Menétrey, Lutgarde

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Lutgarde Menétrey

Lutgarde Menétrey OCist/OCSO

Äbtissin des Klosters La Fille Dieu 1883–1919

* 23. März 1845 Chavannes-les-Forts, Kt. Fribourg, Schweiz
† 19. Okt. 1919 Romont FR, Schweiz

Lutgarde Menétrey, Taufname Marie-Alphonsine, stammte aus einer seit 1404 in Romont nachgewiesenen Bürgerfamilie. Sie wurde am Ostersonntag 1845 als Tochter des Gemeindevorstehers Claude Menétrey und seiner Frau Marie Badoud in einer Mühle (Moulin de Failly) in Chavannes-les-Forts (heute zur Großgemeinde Siviriez) geboren und wuchs mit ihren Geschwistern, einer Schwester und drei Brüdern, dort auf. Im Alter von 15 Jahren verlor sie ihre Mutter und lehnte sich daher an ihre Patin, die später seliggesprochene Mystikerin Marguerite Bays (1815–1879), an, die sie ihr ganzes Leben lang stark beeinflusste.

Am 8. November 1865 trat sie in die Zisterzienserinnenabtei La Fille-Dieu ein, erhielt die hl. Lutgard von Tongern zur Namenspatronin und legte 1867 die Profess ab. 1869 wurde sie Cellerarin und am 23. Dezember 1883 als Nachfolgerin der zurückgetretenen Caroline Perrier zur Äbtissin gewählt. Die Benediktion erhielt sie am 24. Januar 1884 durch Bischof Gaspard Mermillod von Lausanne.

Als Äbtissin begann M. Lutgarde sofort mit disziplinaren und liturgischen Reformen. 1886 ließ sie neue Konstitutionen für das Gemeinschaftsleben erstellen, führte die ständige Abstinenz (Fleischverzicht) und den gemeinsamen Schlafsaal (Dormitorium) wieder ein. Da durch die Aufhebung des Klosters Hauterive 1848, dessen Äbte bis dahin die Aufsicht geführt hatten, die Bande zum Zisterzienserorden zerrissen waren[1] und alle Versuche, sie durch Anfragen bei der Abtei Wettingen-Mehrerau wiederanzuknüpfen, ergebnislos geblieben waren, suchte Äbtissin Lutgarde – gegen den Widerstand des Bischofs von Lausanne – den Anschluss an den 1892 gegründeten Orden der reformierten Zisterzienser („Trappisten“), der schließlich am 3. April 1906 von der Ordenskongregation genehmigt wurde. 1929 übernahm La Fille-Dieu die 1926 von Papst Pius X. bestätigten neuen Konstitutionen des Zisterzienserordens der strengeren Observanz.

Äbtissin Lutgarde, die als zweite Gründerin des Klosters Fille-Dieu angesehen werden kann, führte den Konvent auch durch die schwierige Zeit des Ersten Weltkriegs, während der aus finanziellen Gründen das Noviziat geschlossen werden musste. Sie starb am 19. Oktober 1919 im Kloster Fille-Dieu.

gge, April 2017

  1. La Fille-Dieu stand seitdem unter der Jurisdiktion des Papstes, vertreten durch den Nuntius in Luzern, dann des Bischofs von Lausanne.

Daten:

Vest.: 8. Nov. 1865; Prof.: 6. Aug. 1867; Abbatissa: el. 23. Dez. 1883, ben. 24. Jan. 1884.

Literatur:

Loup, Robert: Une grande abbesse de l'ordre de Cîteaux. Mère Lutgarde Menétrey, 1845–1919. Fribourg: Imprimerie St-Paul, 1942 (280 S.) · Bissegger-Garin, Isabelle: La Fille-Dieu, in: Helvetia Sacra III/3: Die Zisterzienser und Zisterzienserinnen, die reformierten Bernhardinerinnen, die Trappisten und Trappistinnen und die Wilhelmiten in der Schweiz. Bern: Francke, 1982, S. 665–695.

Zitierempfehlung: Menétrey, Lutgarde, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 27.4.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Men%C3%A9trey,_Lutgarde