Thebes, Bernhard

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Bernhard Thebes OCist
Foto: Stift Heiligenkreuz

Bernhard Thebes OCist

2. Prior von Langwaden 1971–1992; 47. Abt von Osek 1990–2000; Präses der böhm. Zisterzienserkongregation vom reinsten Herzen Mariens.

* 4. Nov. 1928 Wickershausen (Hollenstedt-Northeim)
† 27. März 2010 Goppeln

Heinrich Thebes wurde 1928 als zweites von sieben Kindern einer Landarbeiterfamilie in Wickershausen bei Hannover geboren. Noch vor Beendigung des Gymnasiums in Einbeck wurde er als Marinehelfer eingezogen. Nach dem Krieg und einer Maurerlehre zog er als Wandergeselle bis nach Sizilien. Während seines Ingenieurstudiums in Mainz lernte er einen vertriebenen Mönch aus der damaligen Tschechoslowakei kennen, der in ihm den Wunsch weckte Priester zu werden. So trat er 1956 als Gastnovize für den vertriebenen Konvent von Hohenfurt in die Abtei Marienstatt im Westerwald ein. 1957 legte er die einfache Profess für Hohenfurt ab, die 1960 auf die nordböhmische Abtei Osek überschrieben wurde. Im gleichen Jahr machte er das Abitur im Spätberufenenkolleg Marianum in Neuss, worauf das Philosophiestudium in Marienstatt und Knechtsteden und das Theologiestudium in Rom folgten. 1965 weihte ihn Kardinal Frings zum Priester.

Schon als junger Frater hatte Bernhard Thebes am Aufbau des 1961 für den vertriebenen Konvent von Osek gegründeten Klosters Langwaden bei Köln mitgearbeitet, das er von 1971 bis 1992 als Prior leitete. In seiner fast zwanzigjährigen Amtszeit machte Thebes die soziale Arbeit (Obdachlosenhilfe), das Weltoblateninstitut und die seelsorgliche Offenheit für alle Menschen zu wesentlichen Bestandteilen des zisterziensischen Selbstverständnisses Langwadens.

Am 14. Juli 1990 zum 47. Abt von Osek gewählt, wurde Thebes am folgenden Tag von Generalabt Polikárp Zakar benediziert und siedelte am Benediktustag 1991 (21. März) nach Tschechien um. Dort setzte er sich für die Wiederbelebung der Abtei Osek und die Missionierung ihres postkommunistisch-atheistischen Umfelds ein. Als Abtpräses kämpfte er unermüdlich um die Rückerstattung beschlagnahmter Kirchengüter und Klöster seiner Kongregation.

Wie schon in Langwaden zeigte sich Abt Bernhards Charisma auch in Osek in der Aufnahme von Obdachlosen. Schnell bildete sich auch ein stets wachsender Oblaten- und Freundeskreis. 2008 zwangen das Alter und eine fortschreitende Krebserkrankung Thebes zum Umzug in das Pflegeheim der Nazarethschwestern in Goppeln bei Dresden, was zur Auflösung des aus ihm und einem weiteren Mönch bestehenden Konvents von Osek führte.

Requiem und Beerdigung wurden am Ostermittwoch, dem 7. April 2010, um 10.00 Uhr im Kloster Osek von Bischof Jan Baxant (Leitmeritz) geleitet. Abt Bernhard wurde in der Krypta des Klosters Osek beigesetzt; eine Gedenktafel wurde am 20. Aug. 2010 auf dem Klosterfriedhof Langwaden enthüllt.

gge


Daten:

Vest.: 1. Juli 1956; Prof.: 2. Juli 1957, Sac.: 15. Juli 1965; Prior: el. 18.Okt. 1971, Abbas: el. 14. Juli 1990, ben. 15. Juli 1990, res. 3. Aug. 2000; Dev.: Quaerite primum regum Dei – Sucht zuerst das Reich Gottes (Matth. 6,33).

Quellen:

Nachruf, Todesanzeige

Literatur:

Abt Bernhard Thebes O.Cist. (1928–2010), ACi 61 (2011), S. 338–339.

Zitierempfehlung: Thebes, Bernhard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 6.5.2013, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Thebes,_Bernhard