Chabannes, Augustin

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Rosalie-Augustin de Chabannes

Augustin de Chabannes

1. Oberin von Stapehill

* 19. Mai 1769 Langogne, Dép. Lozère, Languedoc-Roussillon
† 13. Juni 1844 Stapehill, England

Rosalie-Augustin de Chabannes wurde 1769 als Marie-Rosalie de Vergèses du Mazel in Langogne in Südfrankreich geboren. Sie war das zwölfte und jüngste der Kinder von Antoine de Vergèses du Mazel und Marianne Clavel de Chaudeyrac, von denen vier Töchter Zisterzienserinnen und eine Benediktinerin wurden.[1]

Im Alter von fünf Jahren wurde Rosalie von ihren Eltern zur Erziehung in das Pensionat der königlichen Zisterzienserinnenabteis Saint-Antoine-des-Champs bei Paris geschickt, dessen Leitung ihre ältere Schwester und Taufpatin Marie-Anne, eine Professschwester des Klosters, hatte[2]. 1784 trat sie selbst in das Noviziat ein. Aus Anlass ihrer Profess am 3. Juni 1787 erhielt sie von ihrem Vater das Gut Chabannes als Mitgift und nannte sich von da an de Vergèses de Chabannes. Wahrend der französischen Revolution wurde sie mit einigen Mitschwestern inhaftiert; der Sturz Robespierres 1794 brachte ihr die Freiheit.

1797 ging sie über die Grenze in die Schweiz und trat am 21. Juni in das im Vorjahr von Abt Augustin de Lestrange gegründete erste Trappistinnenkloster La Volonté-de-Dieu bei Sembrancher im Kanton Wallis ein. Möglicherweise hatte sie in Paris eines der von Lestrange verteilten Werbeflugblätter in die Hände bekommen. Am 29. Juni wurde sie als Novizin eingekleidet und legte, da sie bereits Zisterzienserin war und die äußeren Umstände ein einjähriges Noviziat nicht erlaubten, schon nach vier Monaten die Profess ab (29. Okt. 1797).

Infolge des Einmarsches französischer Revolutionstruppen in die Schweiz wenige Monate später auch von Sembrancher vertrieben, verließ Augustin de Chabannes Anfang Februar 1798 als Führerin der letzten Gruppe von Trappistinnen das aufgegebene Kloster und machte sich über Konstanz, Dürnast in Bayern (dort blieb die Gruppe bis April 1799), dann Danzig, Brest-Litowsk, Lemberg, Thorn, nach Orscha in Weissrussland auf. Dort hatte Zar Paul I. auf Vermittlung der Novizin Sr. Marie-Joseph de la Miséricorde (d.i. Louise-Adélaïde de Bourbon-Condé) den Trappisten und Trappistinnen Asyl gewährt. Schon auf dem Hinweg ernannte sie Abt Lestrange, der Sr. Augustins Führungsqualitäten erkannt hatte (er nannte sie seine „älteste Tochter“), anstelle von M. Sainte-Marie Laignier zur Oberin der Frauen. In dieser Funktion blieb sie in Russland und auch, nachdem die dauerhafte Niederlassung dort im März 1800 gescheitert war, auf der Rückwanderung bis zum Sammelpunkt in Hamburg-Hamm.

Von Hamburg aus schickte Abt Lestrange Augustin de Chabannes, die er zu diesem Zweck von der Leitung der Gesamtgruppe abberufen hatte, im März 1801 mit vier weiteren Schwestern nach England, um dort in Stapehill, zwanzig Meilen entfernt vom Männerkloster Lulworth, ein neues Frauenkloster einzurichten. Die Vorbereitungen dazu hatte er seit Oktober 1800 betrieben. Mit Unterstützung des Oberen von Lulworth, Jean-Baptiste Desnoyers, gründete Augustin de Chabannes dort das Kloster Holy Cross, in das die Schwestern am 21. Oktober 1802 einzogen; bis dahin hatten sie in Burton House bei Lulworth gelebt.

Unter widrigen Umständen (ein französischer Konvent in England) leitete Augustin de Chabannes das langsam wachsende Priorat Holy Cross mit Unterstützung ihrer Stellvertreterin Marie-Joséphine de Montron in den nächsten Jahrzehnten. Bald schon kamen auch wieder junge Mädchen zur Erziehung dazu. Verschärft wurde die schwierige Situation durch die Verlegung der Männerabtei Lulworth, die Stapehill bis dahin unterstützt hatte, nach Frankreich im Sommer 1817. Komplett isoliert wurde Stapehill 1824 durch die ohne Wissen der Oberin von Diözesanbischof Collingridge betriebene Herauslösung aus dem Orden. Nachdem es in den 1820er Jahren mehrere Todesfälle von jungen Schwestern in Stapehill gegeben hatte, war eine Untersuchung durchgeführt worden als deren Ergebnis Papst Leo XII. eine Milderung des strengen Reglements anordnete und das Kloster unter bischöfliche Jurisdiktion stellte, wo es bis 1915 blieb.

Augustin de Chabannes starb am 13. Juni 1844, im Alter von 75 Jahren, als letzte der 42 Schwestern, die 1798 von Sembrancher auszogen waren. Dreiundvierzig Jahre hatte sie dem Kloster Stapehill vorgestanden. Gemäß den Ordensvorschriften wurde sie ohne Sarg auf dem von Abt Lestrange 1803 persönlich eingeweihten Klosterfriedhof beigesetzt. Sechs Monate später wurde ihr unversehrter exhumiert und in einem Sarg in einer Gruft in der Mitte des Friedhofs neu beigesetzt.

gge

  1. Ein Bruder, Charles de Vergèses, wurde Gemeindepfarrer in Blavignac, Lozère.
  2. Zur Zeit der Revolution waren ihre wenige Jahre älteren leiblichen Schwestern Marie-Marguerite und Catherine-Justine ebenfalls Chorfrauen der Abtei.

Daten:

(Saint-Antoine) Prof.: 3. Juni 1787; (Sembrancher) Vest.: 29. Juni 1797; Prof.: 29. Okt. 1797.

Literatur:

La Trappe in England. Chronicles of an unknown monastery. London : Burns, Oates & Washbourne, 1946, passim · eHLS · Kervingant, Marie: Monastic Odyssey. Kalamazoo, Mich.: Cistercian Publications, 1999, passim [Des moniales face à la Révolution française : aux origines des Cisterciennes-Trappistines. Paris : Beauchesne, 1989] · Coppendale, Mary Magdalen: Who Shall Find a Valiant Woman?, in: Hidden Springs: Cistercian Monastic Women, herausgegeben von John A. Nichols, Lillian Thomas Shank, (= Medieval religious women, 3 ; Cistercian studies series, 113), Kalamazoo, Mich.: Cistercian Publications, 1995, S. 751–767.

Normdaten:

GND: 1071530453 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Chabannes, Augustin, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 17.2.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Chabannes,_Augustin