Fichtlin, Sigismund

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Sigismund Fichtlin

Sigismund Fichtlin

42. Abt des Klosters Schöntal 1626–1633

* um 1577 Karlstadt, Main-Spessart-Kreis
† 19. März 1633 Stams, Tirol

Sigismund Fichtlin(g) stammte aus Karlstadt am Main und war der Sohn des Schulinspektors, der ihm auch seine erste musikalische Ausbildung zukommen ließ.[1] Seine weitere Ausbildung (Orgel, Tuba) erhielt er an der Würzburger Hofkapelle. 1596 in die Reichsabtei Schöntal an der Jagst eingetreten, wurde er zum Studium nach Mainz geschickt und zum Priester geweiht. 1605 wurde er Prior in Schöntal, 1607 Propst in Mergentheim und nach dem Tod des Abtes Theobald Fuchs († 6. Mai 1626) am 12. Mai 1626 zum Abt gewählt und von Jakob Mosbach, Abt von Kaisheim, Vaterabt und Provinzialvikar der oberdeutschen Zisterzienserkongregation, bestätigt (Urkunde vom 14. Mai 1626[2]) und benediziert.

Sigismund Fichtlin ließ in Schöntal von dem Bildhauer Michael Kern den Dreifaltigkeitsaltar und den Johannes-Baptista-Altar in der Klosterkirche errichten und 1629 die katholische Pfarrkirche St. Sebastian in Berlichingen von Grund auf neu erbauen (sein Wappen an der Ostseite des Turms). Die Weihe der Kirche und der drei Altäre nahm der Würzburger Weihbischof Jodocus Wagenbauer am 30. September 1629 vor. 1630 konnte Fichtlin noch den sog. Hof „Zum Daniel“ in Würzburg und 1631 das Schloss Bieringen erwerben, dann erreichte der Dreißigjährige Krieg Schöntal; die etwa 40 Mönche mussten vor den Schweden unter ihrem König Gustav Adolf fliehen, der 1632 die Herrschaft Schöntal dem Grafen von Hohenlohe schenkte.

Abt Sigismund verließ Schöntal samt seinem Gefolge am 24. Oktober 1631 und zog über Horneck und Neckarsulm zunächst in das Kloster Kaisheim (Kaisersheim) bei Donauwörth und schließlich im Frühjahr 1632 „sambt seinen priore, secretario, kämerling, Guttschen und 5 pferdt“ – wie der dortige Abt Paulus Gay in seinem Tagebuch vermerkt – in das Schwesterkloster Stams in Tirol. Dort starb er am 19. März 1633 und wurde in der Abteikirche vor dem Johannes-Evangelista-Altar beigesetzt. Seine Grabplatte, Rotmarmorplatte mit Kreuzsymbol und der schlichten Inschrift F(rater) S(igismundus) A(bbas) S(chönthalensis), ist erhalten.[3] Auch in Schöntal errichtete man dem Abt ein 1633 datiertes Epitaph, das sich ebenfalls erhalten hat[4] Das Chronodistichon des Schöntaler Epitaphs spielt auf den Namen des Abtes an: Die sieben Jahre lang aufragende Fichte (Pinea) symbolisiert die siebenjährige Regierungszeit Fichtlins. Das Chronogramm ergibt das Todesjahr 1633.

Zu seinem Nachfolger wurde am 16. Mai 1634 im Kloster Wettingen im Schweizer Kanton Aargau Christoph Haan gewählt.

gge, Nov. 2019

  1. Kremer nennt auch seinen ebenfalls aus Karlstadt stammenden Onkel, Dionys (Sigismund) Fichtl(e)in, 1615–1620 Prior der Kartause Pons Mariae in Astheim bei Volkach.
  2. http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-526205
  3. Die Inschriften der Politischen Bezirke Imst, Landeck und Reutte, ges. u. bearb. v. Werner Köfler und Romedio Schmitz-Esser (Die Deutschen Inschriften 82. Band, Wiener Reihe 7. Band, Teil 1) Wien 2013, Kat. Nr. 93, URL: http://hw.oeaw.ac.at/inschriften/tirol-1/imst/tirol-1-obj93.xml
  4. DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 821 (Harald Drös), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di073h016k0082106.

Daten:

Abbas: el. 12. Mai 1626; Dev.: Deo et aeternitati.

Literatur:

Schönhut, Ottmar F[riedrich] H[einrich]: Chronik der Klosters Schönthal aus urkundlichen Quellen. Mergentheim: Thomm, 1850, S. 150–156 (falscher Sterbeort!) · Kremer, Bartholomäus: Series abbatum et memorabilia monasterii Speciosae Vallis [S. l.], [1636–1661], in: Quellensammlung der badischen Landesgeschichte 4 (1867) 142–164 (Original: Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., Hs. 663).

Zitierempfehlung: Fichtlin, Sigismund, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 1.12.2019, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Fichtlin,_Sigismund