Steiermark ernannt.

Anders als sein deswegen abberufener Vorgänger war Abt Balthasar ein strenger Prälat, der sich zum Ziel setzte, die heruntergekommene Disziplin und Wirtschaft wieder zu heben. Die autoritäre Weise, mit der er diese Vorstellungen durchzusetzen versuchte, führte zu Widerstand und Misshelligkeiten im Konvent, so dass er in den Jahren 1668/69 Resignationsabsichten hegte. Als einziger Zisterzienserabt Österreichs erwog Stieber, in seinem Kloster die zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Frankreich aufgekommene sog. strenge Observanz einzuführen. Außerdem entzog er die Klosterämter den Konventualen und übertrug sie Laien. In wirtschaftlicher Hinsicht gelang es ihm, die Herrschaft Rohr 1651 endgültig dem Stift einzuverleiben, den Wildbann wiederzugewinnen und die Schulden zu reduzieren. Er ließ 1650 einen neuen Kirchturm mit Turmuhr und Glocken errichten und in der Stiftskirche den Dreikönigsaltar aufstellen.

Am 10. März 1650 hielt Abt Balthasar in der Hofkirche in Graz ein Pontifikalamt anlässlich der von Kaiser Ferdinand III. eingeführten Eidesleistung der Professoren auf die Unbefleckte Empfängnis. Am 20. August 1660 besuchte der anlässlich seiner Erbhuldigung in Graz weilende Kaiser Leopold I. in Begleitung des Erzherzogs Leopold Wilhelm (Bruder Kaiser Ferdinands III. und Bischof von Passau) das Kloster. Am 26. Juni 1667 errichtete Abt Balthasar in Straßengel die Bruderschaft zur hl. Anna als geistigen Zusammenschluss von Wallfahrern. Papst Alexander VII. bestätigte die Bruderschaft 1669 und verlieh ihr bedeutende Ablässe und Privilegien.

Im März 1673 erkrankte Abt Balthasar schwer und starb am 23. April 1673, nachdem er dem Stift fast 30 Jahre lang vorgestanden hatte. Sein Nachfolger wurde Candidus Schillinger, dem er 100.000 Gulden Schulden hinterließ.

gge, Juni 2018


Daten:

Prof.: 1. Nov. 1626; Abbas: el. 4. Okt. 1643, ben. 11. Okt. 1643.

Literatur:

Wild, Martin: Die Äbte von Rein, in: 850 Jahre Stift Rein, Rein 1979, S. 48–62 (hier: S. 57) · Brandt, Veronika: Das Zisterzienserkloster Rein in den Jahren 1640 bis 1710: das Wirken der Äbte Balthasar Stieber, Candidus Schillinger, Alan Matt und Jakob Zwigott. Diss. ms., Univ. Graz, 1979 · .

Zitierempfehlung: Stieber, Balthasar, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 19.6.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Stieber,_Balthasar