Mariacher, Stephan

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Stephan Mariacher OCist

Stephan Mariacher OCist

Abt des Zisterzienserstiftes Stams 1895–1937

* 26. Dez. 1860 Klausen, Südtirol
05. Feb. 1937 Stams, Tirol

Stephan Mariacher, Taufname Johann, stammte aus einer Beamtenfamilie – sein Vater war k.k. Gerichtsdiener – und wurde in Klausen in Südtirol geboren. Er studierte zunächst Medizin, dann Theologie an der Universität Innsbruck und trat 1881 mit dem Ordensnamen Stephan in das Zisterzienserstift Stams in Tirol ein. 1885 zum Priester geweiht, war er dann Kooperator in Pfelders im Passeiertal (1886–1890) und Obsteig (1890–1895), bis er am 28. Mai 1895 zum 39. Abt von Stams gewählt wurde.

Abt Stephan ließ sämtliche Stiftsgebäude renovieren, 1898 die Stiftskirche mit Blutkapelle und 1912 die Pfarrkirche. 1899/1900 errichtete er mehrere stiftseigene Wirtschaftsbetriebe, wie das Elektrizitätswerk, die Mühle und die Tischlerei, und errichtete 1902 die theologische Hauslehranstalt der Abtei (wieder). 1923 schloss Abt Mariacher das Kloster der Mehrerauer Zisterzienserkongregation an, dem Nachfolger der Oberdeutschen Kongregation, zu der Stams lange gehört hatte. 1925 eröffnete er eine Oblatenschule für den Ordensnachwuchs, in der sich zukünftige Kandidaten auf die Aufnahmeprüfung für die vierte Gymnasialklasse vorbereiten konnten, und 1934 das Priorat Untermais bei Meran.

Das Stiftsarchiv und die Stiftsbibliothek ließ Mariacher, dessen Interesse der Geschichte und Kunst galt, neu ordnen und den Bücherbestand beträchtlich erweitern. Er legte eine Münzsammlung an und erwarb eine der größten Ex-Libris-Sammlungen Europas. Er stand in freundschaftlichem Kontakt zu den Historikern Josef Hirn (1848–1917), der dem Stift seine Privatbibliothek vermachte, und Hermann Wopfner (1876–1963), der eine Handschriftenkartei für das Stamser Archiv erarbeitete.

Stephan Mariacher war – gem. dem Privileg Kaiser Karls VI. – geborener kaiserlich-königlicher Rat und Erbhofkaplan, seit 1900 korrespondierendes Mitglied der k.k. Zentralkommission für Kunst und historische Denkmale und von 1902 bis zum Untergang der Monarchie 1918 Abgeordneter des Tiroler Landtags. Er starb am 5. Februar 1937, dem Herz-Jesu-Freitag. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde das Stift Stams von den Nationalsozialisten aufgelöst.

gge, Aug. 2011


Daten:

Vest.: 23. Juli 1881; Prof.: 24. Juli 1885; Sac.: 28. Okt. 1885; Abbas: el. 28. Mai 1895, ben. 16. Juni 1895.

Werke:

Die Gründungsgeschichte des Klosters Stams, in: Tirol, F. 3, 1931

Literatur:

ÖBL 1815–1950, Bd. 6 (1973), S. 89 · 700 Jahre Stift Stams 1273–1973. Stams 1973 · Album Stamsense seu Catalogus religiosorum sacri et exempti Ordinis Cisterciensis archiducalis Monasterii B. V. Mariae et S. Joann. Bapt. in Stams. 1272−1898 [ed. K. Lindner]. Salzburg 1898, Nr. 746.

Normdaten:

GND: 116771828 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Mariacher, Stephan, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 7.3.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Mariacher,_Stephan