Wieser, Chrysostomus: Unterschied zwischen den Versionen

K
 
Zeile 13: Zeile 13:
 
}}
 
}}
  
Chrysostomus Wieser, Taufname Johannes, wurde am 4. Februar 1664 als Sohn des Bürgers und Lederers Matthias Wieser und seiner Frau Margareta in Hainfeld geboren. Während der Pestepidemie 1679 verlor er seine Familie und wurde zur Vollwaise. Nach dem Besuch der Jesuitenschule in Znaim inskribierte er sich 1681 an der Universität Wien, wo er ein theologisches Studium absolvierte, und 1685 an der Universität Graz für Philosophie und Physik. Später schloss er seine theologischen Studien vermutlich an der Lilienfelder Hauslehranstalt ab<ref>Gegründet zwischen 1622 und 1638 unter Abt [[Kraft, Ignaz|Ignaz I. Kraft]]; aufgelöst 1783; wiedererichtet 1797; erneut aufgelöst 1802 zugunsten der Hochschule Heiligenkreuz</ref>.
+
Chrysostomus Wieser, Taufname Johannes, wurde am 4. Februar 1664 als Sohn des Bürgers und Lederers Matthias Wieser und seiner Frau Margareta in Hainfeld geboren. Während der Pestepidemie 1679 verlor er seine Familie und wurde zur Vollwaise. Nach dem Besuch der Jesuitenschule in Znaim inskribierte er sich 1681 an der Universität Wien, wo er ein theologisches Studium absolvierte, und 1685 an der Universität Graz für Philosophie und Physik. Später schloss er seine theologischen Studien vermutlich an der Lilienfelder Hauslehranstalt ab<ref>Gegründet zwischen 1622 und 1638 unter Abt [[Krafft, Ignaz|Ignaz I. Krafft]]; aufgelöst 1783; wiedererichtet 1797; erneut aufgelöst 1802 zugunsten der Hochschule Heiligenkreuz</ref>.
  
 
1688 trat Johannes Wieser mit 24 Jahren in das Zisterzienserstift [[Lilienfeld]] ein und erhielt den Ordensnamen Chrysostomus. 1689 legte er am 13. November die Profess ab. Die Priesterweihe empfing er am 9. Juni 1691 im Wiener Stephansdom durch Bischof Ernst von Trautson. Am 22. Juli 1691 feierte er in der Lilienfelder Magdalenenkirche seine Primiz und war danach als Kurat und Vikar in den Stiftspfarren Traisen, Eschenau und Lilienfeld tätig.
 
1688 trat Johannes Wieser mit 24 Jahren in das Zisterzienserstift [[Lilienfeld]] ein und erhielt den Ordensnamen Chrysostomus. 1689 legte er am 13. November die Profess ab. Die Priesterweihe empfing er am 9. Juni 1691 im Wiener Stephansdom durch Bischof Ernst von Trautson. Am 22. Juli 1691 feierte er in der Lilienfelder Magdalenenkirche seine Primiz und war danach als Kurat und Vikar in den Stiftspfarren Traisen, Eschenau und Lilienfeld tätig.

Aktuelle Version vom 26. März 2020, 09:52 Uhr

Chrysostomus Wieser

Chrysostomus Wieser

51. Abt des Zisterzienserstiftes Lilienfeld 1716–1747; Generalvikar des Zisterzienserordens für Österreich und die Steiermark 1727–1746 und Ungarn 1728–1738

* 04. Feb. 1664 Hainfeld
† 26. Feb. 1747 Lilienfeld

Chrysostomus Wieser, Taufname Johannes, wurde am 4. Februar 1664 als Sohn des Bürgers und Lederers Matthias Wieser und seiner Frau Margareta in Hainfeld geboren. Während der Pestepidemie 1679 verlor er seine Familie und wurde zur Vollwaise. Nach dem Besuch der Jesuitenschule in Znaim inskribierte er sich 1681 an der Universität Wien, wo er ein theologisches Studium absolvierte, und 1685 an der Universität Graz für Philosophie und Physik. Später schloss er seine theologischen Studien vermutlich an der Lilienfelder Hauslehranstalt ab[1].

