Rubens, Gerardus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Gerardus Rubens

Gerardus Rubens

33. Abt der St. Bernhardsabtei Hemiksem 1722–1736

* 04. April 1674 Brüssel
† 21. Jan. 1736 Hemiksem

Gerardus Rubens wurde 1674 als zweites und letztes Kind des Aloisius Rubens und seiner Frau Anna de Deckers geboren. Seine Familie war mit dem Maler Peter Paul Rubens verwandt, dessen Familienwappen er auch führte. 1692 trat er in die Zisterzienserabtei Sint Bernards aan de Schelde Hemiksem bei Antwerpen ein, wo er am 26. Juli 1693 die Profess ablegte. Dort war schon sein Patenonkel Eugenius Rubens (1646–1704), Pfarrer in Oudenbosch, Mönch.

Nach der Priesterweihe am 24. Mai 1698 erwarb er ein Lizentiat in Theologie am Zisterzienserkolleg in Löwen und lehrte dann 16 Jahre Theologie an der Hauslehranstalt. Seine Vorlesungsskripten De vita Domini nostri Jesu Christi in vier Bänden sind nicht erhalten. 1717 wurde er Ökonom und Direktor der Zisterzienserinnenabtei Rozendaal. Am 4. August 1720 wurde er zum Pfarrer der Gemeinde Oud-Gastel bestellt. Zweimal wurde er von den Konventualen zum Abt gewählt, bevor ihn der Kaiser am 24. Juni ernannte. Am 23. August 1722 empfing er die Benediktion.

Abt Gerardus’ Regierungszeit war ein Segen für die Abtei. Es wurden Ländereien angekauft (Vremde 1722, Bergen-op-Zoom 1723, Kapellen 1725) und die bestehenden Besitztümer ausgebaut, kultiviert und eingedeicht. Alle Ländereien der Abtei wurden verpachtet, ebenso die Mühlen, die drei Höfe bei Hemiksem und die Häuser in Lüttich, Mechelen, Antwerpen und Brüssel. Einen großen Teil der dadurch erzielten Einkünfte steckte Rubens in die Ausstattung der Abteikirche. Er ließ neue Sarkophage im Chor aufstellen und ein neuen Altar, außerdem das Kircheninnere durch den Antwerpener Baumeister, Bildhauer und Maler Gulielmus Kerricx ausgemalen (1726–1729). 1726 wurde die Gruft unter dem Mönchschor gebaut. Besondere Aufmerksamkeit widmete Rubens auch der Erweiterung der Bibliothek, für die er zahlreiche Werke anschaffte. Nach Fruytier war, so oft er aus Mechelen oder Brüssel kam, sein Wagen so voller Bücher, dass er selbst fast keinen Platz darin fand. Er ließ auch einen Katalog anlegen, vier Teile in folio, der sich in der St. Bernardsabtei in Bornem erhalten hat.

Die Konventstärke stagnierte während Rubens’ Regierungszeit bei etwa 58 Mönchen. Die Klosterdisziplin erfuhr einige zeitgemäße Lockerungen: regelmäßig wurden hochgestellte Persönlichkeiten im Kloster empfangen, die Mönche hatten mehr Rekreationszeiten und das Schweigen wurde weniger streng beachtet.

Außerhalb des Klosters spielte der Abt keine große Rolle. Er war Mitglied der niederländischen Ständeversammlung, tat sich aber nicht hervor. 1726 wurde er von der Statthalterin Maria Elisabeth zusammen mit dem Präsidenten des luxemburgischen Provinzialrates Christophe d'Arnoult mit der Bekämpfung des Jansensimus in der Abtei Orval beauftragt und stand dort der Wahl des Koadjutors Jean-Mathieu Mommertz vor.

Sein von unbekannter Hand gemaltes Porträt befindet sich heute in Bornem, außerdem einige seiner Handschriften, u.a.: Summarium chronologicum continens exordium et progressum abbatiae B.M.V. Loci Sti. Bernardi.

gge, Nov. 2017


Daten:

Prof.: 26. Juli 1693; Sac.: 24. Mai 1698; Abbas: ben. 23. Aug. 1722.

Werke:

De vita Domini nostri Jesu Christi (verschollen)· Summarium chronologicum continens exordium et progressum abbatiae B.M.V. Loci Sti. Bernardi (Manuskript).

Literatur:

K. De Lange: Rubens, Gerardus, in: Nationaal Biografisch Woordenboek, Deel 3, Sp. 720–723 · Fruytier, Amedeus: Rubens, Gerardus, in: Nieuw Nederlands Biografisch Woordenboek (NNBW), Deel 2, Sp. 1239–1240 · Van Doninck, Benedictus: Obituarium monasterii Loci Sti. Bernardi. Lérins 1901, S. XXVIII–XXIX, XXXVIII, XLIV, XLVI–LII, 14, 22, 43, 66 · Goffinet, Hippolyte: Le Jansénisme dans l'abbaye d'Orval, in: Annales de l'Institut Archéologique du Luxembourg XIX (1887) 33–42 · Martinus van Dyck: Oratio funebris in exequiis Rev. Ampl. D.D. Gerardi Rubens O. Cist. abbatis dignissimi dicta. Antwerpen, 1736.

Zitierempfehlung: Rubens, Gerardus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 9.11.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Rubens,_Gerardus