Maisières, Jean

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Jean de Maisières

Jean de Maisières

Abt der Klöster Grâce-Dieu 1513–1546 und Rosières 1515/17–1546

† 18. Aug. 1546 Grâce-Dieu

Jean de Maisières (Maizières) stammte aus einer Adelsfamilie mit dem Stammsitz in Fondremand bei Maizières. Er wurde Mönch der Abtei La Charité in der Franche-Comté (wohl ein Neffe des dortigen Abtes Jean de Maisières, reg. 1467–1493), Doktor der Theologie der Pariser Fakultät und Provisor des Collège St Bernard in Paris. 1513 wurde er zum Abt der ebenfalls in der Franche-Comté gelegenen Zisterzienserabtei Grâce-Dieu gewählt.

Am 12. Juni 1515 – der bisherige Amtsinhaber Claude de Nantoz war zwei Tage vorher gestorben – wurde er auf Vorschlag des Abtes von Cîteaux auch zum Abt des Klosters Rosiéres[1] bei Salins-les-Bains gewählt. Diese Benefizienhäufung war vor dem Tridentinischen Konzil noch geduldet. Am 21. Juli 1515 (XII kalendas Augusti) von Papst Leo X. und am 14. Dezember 1515 von Margarethe von Österreich bestätigt, konnte er wegen verschiedener Schwierigkeiten erst am 14. Januar 1517 installiert werden. Aus seiner über 30-jährigen Regierungszeit sind zahlreiche Urkunden über verschiedene Rechtsgeschäfte erhalten.

Die Personalunion hatte eine enge Verbindung der beiden Abteien zur Folge, führte jedoch wegen der häufigen Abwesenheit des Abtes – er hielt sich abwechselnd in beiden Abteien, größtenteils jedoch in Grâce-Dieu auf – zu disziplinarischen Problemen. Eine 1530 durchgeführte Visitation bemängelt u.a. das Fehlen der Mönche bei Chorgebet und Gottesdienst, den Aufenthalt von Fremden innerhalb der Klausur und die Verpflegung von Angehörigen in der Klosterküche. Der Abt, wenn er sich im Kloster aufhielt, wohnte in der Prälatur, hielt seine eigene Tafel, ließ sich von Domestiken bedienen und hatte wenig Kontakte mit den Mönchen.

Dem Müßiggang der Mönche – etwa acht bis zehn während seiner Amtszeit – versuchte Abt Jean entgegenzuwirken, indem er den Sinn für Studium und Gelehrsamkeit förderte, u.a. durch sein persönliches Vorbild und den Ausbau der Bibliothek. Ganz allgemein hatte die Wiederbegründung der Universität Dole Ende des 15. Jahrhunderts den wissenschaftlichen Sinn in den Klöstern der Franche-Comté befördert.

Dem Geist des Protestantismus und der Unabhängigkeit, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts auch in die Franche-Comté gedrungen war, wirkte er nach Kräften entgegen. Mehrfach versuchten Bewohner umliegender Dörfer, sich aus der Klosteruntertänigkeit zu befreien, und stellten die Autorität des Abtes und die Rechte des Klosters infrage. Auch der umliegende Adel versuchte, wie auch anderswo, sich Klostergut anzueignen. Es kam zu Prozessen und Bestrafungen, einige Streitigkeiten wurden gütlich beendet. Als der Erzbischof von Besançon 1525 finanzielle Beiträge zur Abwehr marodierender Banden einwarb, die die Abtei Trois-Rois (Lieu-Croissant) und das Priorat Lanthenans verwüstet hatten, brachten die dreizehn Zisterzienserklöster der Franche-Comté insgesamt achtundsechzig Livres zusammen, zu denen das verarmte Kloster Grâce-Dieu nur drei Livres hatte beisteuern können.

1535 ließ Abt Jean bei dem Dorf Aïssey eine heute noch vorhandene Kapelle unter dem Patronat des hl. Nikolaus bauen und stiftete am 17. Januar des folgenden Jahres mit Zustimmung seiner Mönche die Erträge eines Obstgartens zur Erhaltung des Gebäudes und des Priesters, der dort die Messe feierte. Diese Stiftung war der Ursprung der Pfarrei Aïssey.

Jean de Maisières starb am 18. August 1546 in Grâce-Dieu und wurde auch dort bestattet.

gge, Okt. 2017

  1. Wie auch La Charité eine Tochter von Bellevaux.

Werke:

Commentaria Dionisii Cisterciensis in 4 libros sententiarum (De Visch, Bibliotheca, S. 219.

Literatur:

Notre-Dame de La Grâce-Dieu 1139–1989. Paris, 1989 · Richard, [Jean François Nicolas]: Histoire de l ́Abbaye de la Grâce-Dieu au diocèse de Besançon. Besançon : J. Jacquin, 1857 · Prost, Bernard: Notice historique sur l'abbaye cistercienne de Rosières (aus: Bulletin de la société d’agriculture, sciences et arts de Poligny). Poligny: G. Mareschal, 1870, S. 79–90 · Dictionnaire des Auteurs Cisterciens. Rochefort, 1975–1977.

Zitierempfehlung: Maisières, Jean, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 18.10.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Maisi%C3%A8res,_Jean