Trilhe, Robert

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Robert Trilhe

Robert Trilhe OCSO

Auguste Trilhe

Zisterzienser der Abtei Désert, Ordenshistoriker, später Professor und Domherr in Toulouse

* 14. Juni 1866 Préserville, Dép. Haute-Garonne
03. Mai 1930 Toulouse

Robert Trilhe, Taufname Auguste Stanislas, geboren am 14. Juni 1866 in Préserville bei Toulouse, erhielt seine Schulbildung am Jesuitenkolleg in Toulouse und trat 1883 in die Zisterzienserabtei strengerer Observanz Sainte-Marie-du-Désert in Bellegarde-Sainte-Marie ein (Novizenmeister Ange Ginabat), die er aber 1888 wegen seiner schwächlichen Konstitution wieder verlassen musste. Von Bischof Desprez von Toulouse zum Studium nach Rom geschickt, wurde er dort 1892 zum Priester geweiht und 1895 in Philosophie, Theologie und Kirchenrecht promoviert. Danach war er als Weltpriester in Toulouse tätig, zunächst als Geistlicher eines Waisenhauses, dann als Kaplan der Pfarrei Saint-Exupère in Toulouse.

Im März 1900 unternahm er einen erneuten Anlauf als Mönch in Désert, der aber ebenfalls scheiterte. Nach einer Verwendung als Beichtiger im Frauenkloster Blagnac wurde er 1911 exklaustriert und trat wieder in die Dienste der Diözese Toulouse (Inkardination 1916). 1918 übernahm er einen Lehrstuhl für Kirchenrecht am Katholischen Institut von Toulouse, war Vize-Offizial der Diözese und erhielt eine Stelle als Domherr. Das von ihm als Generalökonom geleitete Projekt des Wiederaufbaus der Eleona (Paternosterkirche) auf dem Ölberg in Jerusalem (nach dem Vorbild der Basilika auf dem Montmartre in Paris) kam wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht zum Abschluss. Er starb am 3. Mai 1930 in Toulouse.

Trilhe befasste sich Zeit seines Lebens als Zisterzienser und Weltgeistlicher mit zisterziensischer Rechts- und Liturgiegeschichte und publizierte dazu wichtige Arbeiten. Während seines zweiten Noviziats beauftragte ihn Abt Candide Albalat zusammen mit seinem Novizenmeister André Malet, einen Entwurf zur Vereinheitlichung des Zisterzienserritus zu erarbeiten, nachdem sich die drei ’trappistischen’ Observanzen 1892 zu einem gemeinsamen Orden konstituiert hatten. Ergebnis der Bemühungen war das Manuale Caeremoniarum (Westmalle, 1908, 1948). Seine Auffassung von der frühen Liturgie der Zisterzienser legte Trilhe in einem umfangreichen Lexikonartikel nieder.

1927 entdeckte Trilhe in einer Handschrift der Pariser Nationalbibliothek die sog. Summa Cartae Caritatis (SCC), einen Vorläufer der bis dahin einzig bekannten Überlieferung der Carta Caritatis, der Urverfassung des Zisterzienserordens. Dieser Text wurde nach seinem Tod durch Vermittlung von Alexis Presse von dem ungarischen Zisterzienser Tibor Hümpfner herausgegeben (1932).

Außerdem hinterließ Trilhe eine umfangreiche Sammlung der Akten der zisterziensischen Generalkapitel, die Alexis Presse nach Trilhes Tod dem Belgier Joseph-Marie Canivez von der Abtei Scourmont zur Bearbeitung und Herausgabe überließ. Diese Statuta capitulorum generalium ordinis Cisterciensis erschienen von 1933 bis 1941 in acht Bänden (zzgl. einem Registerband).

gge, März 2017


Daten:

Vest.: 1883, 25. März 1900;

Werke:

Mémoire sur le projet de cérémonial cistercien. Imp. catholique Saint-Cyprien, Toulouse 1900 (als Robert Trilhe) · La Constitution « Divino afflatu » et les nouvelles rubriques du Bréviaire romain. Casterman, Tournai/Paris 1912 (als Robert Trilhe) · Cîteaux (Liturgie de l’Ordre de), in: Dictionnaire d'archéologie chrétienne et de liturgie, Faszikel 29, 1913, Sp. 1779–1811 (als Robert Trilhe) · Les nouvelles modifications aux rubriques. Casterman, Tournai/Paris 1914 · A propos de la fondation de l'abbaye d'Eaunes, in: Revue de Comminges 28, 1915, S. 253–262 (als Robert Trilhe) · Programma examinum ad gradus in jure canonico assequendos. Secrétariat de la Faculté de Droit canon, Toulouse 1921 (als Auguste Trilhe) · Vollständiges Schriftenverzeichnis (Cistopedia, PDF).

Literatur:

Herzog, Hermann Maria: Zisterzienser zwischen Gesetz und Geist. Sébastien Wyart, Bonaventura Stürzer, Alexis Presse und Vitus Recke, in: Cistercienser Chronik 119 (2012), S. 361–376, bes. S. 374 · Hausmann, Franz Josef: Auguste Trilhe, in: Wikipedia, Version vom 30. Oktober 2015‎ · Savioz, Jean-Marie: P. Robert Trilhe (1866–1930), in: Cistopedia [ohne Datum], eingesehen am 11. März 2017.

Zitierempfehlung: Trilhe, Robert, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 2.10.2018, URL: http://www.biocist.org/wiki/Trilhe,_Robert