Stingel, Alberich

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Alberich Stingel

Alberich Stingel

33. Abt des Zisterzienserstiftes Neukloster 1775–1801

* 25. Sep. 1723 Wien
† 24. Jan. 1801 Wiener Neustadt

Albericus Stingel, Taufname Johann, wurde 1723 in Wien geboren. Er trat am 31. Oktober 1748 in das Stift Neukloster ein, legte am 1. November 1749 die Profess ab und feierte am 29. März 1750 seine Primiz. Von 1754 bis 1756 war er Kooperator in St. Lorenzen, dann Stiftsprediger. 1762 wurde er Prior und war von 1765 bis 1768 Pfarrverweser in St. Lorenzen, dann wieder Prior und Novizenmeister. 1774 wurde er Direktor der Kanzlei und am 17. Mai 1775 zum Abt gewählt.

Abt Alberich hatte ein gutes Verhältnis zur kaiserlichen Familie, die das Kloster mehrfach besuchte. Dieser Tatsache war es wohl auch zu verdanken, dass das Neukloster die josefinischen Klosteraufhebungen überstand. Kaiserin Maria Theresia schenkte dem Kloster 1776 ein nordöstlich der Burg gelegenes Sumpfgrundstück, das Abt Alberich bis 1781 in zisterziensischer Tradition trockenlegen und zu einem Klostergarten umgestalten ließ. Kaiser Josef II. bestätigte diese Schenkung und die übrigen Rechte und Besitzungen des Stiftes.

1784 musste das Stift einen Teil der Pfarrseelsorge in Wiener-Neustadt übernehmen und die neugegründete Stiftspfarre Neukloster mit einem Pfarrer und zwei Kooperatoren besetzen. Abt Alberich kann so als erster Stiftspfarrer angesehen werden. Auch die Landpfarren wurden beträchtlich vermehrt. Die dazu notwendigen Baumaßnahmen (Pfarrhöfe, Schulhäuser) geschahen, wie in den anderen österreichischen Klöstern auch, allein auf Kosten des Neuklosters. Abt Alberich war daher gezwungen, mehrere Besitzungen des Klosters zu veräußern und Kredite aufzunehmen. Dafür stand er aber bei Kaiser Josef II. in so hoher Gunst, dass er 1789 mit der Administration der Güter des aufgehobenen (1790 aber wiederhergestellten) Stiftes Lilienfeld beauftragt wurde, eine zweifelhafte und keineswegs beneidenswerte Ehre.

1790 wurde er auch vom niederösterreichischen Prälatenstand zum ständigen, besoldeten Ausschuss gewählt. 1794 beging er die 350-Jahr-Feier des Stiftes, 1800 sein Goldenes Priesterjubiläum in Anwesenheit des Erzherzogs Ferdinand, Bruder Kaiser Josefs II., der – von den Franzosen aus Mailand vertrieben – 1797 mit seiner Familie und dem gesamten Hofstaat seinen Wohnsitz in der Prälatur genommen hatte (Abt Alberich war in das Priorat in der Klausur ausgewichen).

Persönlich beschäftigte sich Abt Alberich mit den Naturwissenschaften (Pomologie, Bienenkunde, Mineralogie). Für die von Abt Josef Stübicher gegründete Bibliothek ließ er so viele neue Bücher anschaffen, dass der Bibliothekssaal vergrößert werden musste. Seinen Kapitularen P. Dominik Pruckner (1789–1801 Prior) schickte er zur Ausbildung in neuen Lehrmethoden nach Wien und übertrug ihm dann die Leitung der neueingerichteten deutschen Normalschule in Wiener Neustadt.

Den Friedensschluss von Lunéville am 9. Februar 1801 erlebte Abt Alberich nicht mehr. Er starb am 24. Jänner 1801 und wurde als erster der Äbte des Neuklosters auf dem allgemeinen Friedhof bestattet. Erzherzog Ferdinand und seine Gemahlin Maria Beatrix von Este stifteten ihm ein Kenotaph in der Stiftskirche. Zum Nachfolger wurde Anton Wohlfarth gewählt.

gge, April 2018


Daten:

Vest.: 31. Okt. 1748; Prof.: 1. Nov. 1749; Prim.: 29. März 1750.

Literatur:

Schwindel, Bernhard: Das Cisterzienser-Stift in Neustadt, in: Topographie des Erzherzogthums Oesterreich. 13 (=1/9), Wien, Wenedikt, 1835, S. 118–128 · Kluge, Benedikt: Das Neukloster in Wiener-Neustadt, in: Sebastian Brunner (Hrsg.), Ein Cistercienserbuch, Wien, Woerl, 1881, S. 220–279 (hier: 263–268) · Strommer, Alberich: Anton Wohlfarth. 1801 bis 1836 Abt des Neuklosters in Wiener Neustadt, ein Repräsentant des Spätjosephinismus. Ein Beitrag zur Geschichte des seit 1881 mit dem Stift Heiligenkreuz vereinigten Neuklosters (Heiligenkreuzer Studienreihe, Bd. 3). Heiligenkreuz 1984, S. 189.

Zitierempfehlung: Stingel, Alberich, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 1.4.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Stingel,_Alberich