Weinbach, Nikolaus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Nikolaus Weinbach

Nikolaus Weinbach

Abt des Klosters Eberbach 1633–1642

† 31. März 1658 Köln?

Joh. Nikolaus Weinbach aus Oberlahnstein wurde am 18. April 1633 zum Nachfolger des verstorbenen Abtes Leonhard Klunckard gewählt – in Köln, wo der 1631 vor den Truppen des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar aus Eberbach geflohene Konvent zur Wahl zusammengekommen war. Bestätigt wurde er am 14. Juli durch den ebenfalls in Köln weilenden Mainzer Erzbischof und Kurfürsten Anselm Kasimir Wambolt von Umstadt, benediziert in der Kirche des Klosters Himmerod, wo er im Exil lebte.

Als Bursar hatte Weinbach den Abt schon nach dessen Tod am 29. November 1632 vertreten. Um die Schuldenlast des Klosters durch den kostspieligen Aufenthalt in Köln nicht noch größer werden zu lassen, schickte er nach seiner Wahl alle Mönche wieder in die umliegenden Klöster zurück, wo sie nach der Vertreibung Aufnahme gefunden hatten (vor allem in Himmerod). Erst Ende 1635/Anfang 1636, als nach dem Sieg der Kaiserlichen bei Nördlingen das Rheingau von den Franzosen und Schweden verlassen wurde, konnten Abt und Konvent wieder in das völlig ruinierte und ausgeplünderte Kloster Eberbach zurückkehren.

Küche und Keller, Kisten und Kasten waren leer, kein Acker und kein Weinberg bestellt, kein Vieh mehr vorhanden. Der Abt lieh sich Geld und begann mit dem Wiederaufbau der Landwirtschaft. Besonders schmerzlich für die Mönche war der Verlust der wertvollen Bibliothek, die früher als eine Art Welt­wunder gegolten hatte. Abt Nikolaus ließ die Bücher aus dem Eberbacher Hof in Mainz durch den dortigen Schaff­ner Johannes Horresheim nach Eber­bach schaffen, Pfarrer Johannes Brigelius († 1653) von Eltville schenkte seine Bibliothek, so dass es wieder einen Anfang gab. Den von den Schweden eingesetzten hessischen Verwalter Johann Philipp Murus (de Mur), der 14 große Fässer voll Bücher aus der Bibliothek weggeschafft hatte, verklagte er (erfolglos) beim Senat der Stadt Frankfurt. Auch seine Bemühungen, wertvolles Kirchensilber vom Kasseler Hof wiederzuerlangen, blieben erfolglos.

Für seine Bemühungen fand Abt Nikolaus bei einem Teil des Konvents keine Zustimmung. Von seinen Gegnern beim Kurfürsten von Mainz verklagt, er habe zu viel Aufwand getrieben, wurde er nach einer Visitation des Klosters von den erzbischöflichen Kommissaren verhaftet und in Mainz inhaftiert, um abgesetzt zu werden. Da er sich unschuldig fühlte, legte er sein Amt erst nach einer Untersuchung durch die Äbte von Himmerod (Matthias Glabus) und Arnsburg (Johann Adam Güll) nieder. In seinem Abdankungsschreiben vom 13. Mai 1642 an den Erzbischof verwahrte er sich erneut gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Den Titel Abt durfte er weiter führen. Mit einer kleinen Pension versehen, lebte er nach seiner Resignation im Eberbacher Hof in Köln.

Nach dem Tod seines Nachfolgers Johann Rumpel 1648 wurde er erneut zum Abt gewählt, vom Kurfürsten aber nicht bestätigt. Er starb am 31. März 1658. Vir sane magne expectationis, mihique inprimis multis nominibus excolendus, schreibt Jongelin über ihn.

gge, März 2019


Daten:

Abbas: el. 18. April 1633, res. 13. Mai 1642.

Literatur:

Widmann, Simon: Johannes Nikolaus Weinbach von Oberlahnstein, Abt zu Eberbach 1633–1642, in: Rhenus. Beiträge zur Geschichte des Mittelrheins (Oberlahnstein) Bd. 3, 3 (1886) S. 40–41 · Ders.: Zur Geschichte des Klosters Eberbach während des dreissigjährigen Krieges, in: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung 16 (1881), S. 28–34. ISSN: 0077-2887.

Zitierempfehlung: Weinbach, Nikolaus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 27.3.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Weinbach,_Nikolaus