Dietmayr, Johann

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Johann Dietmayr

Johann Dietmayr

Abt des Klosters Aldersbach 1588–1612

* um 1550 Dießen
† 22. Jan. 1612 München

Johann Dietmayr, Taufname Johannes, wurde um 1550 in Dießen am Ammersee als Sohn achtbarer Eltern geboren, die ihn an die Klosterschule der Abtei Fürstenfeld brachten. Mehr ist über seine Herkunft nicht bekannt. Nach der Priesterweihe sandte Abt Leonhard Treutwein den vielversprechenden Konventualen zum Studium an die Universität Ingolstadt (Abschluss 1577 mit Auszeichnung). Gerühmt wurden damals schon seine große Beredsamkeit und seine Kenntnis der hl. Schrift.

Nach Fürstenfeld zurückgekehrt, wurde Dietmayr von Abt Leonhard zum Professor an der Hauslehranstalt bestellt, aber noch im selben Jahr vom Regens des Ingolstädter Georgianums, Dr. Rudolf Clenkh, angefordert. Ob Abt Leonhard dem Ansinnen ensprochen hat, ist nicht sicher überliefert. Gewiss ist, dass Dietmayr 1578 wieder zu Hause war. 1579 nahm er an einer Disputation in Ingolstadt teil und wurde dafür zum Bakkalaureus der Theologie promoviert und zum Pfarrer des Liebfrauenmünsters, der Pfarr- und Universitätskirche, bestellt. da Abt Leonhard die Bestallung zum Pfarrer nur für kurze Zeit gestattete und nur unter der Bedingung, dass Dietmayr auch den „Cursus“ absolviere, kehrte dieser bald als Lizentiat der Theologie. und Magister liberalium artium wieder nach Aldersbach zurück. Zum Doktor der Philosophie war er schon 1577 promoviert worden.

1581 übernahm er die Leitung des Seminarium Religiosorum in Ingolstadt, eine Berufung als Prediger an die Stiftspropstei Ellwangen wies Abt Leonhard ab. 1583 ging er auf Befehl Herzog Wilhelms V. von Bayern als Prediger nach Parsberg in der Herrschaft Waldeck, um dort lutherische Einflüsse zurückzudrängen. Noch im selben Jahr wechselte er in gleicher Eigenschaft nach Straubing, von da 1584 nach Miesbach und Schliersee, 1585 wurde er Stadtprediger in Aichach und zu Beginn des Jahres 1586 von Herzog Wilhelm als Berater nach München gerufen.

Im Laufe des Sommers 1586 erbat sich Abt Andreas Haydecker vom Kloster Aldersbach, der sich aus Alters- und Gesundheitsgründen mit Resignationsabsichten trug, Dietmayr als Administrator, wodurch dieser unerwartet an die Spitze der Fürstenfelder Mutterabtei Aldersbach gestellt sah. Am 15. Oktober 1586 legte Abt Andreas, wie der spätere Abt Gerhard Hörger[1] (reg. 1651–1669) berichtet, sein Amt nieder und übergab die Verwaltung Johann Dietmayr, der nach Heydeckers Tod († 10. Aug. 1587), wohl Anfang 1588, vom Konvent einhellig zum Nachfolger gewählt wurde.

Die Lage der Abtei war bei Dietmayrs Regierungsantritt nicht ungünstig. Abt Andreas II. hatte sich bemüht, die Schäden, die sein Vorgänger Bartholomäus Madauer (reg. 1552–1577) durch schlechte Verwaltung angerichtet hatte, zu beheben. Auch die Zahl der Mönche wuchs wieder, nachdem die Pest 1572 alle Konventualen bis auf einen und den Abt hinweggerafft hatte.

Die erste Sorge des neuen Prälaten galt der Instandsetzung sämtlicher Klostergebäude, von denen manche baufällig waren. Das Langschiff der Stiftskirche ließ er durchgängig wölben; die am Eingang zum Klosterhof stehende St. Leonbardskapelle so gründlich restaurieren, dass man eher von einem Neubau sprechen kann. Das Richterhaus daneben und die Stallungen wurden vollständig umgebaut, außerdem dem Kloster zum Garten hin ein neuer Flügel angefügt; Bibliothek, Sakristei und Abteiwohnung wurden neu erstellt, schöner und größer als zuvor.

Für die Gottesdienste schaffte Abt Dietmayr mehrere Ornate in verschiedenen Farben an, dazu auch viele Meßgewänder. Die Altäre der Kirche erhielten damastene Antipendien. Ebenso erwarb er neue Kirchengeräte. Seine Hauptsorge galt jedoch der Ausbildung und Bildung der Mönche, deren begabteste er – wie es sein Abt Leonhard Treutwein in Fürstenfeld getan hatte – zum Studium nach Ingolstadt schickte. Der Chordienst musste pünktlich und genau verrichtet werden. Die Bibliothek wurde durch zahlreiche Werke vermehrt, die er zum Tteil selbst besorgte.

