Altenberg

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Altenberg


Kloster Altenberg
Vetus mons
Ort: Odenthal, Nordrhein-Westfalen
Observanz: OCist
gegründet: 1133
aufgehoben: 1803
Mutterabtei: Morimond
Tochterklöster: Marienthal bei Helmstedt (1143?), Lekno (1143), Lond (1144), Zinna (1171), Haina (1188), Derneburg (1651)

lat. Vetus mons, ehemalige Zisterzienserabtei in Odenthal im Bergischen Land; gegründet 1133 von Morimond, 1803 säkularisiert.

Lage

Bundesrepublik Deutschland, Land: Nordrhein-Westfalen, Gemeinde: Odenthal; Erzdiözese Köln, Dekanat Bergisch Gladbach, Pfarrei Altenberg-Odenthal. Topografische Karte 1:50.000: L 4908 (Solingen)

Geschichte

Im Einvernehmen mit seinem Bruder Everhard, seit 1139/40 Mönch in Morimond, übertrug Graf Adolf I. von Berg den Stammsitz derer von Berg auf dem Bülsberg über der Dhünn den Zisterziensern. Die Grafen residierten fortan in Burg an der Wupper. Der Gründungskonvent aus Morimond unter Abt Berno bezog am 25. August 1133 das „alte Berg“. Graf Adolf wurde nach 1160 selber Mönch.

Schon das Gründungsgut umfasste auswärtige Besitzungen, die Anfang des 13. Jahrhunderts zwölf Gutshöfe (grangia) und Weingüter umfassten: Lützelfeld am Main, Petersacker in Rheindiebach bei Bacharach, Kapellenhof bei Rhens, Horchheim, Sürth, Forsterhof (Krs. Bergheim/Erft), Bochheim bei Kerpen-Manheim, Schönrath, Isenkroidt in Titz, Widdauen bei Reusrath, Brück und Mickel bei Düsseldorf. Dazu kamen der wichtige „Altenberger Hof“ (curia ecclesie de veteri-monte) auf dem „Aldeberg“ im Bereich der heutigen Johannisstraße in Köln sowie seit 1432 der Fronhof in Köln-Nippes. Bald schon trat anstelle der Eigenwirtschaft die Verpachtung, die seit dem 15. Jahrhundert fast alle Betriebe betraf.

Im Ordensverband erlangte Altenberg durch seine Tochterklöster ein bemerkenswertes Gewicht: Die Männerabteien Marienthal bei Helmstedt (1143?), Lekno (1143) und Lond (1144) in Polen, Zinna (1171) und Haina (1188). Lekno mit seiner Filiation Obra (1237) und Lond in Polen heißen "kölnische Klöster", haben sie doch bis ins 16. Jahrhundert nur rheinische Kandidaten aufgenommen. Im Verein mit Gründungen der niederrheinischen Zisterze Kamp und anderer Orden haben diese Klöster einen bedeutenden, aber nicht immer schmerzlosen Beitrag zur Ostansiedlung Deutscher im ostelbischen Raum geleistet. Zudem waren Altenberg angegliedert die Frauenklöster Benden, Kentrop und St. Apern, vorübergehend auch Hoven, Wöltingerode, St. Agnes in Magdeburg, Derneburg und Marienrode.

Weniger auffallend ist trotz ansehnlicher Bibliothek Altenbergs spirituelle und wissenschaftliche Bedeutung. Zu nennen wären hier lediglich Abt Arnold von Monnickendam (1467–1490) als Professor in Heidelberg und Abt Johannes Blanckenberg (1643–1662), der zweimal als Rektor der Kölner Universität amtierte. Gezzelinus (13. Jh.), angeblich Altenberger Laienbruder, wird als Seliger verehrt. Am Wallfahrtsort in Leverkusen-Schlebuschrath entspringt eine wundertätige Quelle. Die Abtei zählte im Jahre 1220 ca. 250 Mönche und Laienbrüder, 1573/74 immerhin noch 40 Mönche und 4 Novizen.

Während der Reformation blieb Altenberg katholisch und bildete eine Stütze des alten Glaubens. Allerdings verlor es die ihm anvertraute Pfarrei Solingen sowie die Tochterklöster Mariental, Zinna und Haina an den Protestantismus. Abt Johannes Blanckenberg konnte bei Visitationen in Derneburg und Wöltingerode als Generalvikar der Niederdeutsch-Rheinischen Zisterzienser-Kongregation ersteres in ein Mönchskloster umwandeln (mit Jodokus Ribrock als Abt). Auch im Raum Magdeburg wirkte die Abtei bei der Gegenreformation mit.

