Wiest, Stephan

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Stephan Wiest

Stephan Wiest

Zisterzienser der Abtei Aldersbach; Theologieprofessor

* 07. März 1748 Teisbach, Niederbayern
† 10. April 1797 Aldersbach

Stephan Wiest, Taufname Adam, trat 1767 nach den in Ingolstadt absolvierten Gymnasialstudien in das niederbayerische Zisterzienserkloster Aldersbach ein und legte dort am 28. Oktober 1768 die Profess ab. Philosophie und Theologie studierte er im Kloster unter Balduin Wurzer, feierte am 13. Oktober 1772 die Primiz und wurde dann zum Weiterstudium nach Ingolstadt gesandt. 1774 nach Aldersbach zurückgekehrt, lehrte er dort Philosophie und Mathematik und 1781–82 Theologie.

Als 1782 an der Universität Ingolstadt die von Mitgliedern des 1773 aufgehobenen Jesuitenordens besetzten Lehrstühle mit Theologen aus anderen Orden besetzt wurden, erhielt Wiest in der Nachfolge von Johann Michael Sailer, der nach Dillingen ging, den zweiten Lehrstuhl für Dogmatik; daneben lehrte er auch Patrologie und theologische Literaturgeschichte. Zugleich wurde er zum Doktor der Theologie promoviert und erhielt etwas später den Titel eines kurfürstlichen geistlichen Rats. 1783/84 und 1788/89 war er Dekan der theologischen Fakultät, 1787/88 Rektor der Universität.

Nach dreizehnjähriger Tätigkeit musste Wiest im Herbst 1794 sein Lehramt aufgeben, nachdem durch kurfürstliches Dekret vom 26. September d.J. bestimmt worden war, alle Lehrstühle ausschließlich mit Mitgliedern des Benediktinerordens zu besetzen. Wiest kehrte in sein Kloster zurück und widmete sich, frei von jedem Amt, nur noch seiner literarischen Tätigkeit. Alle Versuche seiner Freunde, ihn auf einen anderen Lehrstuhl zu berufen, schlug er aus. Am 10. April 1797 starb Stephan Wiest in Aldersbach; die Niederschrift einer Moraltheologie blieb unvollendet.

Wiests großes dogmatisches Hauptwerk sind die Institutiones theologicae (6 Bände, Eichstätt, 1782–86; Ingolstadt, 1788–89; 2. Auflage, Ingolstadt, 1788–1801). Sein Biograph Lauchert bezeichnet ihn aufgrund »des streng positiven Charakters seiner Theologie und seiner ausgedehnten und soliden Gelehrsamkeit« als einen der bedeutendsten deutschen katholischen Theologen des 18. Jahrhunderts.

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Werke:

Initia philosophiae purioris cum positionibus mathematicis (Regensburg 1776) · Positiones theoretico-practicae ex philosophia et mathesi (Regensburg 1779) · Positiones ex theologia dogmatica (Eichstätt 1781) · Dissertatio de moderatione theologica (Eichstätt 1782) · Institutiones theologicae (6 Bände, Eichstätt, 1782–86; Ingolstadt, 1788–89) · Institutiones theologiae dogmaticae in usum academicum (2 Bände, Ingolstadt 1791, Landshut 1817 und 1825) · De iustitia Dei punitiva contra quaedam asserta cl. Eberhardi et Steinbartii aliorumque diss. (Ingolstadii 1787) · Oratio de necessario scientiae et pietatis nexu (Ingolstadii 1788) · De Wolfgango Mario Abbate Alderspacensi (Ingolstadt 1788, 89, 92) · Introductio in historiam theologiae revelatae potissimum catholicae (Ingolstadt 1794) · Institutiones Patrologiae in usum academicum (Ingolstadt 1795).

Literatur:

Lauchert, Friedrich: Briefe von Stephan Wiest (O. Cist.) an Gerhoh Steigenberger. StMBO 21 (1900) 127–135, 285–306, 535–553 · ADB 42 (1897) 440–442 · Brandl, Manfred: Die deutschen katholischen Theologen der Neuzeit. Band 2: Aufklärung. Salzburg, 1978.

Normdaten:

GND: 11884170X · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Wiest, Stephan, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 25.10.2011, URL: http://www.biocist.org/wiki/Wiest,_Stephan