Willi, Dominikus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Dominikus Willi OCist

Dominikus Willi OCist

1. Abt von Marienstatt 1889–1898; 6. Bischof von Limburg 1898–1913

* 20. April 1844 Domat/Ems, Kt. Graubünden
06. Jan. 1913 Limburg/Lahn

Dominikus Willi, Taufname Martin Karl, wurde am 20. April 1844 in Ems in der Nähe von Chur geboren. Sein Vater Leonhard Anton Willi († 1889), ein ehemaliger königlich-neapolitanischer Offizier, war dort Landwirt und Gemeindepräsident. Martin Karl war das fünfte Kind. Seine Muttersprache war Rätoromanisch, Deutsch lernte er an der sog. Hofschule in Chur, die er seit dem 8. Lebensjahr besuchte, und am Gymnasium der Benediktiner in Einsiedeln, wohin er 1855 als Internatsschüler kam. Der Tod seiner Mutter Anna geb. Bieler 1858 führte zu einer Vertiefung seines religiösen Lebens. Hatte es ihn vorher dem Wunsch des Vaters gemäß zum Offiziersberuf gezogen, entschied er sich nun, Priester zu werden.

Nach der Matura 1861 trat er in die von Schweizer Zisterziensern gegründete Abtei Wettingen-Mehrerau in Bregenz, Österreich, ein und wurde dort am 11. November 1861 gemeinsam mit dem späteren Abt Maurus Kalkum von Abt Leopold Höchle als Novize eingekleidet. Am 13. November 1862 legte er als Frater Dominikus die Profess ab. Er studierte Theologie in Einsiedeln (1863–1865) und Mehrerau (1865–1867) und wurde am 12. Mai 1867 in Feldkirch von Bischof Amberg zum Priester geweiht. Bei seiner Primiz am 2. Juni 1867 predigte der Churer Domherr Hermenegild Simeon, der Willi 1891 als P. Bernhard in die Abtei Marienstatt folgte († 1905).

Noch vor der Priesterweihe war er in Mehrerau zum Succentor (Gehilfen des Chorleiters) ernannt worden, welches Amt er vom 15. August 1866 bis 1873 bekleidete. Unter Abt Martin Reimann war er vom 7. September 1867 bis 1875 Präfekt der Klosterschule und vom 14. August 1875 bis 1888 Rektor der Stiftsschule, des »Collegium Bernardi«, zwei Ämter, die seine ganze Kraft forderten. Trotzdem verwaltete er von Mai bis Dezember 1877 auch das Bursariat und wurde am 14. August 1878 von Abt Maurus Kalkum zum Prior ernannt. Dazu kam am 25. März 1885 noch das Amt des Brüdermagisters.

Als es nach dem Ende des preußischen „Kulturkampfs“ und langen Verhandlungen 1888 möglich wurde, die 1802 aufgehobene Abtei Marienstatt im Westerwald mit Mehrerauer Zisterziensern wiederzubesiedeln, wurde er im Kapitel vom 14. August 1888 zum Gründungsprior ernannt und übersiedelte Ende August mit fünf Patres und drei Laienbrüdern dorthin. Er wurde preußischer Staatsbürger und nach etwas mehr als einem Jahr, am 8. Dezember 1889, ernannte ihn Abt Maurus im Kapitel in Mehrerau zum Abt von Marienstatt. Nach der päpstlichen Bestätigung durch Breve vom 18. Januar 1890 wurde er am 27. April 1890 in Mehrerau von Abt Maurus, unter Assistenz der Äbte Basilius Oberholzer OSB von Einsiedeln und Meinrad Siegl OCist von Ossegg, benediziert.

Der Wiederaufbau Marienstatts nach der Säkularisation wurde Dominikus Willis Lebenswerk (Denter). Am 8. Mai 1890 feierlich als Abt installiert, führte er das fort, was er als Prior begonnen hatte: die Heranbildung eines neuen Konvents (der sich bewusst nicht am Mehrerauer Vorbild orientierte), die Wiederherstellung der Klostergebäude und der (dem preußischen Staat gehörenden) Abteikirche (die soweit möglich regotisiert wurde) und die Sicherung der wirtschaftlichen Grundlage der von der Säkularisation ihrer Güter beraubten Abtei. Als Kenner der Ordensgeschichte bestimmte er durch seine Kapitelansprachen und rege Korrespondenz die Geschicke des Ordens wesentlich mit (Denter, S. 150). Gemeinsam mit Abt Maurus unterstützte er die Bemühungen zur Bildung der heutigen Mehrerauer Kongregation aus der ehemaligen Oberdeutschen und Schweizer Kongregation, die auf dem Generalkapitel 1891 in Wien erreicht wurde. Die Trennung des Zisterzienserordens der strengeren Observanz („Trappisten“) von der allgemeinen Observanz auf dem Unionskapitel 1892 versuchte er vergebens zu verhindern, nahm sie aber resigniert hin.

