Wacker, Petrus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Petrus Wacker

Petrus Wacker OCSO

5. Abt von Ölenberg

* 1. Aug. 1868 Kickenbach [heute zu Lennestadt, Kreis Olpe]
† 1. Jan. 1952 Ölenberg

Petrus Wacker erhielt seinen ersten Unterricht beim Pfarrer seines Heimatortes und besuchte dann das Gymnasium Theodorianum in Paderborn. Nach dem Abitur 1889 studierte er Theologie in Münster, trat 1891 in die Abtei Ölenberg im Elsass ein und beendete sein Studium an der Hauslehranstalt. Abt Franciscus Strunk schickte Wacker zum Weiterstudium nach Rom, wo er am 17. April 1897 in der Lateranbasilika zum Priester geweiht und im folgenden Jahr zum Doktor des Kirchenrechts promoviert wurde (4. Juli 1898).

Nach Ölenberg zurückgekehrt, lehrte Wacker dort Dogmatik und Kirchenrecht; 1903–1908 weilte er als Generaldefinitor wieder in Rom, wo er mit Pius X. gute Bekanntschaft schloss, der ihn öfter mit wichtigen Aufgaben betraute, u.a. zu den niederländischen Klöstern. Seit 1908 als Subprior wieder in Ölenberg, wurde er nach der Amtsniederlegung seines Vorgängers Strunk zum Abt gewählt (29. Jan. 1912). Die Benediktion erhielt er am 11. Februar 1912 im Generalatshaus in Rom durch Mgr. Marre, Titularbischof von Constantia und Abt von Cîteaux.

Abt Petrus übernahm von seinem Vorgänger ein gut bestelltes, fast schuldenfreies Haus, musste aber mit dem Ersten Weltkrieg die völlige Zerstörung seines im Kampfgebiet liegenden, zur Festung ausgebauten Klosters und die Zerstreuung des Konvents miterleben (1915). Während 70 Mönche unter der Leitung des Priors zunächst in Ölenberg blieben, ging der Abt nach Freiburg, kurz vor Kriegsende nach Mühlhausen, und kehrte unmittelbar nach dem Waffenstillstand (11. November 1918) in seine zertrümmerte Abtei zurück.

Nach einem kurzen Aufenthalt im Kloster Banz begann Wacker mit dem Wiederaufbau Ölenbergs, der bis 1927 dauerte. 1925 gründete er für die deutschen Mönche, die nicht mehr ins nun französische Elsass zurückkehren konnten, die Abtei Engelszell in Österreich. Durch eine kluge Wirtschaftsführung gelang es Wacker, die Abteien Ölenberg und Engelszell schuldenfrei zu bekommen, bis der Zweite Weltkrieg (1939–1945) erneut die Zerstörung Ölenbergs brachte. 1939 wurde Engelszell, 1941 das Tochterkloster Mariawald von den Nazis aufgehoben, die Mutterabtei Ölenberg konnte, obwohl zu Truppenunterkunft, Flüchtlingslager und Altenheim umfunktioniert, mit Einschränkungen weiterbestehen, bis sie 1944 durch Bombenangriffe zum zweiten Mal in Trümmer gelegt wurde. Als Ende Februar 1945 der Krieg im Elsass vorbei war, kehrten die Mönche zurück und begannen erneut mit dem Wiederaufbau.

1947 feierte Petrus Wacker sein goldenes Priesterjubiläum und legte im Herbst 1949, achtzigjährig, sein Amt nieder. Er zog sich zunächst in das Trappistinnenkloster Ergersheim, dann in seine Gründung Engelszell zurück. Nach einem Schlaganfall kehrte er im November 1951 nach Ölenberg zurück, wo Anfang Dezember ein zweiter Schlaganfall folgte. Er starb am Neujahrstag 1952 und wurde in der Äbtegruft beigesetzt.

gge


Daten:

Sac.: 17. April 1897 (Rom); Abbas: el. 29. Jan. 1912, inst. 30. Jan. 1912, ben. 11. Feb. 1912 (Rom), res. 15. Nov. 1949; Dev.: In fide et mansuetudine – Im Glauben und der Gewohnheit.

Literatur:

Bader, P. M. Gabriel: Abt Dr. Petrus Wacker †. In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 9 (1952) 582. · Zacharias, Klaus: Von Paderborn ins Elsass. Die Alt-Theodorianer Franziskus Strunk und Petrus Wacker als Äbte der Trappistenabtei Ölenberg. In: Jahrbuch für mitteldeutsche Kirchen- und Ordensgeschichte 4 (2008), S. 249–257 : Ill.

Zitierempfehlung: Wacker, Petrus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 18.3.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Wacker,_Petrus