Preysing, Maria Anna

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Maria Anna von Preysing

Maria Anna von Preysing

Äbtissin des Klosters Seligenthal 1643–1665

* 1611
† 15. Feb. 1665 Landshut

Maria Anna von Preysing war eine jüngere Tochter des Pflegers von Vilshofen, Johann Warmund Freiherr (1645 Graf) von Preysing (1567–1648), und dessen Ehefrau Anna Ursula von Gumppenberg-Pöttmes († 1619). Die Familie von Preysing hatte schon seit dem Gründungsjahr der Abtei Seligenthal 1232/33 eine eigene Begräbniskapelle neben der Abteikirche und dem Konvent außer Schenkungen von Grund und Boden mehrere Mitglieder gegeben, von denen Anna von Preysing († 5. April 1416) im 15. Jahrhundert Äbtissin gewesen war. Auch aus der Familie Gumppenberg waren in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zwei Äbtissinnen hervorgegangen.

Maria Anna trat am 20. Juli 1621 – im dritten Jahr des Dreißigjährigen Krieges – als zehnjähriges Mädchen anstelle ihrer ursprünglich dazu ausersehenen älteren Schwester Maria Elisabeth in die Zisterzienserinnenabtei Seligenthal bei Landshut ein und feierte am 25. Mai 1626 in Gegenwart zahlreicher Verwandter ihre „geistliche Hochzeit“, durch die sie als sog. geistliches Schulkind die erste Vorstufe des Ordenslebens betrat. Am 26. August 1627 begann sie ihr Noviziat und legte am 10. September 1628 „ihres Alters im 17. Jahr“ im Kapitelsaal die Profess in die Hände der damaligen Äbtissin Anna Reisacher (reg. 1617–1634) ab. Da sie ein schöne Stimme und eine musikalische Begabung hatte, wurde sie durch den Organisten Resl von St. Jobst gründlich in Gesang und Orgelspiel ausgebildet. Ihr Vater stiftete dazu eine Orgel mit ihrem Konterfei darauf, die aber schon 1634 bei den Plünderungen durch die Schweden verloren ging. Die von ihr als Sängerin und Organistin musikalisch untermalten sonn- und feiertäglichen Choralämter in der Abteikirche zogen viele Gottesdienstbesucher an. Bald bildete sie auch selber fähige Mitschwestern in der Musik aus (und nahm später als Äbtissin musikalisch begabte Novizinnen in das Kloster auf).

In den folgenden Jahren wurde die Stadt Landshut und mit ihr das Kloster von der ganzen Wucht des Dreißigjährigen Krieges getroffen. Mehrfach plünderten und brandschatzten schwedische Truppen Stadt und Kloster und vernichteten und verwüsteten die auswärtigen Güter. Jedesmal mussten die Klosterfrauen fliehen, oft über weite Strecken und längere Zeiträume. Zahlreiche Schwestern kamen auf der Flucht um oder starben nach der Rückkehr an Hunger und Not. Maria Anna von Preysing war 1634 bei ihren Eltern, 1641 blieb sie beim Konvent, solange dieser in Landshut weilte, und wohnte im dortigen Preysing-Haus. Nachdem Äbtissin Anna Maria Johann am 23. Mai 1643 gestorben war, wurde Maria Anna von Preysing am 28. Juni 1643 unter dem Vorsitz des Abtes Matthäus Gschwendt von Aldersbach und unter Assistenz des Abtes Wolfgang Gattermayr von Fürstenzell zur Äbtissin gewählt, aber erst am 4. März des Folgejahres feierlich benediziert.

Obwohl die Befolgung der Ordensregeln in den Jahren der Erschütterung vielfach undurchführbar geworden war, setzte sie als Leiterin des Konvents eine strenge Klausur durch, soweit möglich auch auf der Flucht. Gemeinsame Mahlzeiten der Chorfrauen mit weltlichen Damen schaffte sie ebenso ab wie die Verfügung über Privateigentum. Auch die nächtlichen Metten wurden strikt eingehalten, notfalls beim Licht einer einzigen Kerze. Am Donnerstag vor Pfingsten des letzten Kriegsjahres 1648, erneut vertrieben, kamen Äbtissin und Konvent über das Schloss Ach bei Burghausen bis nach Salzburg und konnten erst im Februar 1649 (teilweise) wieder in das komplett verwüstete Seligenthal zurückkehren. Einige Schwestern waren noch bis 1651 im Exil.