Das 17. und 18. Jahrhundert bescherte dem Kloster eine neue Blüte, die in reger Bautätigkeit zum Ausdruck kam. Abt Johann Jakob Lohe (1686–1707) ließ die Abtei instandsetzen und mit barocken Stilelementen ausstatten. Westwärts erhielt die Anlage ein zweites Quadrum. Aus dieser Zeit stammen das westliche Tor an der Dhünnbrücke, die Gebäude des Küchenhofs an der Dhünn und die Orangerie. Abt Franz Kramer (1779–1796) führte dann aber ein so ausschweifendes Leben auf Kosten der Abtei, dass er abdanken musste. Er lebte überwiegend im Altenberger Hof in Köln und kümmerte sich kaum noch um die Belange der Abtei. Sein untadeliger Nachfolger Joseph Greef (1796–1803) war persönlich bescheiden, jedoch den Herausforderungen nicht gewachsen. Infolge der französichen Revolution musste er zudem den Verlust der linkrheinischen Besitzungen seines Klosters beklagen.

Kurfürst Maximilian verkündete am 12. September 1803 die Säkularisation für das Herzogtum Berg. Die 22 Mönche der zuletzt wirtschaftlich geschwächten und geistlich ermüdeten Abtei wurden mit einer Pension ausgestattet und verließen am 30. November 1803 die Abtei, Abt Joseph folgte am 1. Dezember. Dreizehn Mönche gingen in die Pfarrseelsorge, andere privatisierten, nur Konstantin Habrich, blieb zunächst in Altenberg für die öffentlichen Gottesdienst und als Rentmeister im Dienst des Neueigentümers. Nach der Feuersbrunst wirkte er ab 1816 als Primissar in Schlebusch, wo er am 2. November 1847 starb.

1804 war das Inventar versteigert, der Altenberger Hof in Köln zugunsten des französischen Fiskus verkauft worden. Die wertvollen Bücher wurden der kurfürstlichen Bibliothek in Düsseldorf zugeführt, mit der sie später an die Düsseldorf Landes- und Stadtbibliothek gelangten.

Architektur und Kunst

Schon bald nach der Gründung konnte eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika, eingeweiht werden (1145 Chor, 1160 Langhaus). Im Lauf der Zeit entstanden vier Kapellen, deren älteste erhalten ist: die Markuskapelle (um 1225) im Rheinischen Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik.

Warum man an Stelle der romanischen Kirche 1259 den Grundstein zu einem Neubau legte, ist umstritten. Diese überlieferte Kirche („Altenberger Dom“) folgt im gotischen Stil dem Vorbild des Kölner Doms und seiner französischen Vorbilder. Nachdem Chor und südliches Querhaus eingeweiht worden waren (1287), dauerte es noch fast hundert Jahre bis zur Vollendung des Baues (1379).

Südlich der Kirche erstreckte sich der Kreuzgang (1222–1260). Beim Bau des „Domes“ blieb er unangetastet und verzichtete stattdessen auf den großzügigen Ausbau des anstoßenden Querschiffes. Das gemeinschaftliche Dormitorium wurde unter Abt Johannes Rente (1430–1440) zugunsten von Einzelzellen aufgegeben,

Die Klosterkirche war ganz im Sinne der Stifter als Grablege der Grafen und Herzöge von Berg bestimmt. Deshalb verfügt sie über zahlreiche Monumente, die sich vor allem im nördlichen Querhaus befinden („Herzogenchor“). Der Stifter Graf Adolf II. trat nach 1160 selbst in das Kloster ein, starb dort und wurde in Altenberg begraben. Auch Adolfs Sohn, der Kölner Erzbischof Bruno III., wurde nach seinem Amtsverzicht 1193 Mönch in Altenberg und dort um 1200 beigesetzt. Der letzte war Herzog Wilhelm III.; anlässlich seiner Beisetzung am 3. November 1511 war Kaiser Maximilian I. in Altenberg zu Gast. Ein großer Wohltäter war auch Bischof Wikbold Dobilstein (Dobbelstein) von Kulm, der 1385 als Bischof resignierte und in den Altenberger Hof nach Köln kam. Durch seine Stiftungen konnte der Altenberger „Dom“ fertig gestellt werden, den Bischof Wikbold selbst 1379 weihte und in dem er 1398 beigesetzt wurde, wovon eine kupferne Grabplatte kündet. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind im Dom auch die Grablegen der Äbte erhalten. Sie waren früher im Kapitelsaal beerdigt worden, was sich mit Abt Melchior von Mondorf änderte, der 1637 als erster die Pontifikalien verliehen bekam.