1688 trat Johannes Wieser mit 24 Jahren in das Zisterzienserstift Lilienfeld ein und erhielt den Ordensnamen Chrysostomus. 1689 legte er am 13. November die Profess ab. Die Priesterweihe empfing er am 9. Juni 1691 im Wiener Stephansdom durch Bischof Ernst von Trautson. Am 22. Juli 1691 feierte er in der Lilienfelder Magdalenenkirche seine Primiz und war danach als Kurat und Vikar in den Stiftspfarren Traisen, Eschenau und Lilienfeld tätig.

Ab 1695 war er Subprior, ab 1698 zusätzlich Novizenmeister, Professor an der Lilienfelder Hauslehranstalt und Präses der Lilienfelder Josephsbruderschaft, die von 1653 bis 1783 bestand. Ab 1704 bekleidete er das Amt des Priors. Von diesem Amt resignierte er 1707 freiwillig und legte auch sein Amt als Bruderschaftspräses zurück, um sich der Pfarre Annaberg zu widmen. Über sein Wirken dort ist bekannt, dass er bereits 1707 eine Seitenkapelle zu Ehren der Hll. Drei Könige erbauen ließ. Zudem erschienen in seiner Zeit ein Büchlein über die hl. Anna und ein eigenes Annaberger Andachtsbuch.

1713 wurde Wieser wieder in das Stift zurückberufen, um erneut das Amt des Priors zu übernehmen. In dieser Zeit war das Nervenleiden des Abtes Sigismund Braun (1695–1716) schon so weit vorgerückt, dass er sich nur noch in Schloss Kreisbach aufhielt. Infolge der Amtsunfähigkeit des regierenden Abtes wurden Temporaladministratoren eingesetzt, die gemeinsam das Stift verwalteten, darunter auch der Prior P. Chrysostomus Wieser.

Wirken als Abt und Generalvikar

Nach dem Tod von Abt Sigismund Braun 1716 musste Prior Wieser die Abtwahl organisieren. Diese wurde am 25. Juni 1716 unter Vorsitz des Reiner Abtes Placidus Mally abgehalten und P. Chrysostomus Wieser ging daraus als Abt hervor.[2] Die Bestätigung der Wahl durch Kaiser Karl VI. erfolgte schon am Tag danach, dem 26. Juni 1716. Die Installation und Benediktion am 28. Juni 1716 nahm Generalvikar Abt Gerhard Weixelberger aus Heiligenkreuz vor.

Unmittelbar nach seiner Wahl sah sich Abt Chrysostomus mit der wirtschaftlich desaströsen Amtsführung seines Vorgängers konfrontiert. Hatte dieser das Stift Lilienfeld noch in gutem Zustand von seinem Vorgänger Abt Matthäus III. Kolweiß erhalten, so musste Wieser zu Beginn die hinterlassenen Schulden tilgen. Um dies zu bewerkstelligen, verkaufte er einige weiter entfernte Besitzungen, unter anderem auf Drängen des kaiserlichen Hofes und der Landstände den Markt Witzelsdorf an Prinz Eugen von Savoyen. Dank einer guten Wirtschaftsführung konnten die Schulden getilgt und die Situation des Stiftes wesentlich verbessert werden. Dem Lilienfelder Superiorat Marienberg etwa konnte Wieser einen Grundbesitz ankaufen, nachdem dieses völlig besitzlos 1680 in die Verwaltung des Stiftes Lilienfeld gekommen war und seither ertraglos gelaufen war.

