Aleidis Beßler OCist
Zisterzienserin der Abtei Lichtenthal; Schulleiterin
* 20. Sep. 1870 Karlsruhe
† 28. Dez. 1928 Baden-Baden-Lichtental
Maria Aleidis Beßler, Taufname Josephine, wurde 1870 in Karlsruhe als Tochter des Schuhmachermeisters Leo Beßler und dessen Frau Barbara, geb. Gehrig, geboren. Den Vater verlor sie mit fünf Jahren; die Mutter starb kurz nach ihrem Eintritt ins Kloster. Ihr jüngerer (und einziger) Bruder Karl (1875–1926) trat als Pater Willibrord in die Benediktinerabtei Seckau in Österreich ein und wurde später Prior in St. Matthias in Trier. Er verfasste mehrere pädagogische Bücher.
Von 1876 bis 1880 besuchte Josephine die Volksschule in Karlsruhe, dann von 1881 bis 1883 das Lehrerinnenseminar Prinzessin-Wilhelm-Stift ebenda. 1884 trat sie mit 14 Jahren in das Pensionat der Kreuzschwestern in Ingenbohl in der Schweiz ein. Nach drei Jahren, 1887, bestand sie das Lehrerinnenexamen. Da das Schweizer Examen im Großherzogtum Baden nicht anerkannt wurde, legte sie auf Verlangen der Äbtissin von Lichtenthal, Magdalena Kollefrath, das badische Examen für den höheren Schuldienst in Karlsruhe ab (1888–1891). Bei ihrem Eintritt in das Noviziat 1891 erhielt sie den Namen der Mutter des Ordensgründers, des hl. Bernhard von Clairvaux, Aleidis von Montbard. Ihr zweijähriges Noviziat absolvierte sie in der Neugründung Mariengarten in Tirol.
Da nach der Großherzoglichen Verordnung nur jeweils zwei Schwestern die Profess ablegen durften, musste sie mehrere Jahre auf die feierliche Profess warten. Sie durfte nur die „Lederprofess“ ablegen, so genannt, weil sie statt des schwarzen Stoffzingulums der Chorfrauen mit Profess nur einen Ledergürtel tragen durfte. Erst am 2. März 1897 konnte sie im Beisein des Klosterpfarrers und späteren Erzbischofs von Freiburg Thomas Nörber die feierliche Profess ablegen.
Bald wurde sie Schulleiterin in Lichtenthal, außerdem zweite Kantorin, obwohl sie gern erste Kantorin gewesen wäre. 1904 wurde sie zur Ratsfrau gewählt, waltete aber ihres Amtes so eifrig, dass sie bei der folgenden Ratsfrauenwahl nicht wiedergewählt wurde. 1917 wurde sie Novizenmeisterin. Ihr hoher Idealismus neigte oft zu großer Strenge. Ihre nervöse Veranlagung und ihre übergroße Strenge gegenüber sich selbst führten an ihrem Lebensende zu schwerer Krankheit.
Sie starb am 28. Dezember 1928 in der Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal und wurde auch dort beigesetzt.
gge, Jan. 2026
Daten:
Vest.: 21. Nov. 1891; Prof.: sol. 2. März 1897.Literatur:
Wolters, Agnes: Maria Aleidis Beßler, Chorfrau zu Lichtenthal, in: Cistercienser Chronik 44 (1932), S. 35–40 · Dies.: Wandle vor mir. Lebensbild der im Jahre 1928 im Kloster Lichtenthal zu Baden-Baden verstorbenen Cistercienserchorfrau M. Aleidis Beßler. Mit einem Geleitwort von Abt Laurentius Zeller. Trier: Druck Paulinus, 1931, 103 Seiten · Badische Biographien NF 5 (2005), S. 16–17 (Franz Hundsnurscher)Vorlage:Page.name: BESSLER, Aleidis OCist – Biographia Cisterciensis
