Walthausen, Hedwig Luise

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Hedwig Luise von Walthausen

Hedwig Luise von Walthausen

letzte Äbtissin des Klosters Rulle 1786–1802

* 1. Jan. 1747 Paderborn
† 9. Juli 1826 Hagen am Teutoburger Wald

Hedwig Luise von Walthausen wurde 1747 als Tochter des kurkölnischen Oberstleutnants Johann Christoph von Walthausen und seiner Frau Luise Henriette von Westphalen geboren.1772 legte sie im Zisterzienserinnenkloster Rulle die Profess ab und wurde nach dem Tod ihrer Vorgängerin Anna Lucia von Reusch († 20. April 1786) zur Äbtissin gewählt. Abt Stephan Pöttken von Marienfeld als Vaterabt ignorierte die Forderung des Kurfürsten Max Franz, die Einsetzung der Äbtissin selbst (d.h. vertreten durch seinen Generalvikar Karl von Vogelius) vorzunehmen, und benedizierte die Neugewählte am 9. Mai 1786. Am 7. Juli 1786 trat sie ihr Amt an.

Über Äbtissin Walthausens Amtszeit lagen schon die Schatten der bevorstehenden Aufhebung des Klosters. Zwar hielt sie als Holzgräfin im November 1786 noch ihr erstes Hölting ab, verkaufte aber 1802 die Wallenhorster und Lechtinger Holzgrafschaft, um sie dem Zugriff durch den Staat zu entziehen. Als 1795 die Priorin Antonetta von Clevorn starb, setzte sie keine Nachfolgerin mehr ein, auch Postulantinnen nahm sie keine mehr auf. Eine erzbischöfliche Visitation des Klosters 1787 bescheinigte dessen guten, wenn auch durch vorangegangene Baumaßnahmen hochverschuldeten Zustand. Der Konvent bestand aus acht Chorfrauen im Durchschnittsalter von 39 Jahren und fünf Laienschwestern (Werkschwestern) im Durchschnittsalter von 47 Jahren.

Am 1. Dezember 1802 wurde das königliche Wappen an das Klostertor geschlagen, am 12. Februar 1803 die Abtei nach 572 Jahren endgültig säkularisiert und enteignet. Das gesamte Hochstift Osnabrück fiel an den Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg (König Georg III. von England). Sämtliches Klostermobilar wurde versteigert, das Tafel- und Kirchensilber, auch die Äbtissinnenstäbe, in Hannover eingeschmolzen. Die Chorfrauen und Schwestern durften vorerst im Kloster wohnen bleiben. Äbtissin Hedwig Luise lebte mit ihrer Schwester Sophie Karoline, die aus dem schon 1787 aufgehobenen Kloster Bersenbrück nach Rulle gekommen war, und einer Laienschwester im westlichen Teil des Abteihauses, wo sie ein lebenslanges Wohnrecht hatte. In den 1820er-Jahren zog sie mit ihrer Schwester nach Hagen im Teutoburger Wald, wo sie sehr zurückgezogen lebten. Dort gaben sie Geld zur Einrichtung einer Mädchenschule und gründeten den wohltätigen „Walthausenfonds“, der bis zur Inflation 1923 bestand.

Hedwig Luise von Walthausen starb am 9. Juli 1826, an Wassersucht, Sophie Karoline vier Jahre später, am 15. Juni 1830. Beide Gräber wurden 1842 beim Ausheben eines Heizungskellers vernichtet.

gge, Juni 2018


Daten:

Prof.: 1772; Abbatissa: ben. 9. Mai 1786..

Literatur:

Lorenz-Flake, Wilma: Kloster Rulle und seine Äbtissinnen. Wallenhorst: Selbstverlag der Arbeitsgemeinschaft für die Geschichte der Gemeinde Wallenhorst, 1980, S. 149ff.

Zitierempfehlung: Walthausen, Hedwig Luise, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 11.6.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Walthausen,_Hedwig_Luise