Gillet, Célestin

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Célestin Gillet OCist

Célestin Gillet OCist

Louis Florent Gillet CSsR

Redemptorist und Ordensgründer, später Zisterzienser und Prior von Hautecombe 1878–1883

* 12. Jan. 1813 Antwerpen, Belgien
† 14. Nov. 1892 Saint-Pierre-de-Curtille, Frankreich

Louis Florent Gillet wurde am 12. Januar 1813 in Antwerpen geboren, wo sein Vater Florent Joseph Gillet († 1861) einen Posten in der Stadtverwaltung hatte. Seine Mutter Barbe Marche Mercier (1781–1879) stammte aus der Familie, zu der auch der hl. Jan Berchmans (1599–1621) gehörte. Nachdem Antwerpen durch den Wiener Kongress zu den protestantischen Niederlanden gekommen war und die katholischen Einrichtungen vom Staat unterdrückt wurden, verzog die Familie in das neutrale Moresnet, wenige Kilometer von Aachen entfernt. Dort kam auch Louis Florents Schwester Cathérine Gillet zur Welt (1821–1877).

Da seine Eltern in der Lage waren, ihm eine akademische Ausbildung zu finanzieren, besuchte Gillet (wahrscheinlich)[1] das Athénée Royal in Lüttich und das Knabenseminar des Bistums Lüttich in Rolduc bei Kerkrade. 1829 begann er mit dem Philosophiestudium an der Universität Löwen. Am Ostermontag 1833 trat er in das Noviziat der Redemptoristen (Congregatio Sanctissimi Redemptoris) in St. Trond ein, wurde am 20. Oktober 1833 eingekleidet und legte am 20. Oktober 1834, in Anwesenheit seiner Eltern und seiner Schwester, die Profess ab. Nach dem Theologiestudium in St. Trond und (von Jan. 1836 an) im neuen Studienhaus in Wittem wurde er am 10. März 1838 in Lüttich von Bischof Cornelius van Bommel zum Priester geweiht.

Nach der Priesterweihe war P. Gillet sechs Monate in Lüttich, dann in der Gemeindemission in Tournai tätig, meldete sich aber schon bald für die Mission in Amerika, wohin er sich am 18. April 1843 in London einschiffte. Dort angekommen wurde er 1844 als Seelsorger bei den (weit verstreuten) meist französischsprachigen Einwanderern eingesetzt und Oberer der Missionsstation in Monroe, Michigan. Für den Unterricht der Mädchen gründete er dort im November 1845 mit zwei Schwestern einer halb erloschenen Frauenkongregation (Sisters of St. Charles, of Baltimore) und zwei Postulantinnen eine neue, heute noch bestehende Kongregation der Sisters of Providence (später umbenannt in Sisters, Servants of the Immaculate Heart of Mary IHM) und verfasste auch deren Konstitutionen. Gillet begann auch mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes, wurde aber 1847 – aufgrund falscher Anschuldigungen – noch vor der Fertigstellung nach Baltimore zurückbeordert und von dort nach New York City geschickt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Gillet, der sich von seinen Oberen im Stich gelassen fühlte, schon in Rom um Entlassung aus dem Redemptoristenorden ersucht.[2] Aus New York stammt auch die einzige Fotografie, die P. Gillet im Redemptoristenhabit zeigt.

Während er auf die Entscheidung aus Rom wartete, war P. Gillet bis 1953 in der Mission an verschiedenen Orten im Mittleren Westen tätig (Ohio, Indiana, Kentucky) und ein Jahr als Seminardirektor in Kingston, Ontario (Kanada). 1855 kehrte er nach Belgien (Lüttich) zurück, wo er im November seine Wiederaufnahme in den Redemptoristenorden beantragte. Nachdem die Bitte abgelehnt worden war, wandte er sich nach Frankreich und war als Priester in den Orten Bièvres und Chérêt in der Diözese Laon-Soissons tätig. 1857 reiste er noch einmal nach (Süd-)amerika ab, kehrte aber nach einigen Monaten Seereise um und nach Frankreich zurück. Auf Empfehlung des Erzbischofs von Avignon, Mgr Debelay, trat er am 3. August 1858 als Postulant in das von Bernard Barnouin gegründete und im Vorjahr der italienischen Kongregation des Zisterzienserordens affiliierte Kloster Sénanque ein. Am 22. August 1858 wurde er als Novize eingekleidet und erhielt den Ordensnamen P. Marie Célestin. Am 8. September 1859 legte er die einfach-ewige Profess ab und ging zwei Tage später in das neu erworbene Kloster Fontfroide.

