Oraic, Fulgencije

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Fulgencije Oraiç

Fulgencije Oraić OCSO

4. Abt von Mariastern in Bosnien 1964–1977

* 28. Okt. 1904 Gredice, Gem. Klanjec, Kroatien
† 27. Mai 1977 Kloštar Ivanić, Kroatien

Fulgencije Oraić, Taufname Mirko, ein gebürtiger Kroate, kam als Fünfzehnjähriger zur Ausbildung in die Weberei der Abtei Mariastern (Marija Zvijezda), wurde am 12. Februar 1921 Oblate und trat 1923 in das Chornoviziat ein. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Philosophie und Theologie in Mariastern und wurde am 30. Juli 1933 zum Priester geweiht. Danach war er Kantor, Novizenmeister und vor dem 2. Weltkrieg Klaustralprior. Als solcher leitete er nach dem Weggang des Abtes Bonaventura Diamant 1944 das Kloster.

Nach der Verstaatlichung des Klosterbesitzes durch die Agrarreform von 1945 wurde Prior Fulgentius im Januar 1946 von den Kommunisten festgenommen und verhört. Im März 1946 zum Generalkapitel nach Rom abgereist, kam er, da er wegen eines fehlenden Transitvisums in Triest festsaß, nicht rechtzeitig dort an, konnte aber wegen der politischen Umstände auch nicht nach Jugoslawien zurückkehren (Mariastern war inzwischen vollständig beschlagnahmt, einige Mönche inhaftiert). Als Exilant verbrachte er viele Jahre in Deutschland (Maria Veen) und im Elsass bis er 1963 aufgrund einer allgemeinen Amnestie nach Mariastern zurückkehren konnte (8. Sep.).

Aus dem Exil zurückgekehrt, wurde er im Juni 1964 zum Oberen ernannt und am 27. Oktober 1964 im dritten Wahlgang zum vierten und ersten nicht-deutschstämmigen Abt gewählt. Die Benediktion erhielt er am 1. November 1964 durch Bischof Alfred Pichler von Banja Luka.

Nach seinem Amtsantritt machte sich Abt Fulgencije an die Neugestaltung der Abteikirche, die am 28. September 1969, anlässlich der Hundertjahrfeier des Klosters, in Anwesenheit des Generalabtes Ignace Gillet und sechs weiterer Trappistenäbte, von Bischof Pichler neu geweiht wurde. Weniger als einen Monat später, am 27. Oktober 1969, zerstörte ein Erdbeben Kirche und Kloster. Die Mönche fanden Zuflucht in Notunterkünften. Ein Teil ging mit dem Abt nach Kloštar Ivanić bei Zagreb. Auf Bitten des Abtes bestätigte der hl. Stuhl mit Datum 2. Mai 1970 den Sitz der Abtei in Kloštar Ivanić, Mariastern wurde zum Annexhaus. Die stark beschädigte Abteikirche wurde bis 1975 mithilfe von Brüdern aus Mariawald und Engelszell wiederhergestellt (und Pfarrkirche), die Konventgebäude waren nicht zu erhalten.

Fulgencije Oraić starb am 27. Mai 1977 in Kloštar Ivanić. Der Sarg mit dem Leichnam wurde noch am selben Tag nach Banja Luka überführt und drei Tage später auf dem Klosterfriedhof Mariastern begraben. Nach seinem Tod kehrten die Mönche in die wiederhergestellte Abtei zurück.

gge


Daten:

Sac.: 30. Juli 1933; Abbas: el. 27. Okt. 1964, ben. 1. Nov. 1964.

Literatur:

Goutagny, Etienne: Der Zisterzienserorden im ehemaligen Jugoslawien. CistC 103 (1986) 190ff. · Ivica Božinović: Banjalučki trapisti, feljton (br. 1–30), Nezavisne novine, Banja Luka 17. März bis 15. April 2009.

Zitierempfehlung: Oraic, Fulgencije, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 8.1.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Oraic,_Fulgencije