Zenlin, Johannes

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Widmungsseite des Tennenbacher Güterbuchs; Im oberen Bogen der Initiale S sieht man Abt Johannes Zenlin (Umschrift: ·FRATER·IO·ZENLI·ABBAS·), der das Verzeichnis anlegen ließ.

Johannes Zenlin

Abt von Tennenbach 1336–1353

† 24. Mai 1353

Johannes II. Zenlin war der bedeutendste Abt des Klosters Tennenbach; er stiftete das kostbare Tennenbacher Güterbuch 1317–1341 sowie ein gotisches Ziborium, das sich heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befindet.

Die Gründung des Zisterzienserklosters Tennenbach – oder wie es zunächst hieß: Porta Coeli („Himmelspforte“) – war um das Jahr 1161 erfolgt. Zwölf Mönche unter ihrem Abt Hesso übersiedelten damals vom burgundischen Kloster Frienisberg in die Zisterze zwischen westlichem Schwarzwald und Oberrhein. Das Kloster unterstand seit dem Ende des 12. Jahrhunderts der Zisterzienserabtei Salem, die Klostervogtei hatten im 13. und 14. Jahrhundert die Markgrafen von Hachberg inne. Die Tennenbacher Grundherrschaft in den knapp ersten zwei Jahrhunderten nach der Gründung des Klosters war zisterziensisch geprägt: Grangien, also vom Kloster in Eigenbewirtschaftung betriebene Ländereien, waren wesentlich für das Gefüge des Grundbesitzes, der sich in der Oberrheinebene und im westlichen Schwarzwald konzentrierte, während der Tennenbacher Besitz auf der Baar weitgehend davon isoliert war. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts ist die Eigenbewirtschaftung abgelöst worden durch die Aufteilung der Grangien in an Bauern verpachtete Güter. Das Tennenbacher Güterbuch (1317–1341) dokumentiert diesen Übergang zu einer Rentengrundherrschaft mit ihren bäuerlichen Natural- und Geldabgaben.

Hauptsächlicher Verfasser des Güterbuchs war der Tennenbacher Mönch und Abt Johannes (II.) Zenlin (reg. 1336–1353). Johannes Zenlin entstammte einer Freiburger Bürgerfamilie, die bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückverfolgt werden kann. Johannes‘ Vater Heinrich Zenlin († vor 1311) war ein vermögender Gerbermeister, sein Onkel der Tennenbacher Prior Zenlin (1299, 1312). Johannes Zenlin tritt 1302 als Urkundenzeuge, 1311 als Tennenbacher Mönch erstmals in Erscheinung; er muss also wohl in den 1280er-Jahren geboren worden sein. Spätestens 1318, frühestens 1308 war er Cellerar der Mönchsgemeinschaft; als Cellerar wird er mit der Anlage des Güterbuchs begonnen haben. Das Güterbuch ist ein 352 Pergamentblätter umfassender Codex; das Urbar hatte in Tennenbach keine Vorgänger, es listet in alphabetischer Ordnung die Orte auf, an denen die Zisterze Besitz und Rechte besaß. Johannes Zenlin war vielleicht auch Grangienmeister in Roggenbach (bei Villingen-Unterkirnach), wo zu 1310 ein Johannes genannt wird. 1323 vertrat Zenlin sein Kloster in Streitigkeiten um die Zehntfreiheit am Gericht des Konstanzer Bischofs. Vor 1328/29 übernahm er das Amt des Brudermeisters und gab dafür wohl das des Großkellners auf. 1336 ist er zum Abt der Mönchsgemeinschaft gewählt worden.

Auch als Klostervorsteher setzte sich Johannes Zenlin für die Belange seiner Zisterze ein. 1337 ging es in einem Rechtsstreit um die Tennenbacher Grangie Langenbogen (bei Kenzingen). 1342 fand der Umstellungsprozess innerhalb der klösterlichen Grundherrschaft ein Ende, als die Güter der Grangie Mundingen verpachtet wurden. Die aus der Amtszeit Zenlins überlieferten Urkunden bezeugen ebenfalls sein weiterhin bestehendes Interesse gerade an der wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Klosters. Die Tennenbach unterstellte Zisterzienserinnengemeinschaft Günterstal wurde von Zenlin in wirtschaftlicher Hinsicht reformiert (Günterstaler Güterbuch). Doch war der Abt nicht allein (praktischer) Organisator seines Klosters, das er wohl mit Milde geführt hat. Wie aus dem Tennenbacher Güterbuch hervorgeht, reflektierte er sein Handeln und ordnete es seinem christlich-monastischen Weltbild unter. So beschrieb er in Versen die Tennenbach gehörenden Weinberge bei Freiburg, führte zum Freiburger Stadtrecht eine juristische Beurteilung an oder philosophierte unter Abwandlung von gängigen Urkundenformeln über Vergängliches und die menschliche Vergessenheit. Auch die eigenständige Dreifaltigkeitsdarstellung, die das Titelblatt des Güterbuchs ziert, wird wohl auf Zenlin zurückgehen.

Einträge im Tennenbacher Güterbuch betreffen auch die Familie Zenlins. Aus den Jahren 1345 und 1346 sind darüberhinaus Stiftungen (Jahrtage, Jahrzeiten) des Abtes und seiner Schwägerin Adelheid von Husen für Johannes‘ Eltern und seinen Bruder Heinrich sowie dessen Kinder überliefert. In seinem Testament ordnete Johannes Zenlin seinen Jahrtag und stellte Mittel für Reparaturen und Beleuchtung des Klosters bereit. Johannes Zenlin starb am 24. Mai 1353. Mit ihm erlosch die Familie Zenlin.

Michael Buhlmann


Quellen und Literatur:

Weber, Max, Haselier, Günther u.a. (Bearb.), Das Tennenbacher Güterbuch (1317–1341) (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A: Quellen, Bd.19), Stuttgart 1969, besonders S. XLI–XLVI.

Weitere Literatur:

Weber, Max: Johann Zenlin, ein vergessener Freiburger Bürgersohn, dem die Stadt Dank schuldet; in: Badische Heimat 39 (1959), S. 131–135. · Ders.: Die Miniaturen des Tennenbacher Güterbuches und sein Verfasser, Abt Johann Zenlin, in: Schau-ins-Land 51/53 (1926), S. 93–97. · Krummer-Schroth, Ingeborg: Ein gotisches Ziborium aus dem Kloster Tennenbach bei Freiburg; in: Jahrbuch des Zentralinstituts für Kunstgeschichte Bd. 5/6 (1989/90), S. 213–226.

Zitierempfehlung: Zenlin, Johannes, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 14.8.2012, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Zenlin,_Johannes