Johann, Anna Maria

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Anna Maria Johann

Anna Maria Johann

Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Seligenthal 1634–1643

† 23. Mai 1643

Anna Maria Johann (Johannin) wurde am 14. Februar 1634 zur Äbtissin gewählt, nachdem die vor den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges geflohenen Klosterfrauen nach dem Tod der Äbtissin Anna Reisacher († 11. Feb. 1634) wieder in das Kloster zurückgekehrt waren. Aber schon in der daruaffolgenden Nacht, während des mitternächtlichen Chorgebets, mussten sie das Kloster Seligenthal schon wieder verlassen und sich in der Stadt Landshut in Sicherheit bringen, ebenso im folgenden Jahr als die Schweden nach sechsstündiger Beschießung die Stadt Landshut eroberten, schonungslos plünderten und unter der Bevölkerung ein Blutbad anrichteten. Mit Hilfe des bayerischen Kommandanten Aldringer kamen die Frauen unter militärischem Schutz in das Schloss Hofdorf an der Aitrach. Das Kloster seligenthal wurde komplett verwüstet und geplündert, der Hofmeister Dr. Johann Reisacher, ein Verwandter der letzten Äbtissin, vor den Augen seiner Familie getötet.

Die wegen ihrer Demut und Geduld vom Konvent wie eine Heilige verehrte Äbtissin hatte nur die wenigste Zeit ihrer Regierung ihren Konvent vollzählig um sich versammelt. Immer wieder mussten wegen der Armut einzelne Chorfrauen in anderen klöstern untergebracht werden. Fünf Frauen starben auf der Flucht fern vom Kloster. Von Weihnachten 1640 bis Lichtmess 1641 musste der Konvent wieder fliehen, als die Schweden nach Neumarkt an der Rott vorstießen. Erst am 5. Februar 1642, im sechsten Jahr nach ihrer Wahl, konnte Äbtissin Anna Maria ihre Benediktion erhalten.

Trotz der Kriegsereignisse konnte Äbtissin Anna Maria 1635 in ihrem Kloster eine sog. Heilige Stiege, eine (einfache) Nachbildung[1] der Scala Santa in Rom, errichten lassen. Drei Chorfrauen und acht Konversschwestern legten unter ihr die Profess ab. Die Klosterchronik beschreibt sie als tieffromme und demütige, aber ängstliche und innerlich gequälte Frau, die sich nicht genug tun kann in Bußwerken und Mortifikationen. Als das Kriegsunglück über das Kloster hereinbrach, glaubte sie sich schuldig, auch als ein Blitz in das Kloster schlug und einige Schwestern zu Schaden kamen. Vergebens bat sie um ihre Absetzung.

Sie starb am 23. Mai 1643 an einem qualvollen Ohrenkrebs. Zu ihrer Nachfolgerin wurde am 28. Juni die tatkräftige Anna von Preysing gewählt.

gge, Nov. 2019

  1. Eine einläufige, heute grau lackierte Treppe, die von der westlich der Klosterkirche liegenden Agathakapelle, die bereits zum Klausurbereich gehört, in der ersten Stock führt (Analecta Cisterciensia 33/34, 1977).

Daten:

Abbatissa: el. 14. Feb. 1934, ben. 5. Feb. 1642.

Literatur:

Sturm, Josef: Äbtissin Maria Anna von Preysing: Aus Seligenthals schwerster Zeit, in: Cistercienserinnenabtei Seligenthal in Landshut. Gegründet 1232. Landshut 1932, S. 60–68.

Zitierempfehlung: Johann, Anna Maria, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 28.11.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Johann,_Anna_Maria