Thomdrecke, Arnold

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Arnold Thomdrecke

Arnold Thomdrecke

27. Abt des Klosters Marienfeld 1537–1543

† 27. März 1543

Arnold Thomdrecke oder tom Drecke stammte wie sein Vorgänger Heinrich Münsterman aus der stadtmünsterischen Pfarrei St. Aegidii und trat in dessen erstem Regierungsjahr (1499) als Sechzehnjähriger in die Zisterzienserabtei Marienfeld ein. Dreißig Jahre lang war er Kaplan des Abtes Heinrich und zuletzt auch Bursar (Schatzmeister), bis er nach Abt Heinrichs Tod († 23. April 1537) zum Abt gewählt und „am Tag nach der Aussendung der Apostel“, also am 15. Juli 1537, von dem Paderborner Weihbischof Johannes Schneider OFM die Benediktion erhielt. Bei der Abtwahl waren die Äbte von Hardehausen und Dietrich von Bredelar anwesend gewesen.

Abt Arnold leitete nach der Klosterchronik die Verwaltung äußerst klug und hielt das Kloster schuldenfrei. Ihm gelang es nach der Reformation Martin Luthers und der Wiedertäuferzeit die Ruhe im Kloster wiederherzustellen. Kleineren Übertretungen der Disziplin begegnete er um des christlichen Friedens willen mit großer Langmut und Güte. Mehrere Mönche traten aus dem Kloster aus, einen musste er „wegen unverbesserlichen Starrsinns und Frechheit“ ausschließen. Bei der Wahl seines Nachfolgers Johann Vrigge zählte der Konvent nur noch zwölf Mönche. Daraus läßt sich auf einen starken Einbruch der Reformationszeit in das Marienfelder Klosterwesen schließen. Von seinen Nachfolgern sind kaum mehr als die Namen und die Regierungszeiten bekannt.

Die Klosterchronik des Mönchs Hermann Hartmann (1649–1719) erwähnt ausdrücklich drei Lockerungen, die Abt Arnold im Kloster einführte: erstens durften an Sonntagen alle Konventualen Fleisch essen, nicht mehr nur der Abt und die Offizialen, zweitens erlaubte er, in der Adventszeit Milchspeisen zu sich zu nehmen und entband viermal die Konventualen vom 3. Adventssonntag an von der Fastenkost, drittens ordnete er an, dass das Gebet des vollständigen Psalters am Karfreitag wegen der Schwäche einiger Brüder auf mehrere Tage verteilt werden durfte.

Arnold Thomdrecke starb am Osterdienstag, 27. März 1543, von den Konventualen sehr beweint. Chronist Hartmann erwähnt ausdrücklich seine äußere Erscheinung: er war von auffälliger äußerer Gestalt, hatte ein schönes Gesicht, helle Augen, einen langen Bart und einen wohlgeformten Mund. Mehr jedoch als äußere Ansehnlichkeit machte ihn der Schmuck innerer Tugend berühmt.

gge, Juni 2018


Daten:

Abbas: ben. 15. Juli 1537.

Literatur:

Germania Sacra, Dritte Folge 2: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster 11. Die Zisterzienserabtei Marienfeld. Bearb. von Wilhelm Kohl. Berlin, New York, De Gruyter, 2010, S. 403–404 · Leidinger, Paul: Die Zisterzienserabtei Marienfeld (1185–1803): Ihre Gründung, Entwicklung und geistig-religiöse Bedeutung, in: Westfälische Zeitschrift 148 (1998), S. 9–78 · Böhmer, Rudolf; Leidinger, Paul: Chroniken und Dokumente zur Geschichte der Zisterzienserabtei Marienfeld 1185–1803. Marienfeld: Selbstverlag der Pfarrgemeinde, 1998 · Werland, Walter: Marienfelder Chronik: Zur Geschichte der Zisterzienserabtei und der Gemeinde Marienfeld. Herausgegeben im Auftrag der Gemeinde Marienfeld, Marienfeld 1968.

Zitierempfehlung: Thomdrecke, Arnold, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 18.6.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Thomdrecke,_Arnold