1730 bis 1745 ließ er das Innere der Stiftskirche völlig barockisieren. Von 1741 bis 1746 ließ er in Klostermarienberg eine neue Kirche erbauen, in den Jahren 1725 bis 1727 bekam die Stiftspfarre Unterretzbach eine neue Kirche. Die Sakristei der Stiftskirche erhielt während seiner Amtszeit Barockschränke und Fresken. Ganz dem Geist der damaligen Zeit entsprechend, bemühte sich Wieser die Liturgie so prunkvoll wie möglich zu gestalten. 1736 erwarb er die Reliquien des heiligen Justinus, eines nicht näher bekannten römischen Märtyrers für die Stiftskirche.

1727 wurde Abt Chrysostomus Wieser in Nachfolge des Heiligenkreuzer Abtes Gerhard Weixelberger vom Generalabt der Zisterzienser zum Generalvikar für Österreich bestellt. Diese Funktion hatte er bis 1746 inne. In der Zeit von 1728 bis 1738 war er zugleich zum Generalvikar für Ungarn bestellt. Beim Provinzialkapitel 1731 in Lilienfeld wurden unter seiner Leitung neue Statuten für das österreichische Generalvikariat herausgegeben. 1732 wurde er zum Kaiserlichen Rat ernannt und war Verordneter im Prälatenstand.

Tod und Beerdigung

Abt Chrysostomus Wieser starb am 26. Februar 1747 in Lilienfeld. Seine Beisetzung erfolgte im südlichen Teil des Querhauses in der Stiftskirche Lilienfeld, direkt beim Aufgang zum Mönchsdormitorium. Sein Nachfolger Dominik Peckenstorfer ließ an dieser Stelle eine schwarze Gedenktafel an der Wand anbringen. Die Trauerpredigt hielt P. Franziskus Peikhart SJ, der frühere Prediger des Wiener Stephansdoms.[3]

Nikolaus Kastenberger, März 2020

  1. Gegründet zwischen 1622 und 1638 unter Abt Ignaz I. Krafft; aufgelöst 1783; wiedererichtet 1797; erneut aufgelöst 1802 zugunsten der Hochschule Heiligenkreuz
  2. Assistenten waren die Äbte Gerhard Weixelberger aus Heiligenkreuz und Robert Lang vom Neukloster.
  3. Derselbe predigte auch 1736 bei der Beerdigung des Prinzen Eugen.

Daten:

Vest.: 1688; Prof.: 13. Nov. 1689; Prim.: 22. Juli 1691; Abbas: el. 25. Juni 1716, ben. 28. Juni 1716.

Literatur:

Becziczka, Ambros: Historische und topographische Darstellung von Lilienfeld und seiner Umgebung, (Historische und topographische Darstellung der Pfarren, Stifte, Klöster, milden Stiftungen und Denkmähler im Erzherzogthume Österreich 6), Wien 1825, S. 208–217 · Rabl, Irene: Ite ad Joseph. Chrysostomus Wieser und die Lilienfelder Erzbruderschaft des hl. Joseph, (Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs 18, Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt 35), St. Pölten 2015 · Maurer, Pius: Die Geschichte des Stiftes Lilienfeld, in: Campililiensia. Geschichte, Kunst und Kultur des Zisterzienserstiftes Lilienfeld, Lilienfeld 2015, S. 25f. · Müller, Eugen: Geschichtlicher Abriss des Stiftes Lilienfeld seit 1700: Mit besonderer Berücksichtigung äußerer Einflüsse auf das Leben im Konvent, Lilienfeld 1979, S. 48–96 · Müller, Eugen: Profeßbuch des Zisterzienserstiftes Lilienfeld, (Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 38), Sonderausgabe, St. Ottilien 1996 · Mussbacher, Norbert: Das Stift Lilienfeld, Wien 1976.

Zitierempfehlung: Wieser, Chrysostomus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 26.03.2020, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Wieser,_Chrysostomus

Vorlage:Page.name: WIESER, Chrysostomus OCist (1664–1747) – Biographia Cisterciensis