Oesterhoff, Ferdinand

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Ferdinand Oesterhoff OCist

Ferdinand Oesterhoff

42. Abt von Marienfeld; Weihbischof in Münster, Kommendatarabt von Riddagshausen

~ 30. Okt. 1672 Münster
† 22. Okt. 1748 Marienfeld

Johannes Ferdinand Oesterhoff (Osterhof) wurde am 30. Oktober 1672 in der Lambertikirche in Münster getauft. Seine Eltern waren die Münsteraner Bürger Ludwig Oesterhoff und seine Frau Clara Maria Raesfeld. Im Alter von knapp zwanzig Jahren in der Zisterzienserabtei Marienfeld eingekleidet, legte er 1693 die Profess ab und erhielt 1694 die Klerikaltonsur der niederen Weihen. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Münster studierte er Theologie – an welcher Universität ist nicht mehr bekannt –, erwarb den Grad eines Licentiatus theologiae und wurde 1699 zum Priester geweiht.

Danach war Oesterhoff einige Jahre Beichtvater (Confessarius) im Kloster Rulle und seit dem 22. März 1713 Kellner (Cellerar) der Abtei Marienfeld, bis er am 3. Februar 1717 unter der Wahlleitung des Abtes Laurentius Kremper von Hardehausen zum 42. Abt von Marienfeld – und damit auch zum Kommendatarabt des in der Reformation lutherisch gewordenen Klosters Riddagshausen bei Braunschweig – gewählt wurde. Da das Münsteraner Domkapitel innerhalb seiner Diözese das Präsentationsrecht für die Zisterzienseräbte (in ihrer Eigenschaft als Archidiakone in Harsewinkel) beanspruchte[1], verlangte Bischof Franz Arnold von Wolff gen. Metternich (1707–1718), den schon festgesetzten Weihetag wieder abzusetzen, um den Abt zur Anerkennung des Besetzungsrechts zu zwingen. Oesterhoff widersetzte sich der Forderung und empfing die Benediktion am 16. November 1717 im Kloster Himmerod in der Eifel, von dessen Abt Robert Bootz in seiner Eigenschaft als Generalvikar des Ordens. Weiheassistenten waren die Trierer Benediktineräbte von St. Maximin und St. Matthias.

Direkt nach seiner Wahl, noch im Frühjahr 1717, ließ Abt Ferdinand den Ostflügel erneuern und den südlichen Flügel des Klosters bis zum Priorat vollenden und im Sommer 1717 an der Südseite der Klosterkirche eine Marienkapelle einrichten. Ein Jahr vor seinem Tod gab er den Auftrag zum Bau einer neuen Orgel in der Abteikirche, deren Fertigstellung aber erst sein Nachfolger, Florentius Reinking, erlebte.

1723 wurde Oesterhoff auf Vorschlag des Kölner Kurfürsten Clemens August, der wohl als neuer münsterscher Bischof und Landesherr einen Ausgleich der Spannungen suchte, zum Weihbischof für die Diözese Münster ernannt und legte am 27. September vor dem Generalvikar der Diözese Münster, Nikolaus Hermann von Ketteler, der im Auftrag des Kölner Nuntius Erzbischof Cavalieri handelte, die professio fidei ab. Daraufhin präkonisierte Papst Innozenz XIII. ihn zum Titularbischof von Agathonike (in Thrakien). Die Bischofsweihe erteilte ihm der Paderborner Weihbischof Pantaleon Bruns OSB, Abt von Abdinghof in Paderborn.

Oesterhoffs Weiheregister ist nur teilweise erhalten. In der Zeit vom 15. April 1724 bis zum 22. Dez. 1732 weihte er – meist in der Nicolaikapelle auf dem Domhof – 691 Tonsuristen, 643 Minoristen, 554 Subdiakone, 519 Diakone und 532 Priester. 1735 weihte er Johann Wilhelm von Twickel, Weihbischof in Hildesheim, zum Titularbischof von Arethusa.

Am 23. Februar 1746 bat er, nachdem er schon einige Zeit so krank gewesen war, dass er sein Haus kaum noch verlassen konnte, um Entlassung aus dem Bischofsamt, die der Fürstbischof am 23. März gewährte. Oesterhoff nahm zwar auch nach seiner Entlassung noch gelegentlich Pontifikalhandlungen vor, zog sich aber mehr und mehr in sein Kloster Marienfeld zurück, wo er 1748 im Alter von 75 Jahren starb. Er wurde hinter dem Hochaltar der Klosterkirche beigesetzt. Sein Grabstein ist im Chorumgang erhalten geblieben.

gge, Jan. 2008, rev. Dez. 2017

  1. Der darüber geführte Rechtsstreit wurde erst 1723 durch eine Entscheidung der Rota zugunsten des Ordens beendet, flammte aber nach der Wahl des Abtes Arnold Detten 1769 erneut auf.

Daten:

Vest.: 25. Nov. 1692; Prof.: 8. Dez. 1693; Sac.: 4. April 1699; Abbas: el. 3. Feb. 1717; episcopus Agathonicensis: präkon. 20. Dez. 1723, cons. 22. Jan. 1724, res. 23. März 1746.

Literatur:

Germania Sacra, Neue Folge, Bd.37/4 : Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Von Wilhelm Kohl. Berlin, New York, De Gruyter, 2004 · Germania Sacra, Dritte Folge 2: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster 11. Die Zisterzienserabtei Marienfeld. Bearb. von Wilhelm Kohl. Berlin, New York, De Gruyter, 2010, S. 416–417 · Leidinger, Paul: Die Zisterzienserabtei Marienfeld (1185–1803): Ihre Gründung, Entwicklung und geistig-religiöse Bedeutung, in: Westfälische Zeitschrift 148 (1998), S. 9–78 · Werland, Walter: Marienfelder Chronik: Zur Geschichte der Zisterzienserabtei und der Gemeinde Marienfeld.. Herausgegeben im Auftrag der Gemeinde Marienfeld, Marienfeld 1968, S. 234–237.

Normdaten:

· GSN: 066-04279-001

Zitierempfehlung: Oesterhoff, Ferdinand, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 11.6.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Oesterhoff,_Ferdinand