Eine ausgesprochene Rarität stellen die alten Fenster des Ostteils dar. In Grautönen sind pflanzliche Ornamente in naturnaher Weise aufgemalt (Grisaillen). Ähnlich Formen wiederholen sich nun plastisch auf Kapitellen und Schluss-Steinen. In der Westfassade befindet sich das größte deutsche Glasfenster, das dem Laienbruder Raynold († 1339) zugeschrieben wird.

Altenberg unterhielt zudem ein Skriptorium, das im 15. und 16. Jahrhundert ein außerordentlich hohes Niveau erlangte zu einer Zeit, als längst der Buchdruck dabei war, die traditionellen Herstellungsweisen abzulösen. Die erhaltenen Manuskripte werden größtenteils im Landesarchiv in Düsseldorf aufbewahrt.

Nachklösterliche Zeit

Kirche und Kloster verkaufte 1806 der bayerische König Maximilian Joseph an den Kölner Weinhändler Johann Heinrich Pleunissen. Die Chemiker Johann Gottfried Wöllner und Friedrich Mannes errichteten als Pächter eine Fabrik für „Berliner Blau“. Eine Brand-Explosion vernichtete am 6./7.November 1815 die Gebäude und das Kirchenfach. 1830 stürzten Teile des südlichen Querschiffs, die Vierung und Teile des Chores ein. Wechselnde Besitzer nutzten die Anlage sogar als Steinbruch.

Das Anwesen pachtete 1922 der Katholische Jungmännerverband und errichtete im Bereich des alten Konventes Neubauten (1922–1933). Bis 1954 war Haus Altenberg Zentrum der katholischen Jugendbewegung in Deutschland. Seitdem steht der Komplex samt „altem Brauhaus“ und Orangerie in Trägerschaft des Erzbistums Köln.

Seit dem Wiederaufbau der Ruine 1847 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. wird die Kirche, der sog. Altenberger Dom, als evangelische und katholische Pfarrkirche simultan genutzt.

Äbte

Hermann Josef Roth, Okt. 2019


Quellen:

Auszug des General Inventars über das Mobilar Vermögen der Abtey Altenberg. Altenberg, Düsseldorf 1819 · Urkundenbuch der Abtei Altenberg, 2 Bände. Bearb.: Hans Mosler. Bonn 1912, (Repro: Düsseldorf 1955).

Literatur:

Eckert, Karl: Bibliographie Altenberg. Bergisch Gladbach 1964 · Ermert, Helene: Der ländliche Grundbesitz der Abtei Altenberg bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Diss., Bonn 1924 · Janke, Petra: Option Barock. Die Altenberger Zisterzienserkirche in der späten Blütephase des Klosters 1643−1779. Berlin 2016 · Krönig, Wolfgang:, Altenberg und die Baukunst der Zisterzienser. Bergisch Gladbach 1973 · Lymant, Brigitte: Die mittelalterlichen Glasmalereien der ehemaligen Zisterzienserkirche Altenberg. Bergisch Gladbach: Heider, 1979 · Mosler, Hans: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Erzbistum Köln 1. Die Cistercienserabtei Altenberg. Germania Sacra; N. F.: 2: Erzbistum Köln, Bd. 1. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1965 · Redlich, Paul: Die letzten Zeiten der Abtei Altenberg. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein. 72, 1901, ISSN 0341-289X, S. 102–141 · Roth, Hermann Josef: Altenberg und Marienstatt. Die Beziehungen zweier rheinischer Zisterzen. Bergisch Gladbach 1971 · Roth, Hermann Josef: Die Pflanzen in de: Bauplastik des Altenberger Domes, ein Beitrag zur Kunstgeschichte und mittalterlichen Botanik. Bergisch Gladbach 1976 · Die Denkmäler des Rheinlandes, Bd. 19 (= Rheinisch-Bergischer Kreis, Bd. 2). Düsseldorf 1972, S. 89–148 · Wenn nicht der Herr das Haus baut. Altenberg. Vom Zisterzienserkloster zum Bergischen Dom. Festschrift zur 750-Jahrfeier der Grundsteinlegung. Altenberg 2009.

Zitierempfehlung: Hermann Josef Roth: Altenberg, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 20.10.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Altenberg