Auch bei der Vermehrung des Klostergutes hatte Abt Johann eine glückliche Hand. Am 31. Juli 1591 erwarb er einen größeren Hof in Aufheim, einen Monat später einen weiteren in Walchendorf. 1592 kam die Abtei in den Besitz von Gütern in Reisach. Eine wichtige Erwerbung war die Hofmark Abtshofen, die einst dem Stift Ebersberg gehört hatte, dann in den Besitz des Jesuitenkollegiums in München übergegangen. Dazu kamen noch die beiden Hofmarken in Thurm bei Frontenhausen und Piegendorf. Ende 1611 war das Stift schuldenfrei und hatte ein Vermögen von 116.750 fl. Einen Teil des Bargeldes (13.750 fl.) hatte der vorsichtige Abt nach Fürstenfeld in Verwahrung gebracht, weil er befürchtete, dass damals donauabwärts ziehende Kriegsvölker Aldersbach plündern könnten.

Nachdem am 7. Juli 1595 Abt Leonhard Treutwein von Fürstenfeld gestorben war, setzten die Fürstenfelder Konventualen ihren Vaterabt Dietmayr neben den Patres Johann Puel und Sebastian Thoma auf die Kandidatenliste, die man bei der Regierung in München einreichen musste. Doch Dietmayr verzichtete aus Rücksicht auf sein Kloster. Stattdessen bestellte ihn der in Fürstenfeld weilende Generalabt Edmond de la Croix von Cîteaux zum Generalkommissar und Visitator aller Zisterzienserklöster in Bayern und übertrug ihm die Vollmacht alle Äbte und Äbtissinnen dieser Provinz zu benedizieren. Die Regierung bestellte ihn zum ersten Landschaftsverordneten des Rentamts Landshut.

Diese vielfältige Inanspruchnahme hatte jedoch zur Folge, dass Abt Dietmayr manchen seiner Verpflichtungen nicht mehr selber nachkommen konnte. So konnte er 1605 beim Generalkapitel in Cîteaux nicht persönlich erscheinen, weshalb er den Großkellner der Abtei Raitenhaslach, Konrad Tachler, und den Fürstenfelder Subprior Sebastian Thoma als Vertreter der bayerischen Provinz delegierte; desgleichen Tachler wieder 1609. Die von Konrad Tachler dort vorzutragenden drei Punkte lassen erkennen, wie wichtig dem Aldersbacher Abt die Bewahrung der Ordensdisziplin und die Ordensprivilegien waren (Näheres bei Gloning, S. 327–328).

Da Abt Johann wegen seiner anderweitigen Verpflichtungen, vielleicht auch wegen Kränklichkeit, die Verwaltung seines Stiftes über den Kopf wuchs, betrieb er den Plan, sich einen Koadjutor an die Seite stellen zu lassen. Der Plan wurde von Vaterabt Hieronymus Hölein von Ebrach (reg. 1591—1615) und Herzog Maximilian I. gebilligt und am 19. Mai 1605 von der Mehrzahl des Konventes (13 Stimmen) der Kellermeister Michael Kirchberger zum Koadjutor gewählt. Da diese Regelung aber nicht alle Mönche zufriedenstellte, wurde das Vorgehen 1608 von dem 1607 vom Generalkapitel zum Visitator für Süddeutschland, die Schweiz, Böhmen und Polen bestellten Abt von Clerlieu, Jean Martin, untersucht und bestätigt.

Während der Versammlung der Landstände in München, an der er als Landschaftsverordner teilnahm, erkrankte Johann Dietmayr und starb am 22. Januar 1612 ebenda. Sein Leichnam wurde nach Aldersbach gebracht und vor dem St. Walburgisaltar an der Südseite der Stiftskirche bestattet.

gge, Okt. 2019

  1. Gerhard Hörger wurde im Januar 1651 zum Abt von Gotteszell und im März 1651 mit Dispens des Generalkapitels in Personalunion zum Abt von Aldersbach gewählt.

Daten:

Abbas: el. 1588.

Literatur:

Gloning, Marian: Johann VI Dietmayr, Abt von Aldersbach (1588–1612), in: Cistercienser Chronik 18 (1906), S. 321–330 · Epitome Chronicorum Alderspacensium Oder Kurtzer Auszug Aus denen Geschichts-Büchern Des … Closters Alderspach. Zusammengetragen Durch R. P. Michaelem de Mannstorff. Hof: Gastl, 1746, S. 29–30.

Normdaten:

GND: 133610063 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Dietmayr, Johann, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 8.11.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Dietmayr,_Johann