Daneben befasste er sich, wie schon in Mehrerau und auch noch als Bischof, mit zisterziensischer Ordensgeschichte, insbesondere der Schweizer Abtei Wettingen. Eine bedeutende Förderung erhielten seine Forschungen, nachdem er nach dem Tod des Priors Ludwig Oswald 1866 in den Besitz einer größeren Anzahl von Dokumenten und schriftlichen Arbeiten über Wettingen gekommen war. Die Bibliothek der Abtei Marienstatt verdankt Willis Liebe zum Zisterzienserorden und seinen freundschaftlichen Beziehungen zu Äbten und geistlichen Würdenträgern ihre reichen Bestände an ordens- und regionalgeschichtlichen, asketischen und theologischen Büchern, unter denen v.a. die zahlreichen Helvetica zu nennen sind. Seine Forschungen zum Thema Wettingen erschienen zum Teil im Druck, zum Teil sind sie in zwei Foliobänden handschriftlich niedergelegt. Für Sebastian Brunners Cistercienserbuch (Würzburg 1881) bearbeitete er die Kapitel über Wettingen-Mehrerau, Mariastern (Gwiggen) und Lichtenthal (Baden-Baden). Von 1888 an befasste er sich mit der Ordnung des Magdenauer Klosterarchivs und erstellte dazu ein dreibändiges Regestenwerk. Besondere Sorgfalt widmete er dem Professbuch Album Wettingense, das erstmals 1892 und in zweiter, verbesserter Auflage 1904 erschien. Die letzte Frucht seiner Studien ist der 1911/12 in Gregor Müllers Cistercienser Chronik erschienene Katalog der Päpste, Kardinäle und Bischöfe aus dem Zisterzienserorden.

Nach dem Tod des Limburger Bischofs Karl Klein, Freund und Förderer der Abtei Marienstatt, der ihn schon zum Weihbischof hatte ernennen lassen wollen, kam auch Dominikus Willi als Kompromisskandidat auf die Liste der möglichen Nachfolger und wurde, da er vom preußischen König nicht beanstandet wurde, am 15. Juni 1898 vom Limburger Domkapitel zum Bischof gewählt, eine unerwartete Wende in seinem Leben. Generalabt Leopold Wackarž erteilte seine Zustimmung und Papst Leo XIII. bestätigte ihn mit Breve vom 22. Juli 1898. Am 8. September 1898 empfing Willi die Bischofsweihe durch den einzigen damals lebenden Bischof der oberrheinischen Kirchenprovinz, Dr. Paul Haffner von Mainz. Papst Leo XIII. präkonisierte ihn im Konsistorium vom 28. November 1898.

Als Bischof galt der politisch unbelastete Schweizer Willi als Integrationsfigur nach dem erst 1887 beendeten preußischen „Kulturkampf“, dessen Nachwirkungen noch deutlich zu spüren waren. Seinem Selbstverständnis nach mehr Seelsorger als Verwalter (wie sein Vorgänger Klein), war er stets auf Ausgleich bedacht und überzeugte durch seinen einfachen Lebensstil. Seine gesamte Habe trug er bei Amtsantritt in einem Koffer mit sich und trug, wenn offizielle Auftritte es nicht anders erforderten, auch als Bischof seinen Zisterzienserhabit. Seine erste Amtshandlung war die Benediktion seines Nachfolgers Konrad Kolb in Marienstatt und auch seine letzte Pontifikalhandlung galt der Abtei, wo er am 4. August 1912, seinem Namenstag, einen Priester weihte.

Bischof Dominikus Willis Amtszeit war eine Zeit des Auf- und Weiterbaus in den ruhigen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Von den großen innerkirchlichen Konflikten der damaligen Zeit, wie dem Modernismus- oder dem Gewerkschaftsstreit, blieb Limburg verschont. Grundlegende Entscheidungen über die Ausrichtung der Diözese wurden vom Bischof keine verlangt (Schatz, Klaus: Geschichte des Bistums Limburg, Mainz 1983, S. 197–198).

