Uls, Jacobus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Jacobus Uls

Jacobus Uls

frz. Jacques Uls

45. Abt von Val Dieu 1790–1796

* 26./29. Nov. 1742 Bonvoisin, Dison
01. Febr. 1812 Val Dieu

Jacques Uls, Taufname Nicolas-Joseph, letzter Abt der alten Abtei Val-Dieu, geb. am 26. (Van Doninck) oder 29. (Vandekerckhove) November 1742 in Bonvoisin, erhielt seine Schulbildung im Kolleg der Rekollekten in Verviers und trat 22-jährig in Val-Dieu ein. Am 4. April 1765 legte er Profess ab und wurde, nachdem er nach Ostern 1766 am Collège de Villers in Löwen ein Bakkaleureat in Theologie erworben hatte, 1767 zum Priester geweiht. Danach lehrte er im Kloster Theologie, war Subprior und schließlich Provisor. Als solcher wurde er bei der Abtwahl am 5. Juli 1790 zum ersten Kandidaten einer Dreierliste gewählt und am 7. Juli 1790 von der Ständeversammlung in Henri-Chapelle ernannt. Die kaiserliche Bestätigung erhielt er am 31. Juli, die Benediktion am 15. August 1790 durch den Nuntius Antonio Felice Zondadari, Erzbischof von Adana in partibus.[1]

Nach dem für die Koalition ungünstigen Ausgang der Schlacht bei Fleurus am 26. Juni 1794 floh Abt Uls Ende September 1794 vor den heranrückenden französischen Revolutionstruppen über den Rhein, zunächst nach Aachen, wo er mit einer schon früher abgereisten Mönchsgruppe zusammentraf, dann über Oberhausen, Essen und Bochum bis nach Witten (Schloss Steinhausen), wo die Mönche sich vorerst niederließen. Nach siebenmonatiger Abwesenheit konnten sie zurückkehren und lebten gegen Zahlung einer Miete bis zum 7. Mai 1798 in den Gebäuden der 1796 aufgelösten Abtei.

Da der Abt den von der Revolutionsregierung geforderten Eid auf die Zivilverfassung für den Klerus nicht ablegen wollte, wurde er per Dekret vom 5. November 1798 zur Deportation verurteilt, der er aber entging, weil er während der gesamten Zeit der Verfolgung das Versteck, das er sich in der Abtei hatte machen lassen, niemals verließ. Ihm gelang es, mit den Bons der Mönche das Kloster mit der Kirche und verschiedenen Häusern und Äckern beim öffentlichen Verkauf für 200.000 Francs in Assignaten zurückzukaufen. Er blieb alleine in der Abtei wohnen, den entlassenen Mönchen zahlte er eine Pension.

Jacobus Uls starb am 1. Februar 1812 und wurde in der Abteikirche beigesetzt. Da er kein Testament hinterlassen hatte, legten seine Verwandten, ein Halbbruder mütterlicherseits, Hand auf Val Dieu. Verschiedene Betriebe, die in den Gebäuden eingerichtet wurden, gingen bald wieder ein. Kirche und Kloster lagen dann eine Reihe von Jahren unbenutzt da. 1839 gingen die Arbeiter beim Versuch den Kirchturm abzutragen, um ihn in Verviers wieder aufzubauen, so ungeschickt zu Werke, dass der Turm einstürzte, die Gewölbe durchschlug und die ganze Kirche in eine Ruine verwandelte.

Der letzte Religiose von Val Dieu, P. Bernhard Klinkenberg, konnte 1840 die Ruinen zurückkaufen und 1844 mit einer kleinen Kolonie von Bornem wiederbesiedeln.

gge

  1. Der eigentlich zuständige Lütticher Fürstbischof Graf von Hoensbroech befand sich wegen der sog. Lütticher Revolution im Exil.

Literatur:

Vandekerckhove, Antoine: Histoire de l'abbaye du Val-Dieu a travers les siecles. 1215–1954. 2. ed. Dison 1954, p. 266–284 · Van Doninck, Benedictus: Mittheilungen über unsere Klöster und Ordensbrüder in Belgien zu Ende des 18. Jahrhunderts. CistC 10 (1898), S. 225–232, 265–272, 321–328; 11 (1899), S. 8–14, 37–46, 75–81, 107–109, 143–148, 176–180, 207–210, hier: CistC 11 (1899), S. 42–43 · Aus Aachens Vorzeit. Mittheilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit, Band 15, Aachen 1902, S. 122–124.

Zitierempfehlung: Uls, Jacobus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 29.12.2014, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Uls,_Jacobus