Streicher, Nivard

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Nivard Streicher OCSO

Nivard Streicher OCSO/CMM

Zisterzienser der strengeren Observanz (Trappist) und Missionar, später Mitglied der Kongregation der Mariannhiller Missionare (CMM); als Architekt und Erbauer von Mariannhill gehört er zu den Gründergestalten der Missionskongregation und wurde als »der braune Abt von Mariannhill« bekannt.

* 25. Aug. 1854 Erding b. München
† 26. Feb. 1927 Arcen, Niederlande

Georg Streicher wurde als zweites von neun Kindern einer Handwerkerfamilie in Erding bei München geboren. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er Zimmermann und Bautischler wie sein Vater. Nach der Entlassung aus dem Militärdienst (1874–1877), bei dem er zum Fourier ausgebildet worden war, eröffnete er in München eine Kunsttischlerei und half unter anderem beim Bau der Auerkirche mit. 1880 trat er als Brüderkandidat in das von Franz Pfanner geleitete Trappistenkloster Mariastern in Bosnien ein. 1883 reiste er zusammen mit weiteren Mönchen, die Franz Pfanner selbst ausgewählt hatte, nach Südafrika, um beim Aufbau eines neuen Trappistenklosters mitzuhelfen.

Technisch hoch begabt, war Bruder Nivard in Mariannhill bald für die gesamte Bauplanung des neu zu errichtenden Missionskomplexes und seiner Außenstationen zuständig. Seinem ersten Werk, der Mühle, folgten bald die Klosterkirche, der Brüderkonvent, sowie Kirchen, Schulen und Krankenhäuser. Im Selbststudium bildete sich Streicher zum Ingenieur und Architekten weiter und konstruierte u.a. den Johannesbrunnen, ein imposantes Pumpwerk zur Wasserversorgung der Missionszentrale, das in ganz Natal für Aufsehen sorgte.

In Natal war Streicher, das »Genie in der Kutte« bald bekannter als Franz Pfanner selbst. Bestaunt »wie ein Herrgöttlein« (Abt Gerhard Wolpert), erwarb er sich auch bei protestantischen Missionaren und Regierungsbeamten hohes Ansehen. »In Anbetracht seiner wertvollen Verdienste für Land und Leute«, wie es im Anerkennungsschreiben des Ministers für Eisenbahnen und Häfen heißt, überreichte ihm die Natal-Eisenbahn 1909 einen Freifahrtschein auf Lebenszeit; eine Auszeichnung, die wohl keinem anderen Missionar vor oder nach ihm zuteil wurde.

Als das Trappistenkloster 1909 vom Orden gelöst und in eine Missionskongregation umgewandelt wurde, blieb Streicher in Mariannhill und war auch unter Pfanners Nachfolgern Obrecht, Schölzig und Wolpert für die Bauten zuständig. Krankheitsbedingt verließ er 1922 widerstrebend Mariannhill und lebte bis zu seinem Tod 1927 im Haus der Mariannhiller Missionare in Arcen in den Niederlanden. Am 1. März 1927 wurde er auf dem dortigen Klosterfriedhof beigesetzt.

gge


Daten:

Vest.: 20. Nov. 1880; Prof.: 24. Dez. 1882, 2. Feb. 1886.

Bibliographie:

Seubert, Dietmar: Der braune Abt von Mariannhill. Würzburg: mmk, 1985 · Adalbert Ludwig Balling: Gute Menschen sterben nicht, sie leben fort in der Erinnerung ihrer Freunde - Mariannhiller Porträts. Würzburg: 1989, 22–27 · Adalbert Ludwig Balling: Der braune Abt von Mariannhill: Nivard Georg Streicher. Architekt am Kap der guten Hoffnung. Würzburg: Mariannhiller Mission, 2003 · BBKL XIX (2001) 1346–1347 (Eric Steinhauer)

Normdaten:

GND: 124247539 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Streicher, Nivard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 16.9.2011, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Streicher,_Nivard