War die Wirtschaftslage schon bei ihrem Regierungsantritt schwierig gewesen, war sie nach den Verwüstungen und Zerstörungen durch die Schweden vollends desolat. Schwestern und Untertanen litten bitterste Not, es fehlte am Allernötigsten. Es heißt, erst im dritten Friedensjahr habe es wieder etwas Fleisch zu essen gegeben. Äbtissin Maria Anna reiste nach München zur Kurfürstin, die ihr zwar gewogen war und wiederholt das Kloster besuchte, aber nicht helfen konnte. Mit viel Mühe setzte sie Sparmaßnahmen durch, u.a. indem sie weltlichen Klosterbediensteten kündigte und die Arbeiten durch die Schwestern und Chorfrauen(!) erledigen ließ. Zu diesem Zweck wurde im Kloster eine Weberei eingerichtet. 1646 und erneut 1660/61 ließ Äbtissin Preysing ausführliche Beschreibungen des gesamten Klosterbesitzes anlegen und 1648 eine genaue Aufzeichnung aller Kriegsschäden. Zu den Sparmaßnehmen gehörten auch der Ausbau der Hausapotheke und die Ausbildung einer Chorfrau zur Apothekerin, da die jährlichen Ausgaben für Arzneien eine bedeutende Summe erreicht hatten. 1654 ließ Äbtissin Preysing eine neue Krankenwohnung mit anschließender Krankenkapelle bauen, dazu zwei Aderlassstuben. Vor allem aber trachtete sie schon seit dem Beginn ihrer Regierung, den teuren Posten des adeligen Hofmeisters abzuschaffen, was ihr vom Kurfürsten aber erst am 5. Oktober 1663, eineinhalb Jahre vor ihrem Tod, in vollem Unfang gewährt wurde. Sie erhielt dadurch selbst die volle Administration der umfangreichen Stiftsgüter wie auch die Vollmacht, einen Richter aufzustellen.

Ihre bereits in den ersten Regierungsjahren begonnenen Maßnahmen zur Erneuerung und Vertiefung des Ordensgeistes setzte Äbtissin Preysing auch nach dem Dreißigjährigen Krieg fort. Schon am dritten Tag nach der Heimkehr 1649 wurde der regelmäßige Chordienst einschließlich der Metten wieder aufgenommen, 1653 eine halbe Stunde geistlicher Lesung in den Zellen eingeführt, was der Ordensgeneral Claude Vaussin bei seiner Visitation 1654 ausdrücklich begrüßte. Mit Vaussin blieb sie auch nach dessen Besuch brieflich verbunden. Außerdem erneuerte sie verschiedene Andachtsformen oder führte neue ein. Die Chorfrauen hielt sie ebenso wie die Laienschwestern streng zur Garten- und Feldarbeit an und kümmerte sich täglich persönlich um die Ausbildung der Novizinnen, die seit 1653 wieder aufgenommen wurden. Während ihrer Amtszeit wuchs der Konvent von 34 (1643) auf 52 Mitglieder (1665) an, wobei sie trotz der Finanznot und ihrer eigenen Herkunft aus altem bayerischem Adel, bürgerliche Novizinnen bevorzugte. In den Kreisen der Regierung nahm man ihr das übel und warf ihr vor, nur „Bettelvolk“ ins Kloster zu bringen. Großen Wert legte sie bei der Auswahl der Novizinnen neben der Eignung zum Klosterleben auf die musikalische Begabung. Äbtissin Preysing unterrichtete die jungen Schwestern selbst in Latein, ein weltlicher Musiker lehrte sie singen und geigen. 1653 wurde auch wieder eine Orgel aufgestellt.

In ihren letzten Lebensjahren überließ Äbtissin Preysing die weltliche Klosterleitung weitgehend der Großkellerin und der Küchenmeisterin. Sie starb am 15. Februar 1665, Fastnachtssonntag, und wurde ihrem Wunsch gemäß nicht in der Familiengruft in Isarhofen, sondern (am Fastnachtsdienstag) bei den Schwestern auf dem Klosterfriedhof begraben. Die Äbte von Aldersbach (Gerhard Hörger) und Gotteszell (Bonifaz Hiltprant) hielten die Totenämter. Das Abteibuch lobt Anna von Preysing als „vortreffliche Regentin“ und „unseres Klosters erneuerte Stifterin“. Ihr kunstvoller Epitaph auf dem Friedhof ist erhalten.

gge, Nov. 2019


Daten:

Prof.: 10. Sep. 1628; Abbatissa: el. 28. Juni 1643, ben. 4. März 1644.

Literatur:

Sturm, Josef: Äbtissin Maria Anna von Preysing: Aus Seligenthals schwerster Zeit, in: Cistercienserinnenabtei Seligenthal in Landshut. Gegründet 1232. Landshut 1932, S. 60–68.

Normdaten:

GND: 136645224 · BEACON-Findbuch · CERL: cnp01156612 · GSN: 019-02785-001

Zitierempfehlung: Preysing, Maria Anna, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 26.11.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Preysing,_Maria_Anna