Willi unternahm mehrere Visitationsreisen durch sein Bistum, das sich während seiner Amtszeit um fünf Pfarreien und 21 weitere Seelsorgsstellen vergrößerte, und reiste dreimal nach Rom. Insgesamt konsekrierte er rund 40 Kirchen und firmte 100.000 Kinder. 1903 gründete er das Limburger Diözesanmuseum. In Hadamar und Montabaur ließ er zwei Seminare (Knabenkonvikte) errichten. Seine besondere Sorge galt den im Bistum ansässigen oder enstandenen Kongregationen, wie den Pallottinern in Limburg, den Barmherzigen Brüdern in Montabaur und den Armen Dienstmägden in Dernbach. Die Jesuiten holte er nach Frankfurt und die Franziskaner nach Kelkheim. Während seiner Amtszeit wurde 1904 die Niederlassung der Benediktinerinnen in Rüdesheim-Eibingen gegründet und 1908 zur Abtei St. Hildegard erhoben, deren erste Äbtissin Regintrudis Sauter er am 8. September 1908 benedizierte, nachdem er am Vortag die Abteikirche konsekriert hatte. 1907 kamen nach Überwindung vieler Schwierigkeiten Benediktinerinnen vom Ordenszweig der ewigen Anbetung nach Niederlahnstein, deren erste Priorin Klara Fischenich er persönlich einführte. Weniger erfolgreich war er bei der von ihm gewünschten Wiederbesiedlung der Abtei Eberbach, die schließlich vor allem an finanziellen Problemen scheiterte. An mangelnden Finanzen scheiterte auch der Ausbau des Limburger Priesterseminars zu einer Philosophisch-Theologischen Vollanstalt.

Schon seit einigen Jahren gesundheitlich labil und zunehmend vereinsamt und depressiv, erlitt Bischof Willi am 29. September 1912 bei Exerzitien im Redemptoristenkloster Geistingen in Hennef einen Zusammenbruch, von dem er sich nicht mehr erholte. Er starb am 6. Januar 1913 und wurde, bekleidet mit der weißen Kukulle der Zisterzienser, in der Sakramentskapelle des Limburger Doms beigesetzt. Der Totenzettel hebt den Gebetseifer, die Herzensgüte und die Demut und Einfachheit des im Herzen Zisterzienser gebliebenen Bischofs hervor.

Seine Tagebücher befinden sich in den Klosterarchiven Mehrerau und Marienstatt. Sie sind noch unediert.

gge, Juli 2009, rev. April 2017


Daten:

Vest.: 11. Nov. 1861 (Mehrerau); Prof.: 13. Nov. 1862; Sac.: 12. Mai 1867; Abbas: nom. 8. Dez. 1889; conf. 18. Jan. 1890; ben. 27. April 1890 (Mehrerau), inst. 8. Mai 1890, res. 1898; Dev.: Patienter et constanter; Ep. Limburgensis: nom. 15. Juni 1898, conf. 22. Juli 1898, cons. 8. Sep. 1898 (Bf. Paul Leopold Haffner).

Auszeichnungen:

Apostolischer Notar (18. Juli 1881) · Ehrendoktor der Theologie der Akademie Münster (11. Juli 1898) · Kronenorden 2. Klasse (1901) · Preußischer Roter-Adler-Orden (1905)

Werke:

Album Wettingense: Verzeichnis der Mitglieder des exemten und konsistorialen Cistercienser-Stiftes B.V.M. de Maristella zu Wettingen-Mehrerau 1227–1904. Limburg: Kommissions-Verlag der Limburger Volksdruckerei, 1904, 2., verbesserte Auflage (Erstausgabe ebd. 1892) · Päpste, Kardinäle und Bischöfe aus dem Cistercienser-Orden, in: Cistercienser Chronik 23 (1911) und 24 (1912) · Werkverzeichnis.

Literatur:

Hilpisch, Georg: Dr. Dominicus Willi, S. Ord. Cisterc., Bischof v. Limburg. Eine Skizze seines Lebens und Wirkens, zur Feier seiner Bischofsweihe, verfasst. Limburg 1898 · Müller, Gregor: Dr. Dominicus Willi, Bischof von Limburg †, in: Cistercienser Chronik 25 (1913), S. 59–64, 85–93 · Steffen, Stephan: Dominikus Willi, Bischof von Limburg. Das Lebensbild eines Cisterziensers, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 34/NF 3 (1913), S. 523–537 · Denter, Thomas: Dominicus Willi (1844–1913): Zur Ehre Gottes und des Ordens, in: Alberich Altermatt (ed.): Zisterzienserinnen und Zisterzienser: Lebensbilder aus dem Zisterzienserorden. Freiburg, Schweiz, Kanisius 1998, S. 145–153 · Literaturliste.

Normdaten:

GND: 151466181 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Willi, Dominikus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 26.4.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Willi,_Dominikus