1864 gehörte P. Célestin zu der Zisterziensergruppe, die das Kloster Hautecombe in Savoyen von der italienischen Zisterzienserkongregation übernahm. Dort war er bis 1867 Sekretär des ersten Priors Archange Dumont und lehrte dann Theologie und Philosophie an der Hauslehranstalt[3]. 1867 trat auch seine Schwester Cathérine, bis dahin Barmherzige Schwester in Gent, als Sr. Marie Célestine in das von Sénanque gegründete Zisterzienserinnenkloster Notre-Dame-de-Près bei Reillanne ein.[4]

P. Célestin war von 1867 bis 1872 Professor am Hausstudium in Hautecombe, von 1872 bis 1875 Subprior und wurde im April 1875 Hausgeistlicher im Frauenkloster Reillane, dem Konvent seiner Schwester, die dort Novizenmeisterin war.[5] Im Oktober 1876 als Novizenmeister nach Hautecombe zurückgerufen, wurde er dort im Januar 1878 Subprior und übernahm die Klosterleitung von dem schwerkranken Prior Athanase Martin. Nach dessen Tod wurde er am 10. Juli 1878 zum Prior gewählt und blieb bis 1883 im Amt. In dieser Zeit konnte er, gestützt durch den König von Italien, der das Patronat über Hautecombe hatte, die Auflösung und Vertreibung durch die französische Regierung 1880 verhindern.

Nach seinem Rücktritt im Juli 1883 übernahm er bis 1889 noch einmal das Amt des Novizenmeisters und leitete die zahlreichen Exerzitientage für die Diözesankleriker. Für 18 Monate war er dann noch einmal Hausgeistlicher bei den Zisterzienserinnen in Reillane, bis er aus gesundheitlichen Gründen nach Hautecombe zurückkehren musste. Er starb am 14. November 1892 nach längerer Krankheit und wurde am nächsten Tag auf dem Klosterfriedhof beigesetzt.

Prior Symphorien Gaillemin schickte Gillets Rosenkranz und sein Missionskreuz, das er in Monroe getragen hatte, an die Schwestern vom Unbefleckten Herzen in Amerika, denen es mit Hilfe des Zufalls im Jahr vor Gillets Tod gelungen war, ihren verschollenen Gründer in Hautecombe aufzuspüren.[6] 1929 – die Abtei Hautecombe war 1922 an die Benediktiner von Sainte-Madeleine de Marseille übergeben worden – wurden Gillets sterbliche Überreste nach Monroe überführt und in der Krypta der eigens errichteten Father Gillet Memorial Chapel erneut beigesetzt.

gge

  1. Die Nachrichtenlage aus dieser Zeit ist lückenhaft.
  2. Das Exeat-Schreiben trägt das Datum 8. Januar 1850, es ist aber unsicher, ob Gillet es jemals erhalten hat. Er glaubte sich jedenfalls bis 1855 dem Orden zugehörig.
  3. Die meisten Novizen rekrutierten sich aus dem Klerus der umliegenden Diözesen. Nur die jüngeren waren wirkliche Seminaristen, die sich auf die Priesterweihe vorbereiteten.
  4. Heute Notre-Dame-de-la-Paix in Castagniers bei Nizza.
  5. Sie starb am 30. August 1877 nach langer schwerer Krankheit während ihr Bruder an ihrem Sterbebett saß.
  6. Gillet hatte seine Pflanzung in Monroe völlig vergessen, nicht ahnend, dass sie zu einem großen Baum herangewachsen war.

Daten:

Sac.: 10. März 1838; Vest.: 22. Aug. 1858; Prof.: 8. Sep. 1859.

Literatur:

Enderle, Gilbert A.: Louis F. Gillet (1813–1892), Redemptorist in Immigrant America. Founder of Women Religious, Cistercian Monk, in: Spicilegium Historicum Congregationis Sanctissimi Redemptoris (SHCSR) 61 (2013) 339–383 · Enderle, Gilbert Ahr: I Desire to be Everywhere: Louis Florent Gillet: Frontier Missionary, Founder, and Contemplative Monk, 2012 · Gift of Fire: Louis Florent Gillet, 1813–1892: Christian, Redemptorist, Missionary, Cistercian. Monroe, Mich.: Saint Mary Convent, 1992 (32 S.) · Deshusses, Jean; R. de Lacheisserie: Le Père Marie-Cèlestin Gillet, rédemptoriste, cistercien et fondateur, in: Bulletin de l’abbaye d’Hautecombe n° 86, Aix-les-Bains, avril-juin 1972, S. 26–36 · Deshusses, Jean: D'Anvers à Hautecombe par le Michigan, le père Marie-Célestin Gillet, rédemptoriste, cistercien et fondateur. [études juridiques et historiques dédiées à M. le Chn. Raoul Naz], in: Mémoires et Documents de la Société Savoisienne d'Histoire et d'Archéologie 84 (Chambéry 1971) S. 31–38 · [Ryan], Sr Maria Alma: The Reverend Louis Florent Gillet. Philadelphia: Dolphin Press, 1940 (z.T. abweichende Daten) · L’Union Cistercienne, N.D. de Lerins, Dez. 1892, Band I, Nr. 6, S. 109 [Nachruf].

Zitierempfehlung: Gillet, Célestin, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 10.2.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Gillet,_C%C3%A9lestin