Steiner, Wilhelm

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Wilhelm Steiner

Wilhelm Steiner

Abt des Zisterzienserklosters Leubus in Schlesien 1757–1769

* 1694 Heinersdorf [Jaworek, Gem. Ząbkowice Śląskie, Polen]
07. Dez. 1768 Leubus, Niederschlesien [Lubiąż, Polen]

Wilhelm Steiner, geboren 1694 in Heinersdorf bei Frankenstein, trat am 19. August 1715 in das Zisterzienserkloster Leubus ein, legte 1716 die Profess ab und empfing 1721 die Priesterweibe. Anfangs wurde er in der Seelsorge verwendet, war 1729 ein Jahr in Ober-Mois und wurde dann Pfarrer in Schlaup. Am 31. August 1733 zum Prior in Leubus ernannt, begleitete er als solcher Abt Konstantin Beyer 1734 nach Wien. Am 18. Februar 1735 wurde er Propst in Seitsch [Siciny], wo während seiner Zeit die barocke Pfarrkirche St. Martin und das schlossähnliche Propsteigebäude gebaut wurden (1736–1740). 1746 wurde er Provisor und als solcher bereits 1747 zum Abt vorgeschlagen. Jedoch wählte König Friedrich II. von Preußen den von ihm favorisierten Kamenzer Abt Tobias Stusche aus dem Dreiervorschlag aus. Am 23. Mai 1757 von den 67 Kapitularen erneut gewählt, erhielt Steiner wenig später die königliche Bestätigung. Von 1763 bis 1768 war er außerdem Generalvikar der schlesischen Ordensprovinz.

Von seinem Vorgänger Tobias Stusche übernahm Abt Steiner das Kloster mit 77.670 Reichstalern Schulden, die sich ohne seine Schuld während seiner Regierung fast verdreifachten. Der Siebenjährige Krieg (1757–1763) brachte wechselnde Garnisonierungen (Österreicher, Preußen) und enorme Kriegssteuern. 1757 starben zwölf Ordensbrüder an der Pest, 1759 wurde Seitsch von den Russen ausgeplündert, 1761 lagerte die ganze preußische Armee bei Leubus. Auch die nach dem Hubertusburger Frieden von König Friedrich gerade den geistlichen Institutionen auferlegten immensen Steuern taten das Ihrige dazu. In die merkantilistische Wirtschaftspolitik des Königs eingebunden, musste Leubus, wie alle schlesischen Klöster, auf eigene Kosten Schiffe ausrüsten (29) und Werkstätten errichten, besonders Bleichen, Wollspinnereien und Lederfabriken, in denen auch die Religiosen mitarbeiten mussten.

Abt Wilhelm starb, 74 Jahre alt, am 7. Dezember 1768. Ihm folgte der Prior Lukas Springer.

gge, Dez. 2016


Daten:

Prof.: 1716; Sac.: 1721; Abbas: el. 23. Mai 1757.

Literatur:

Jungnitz, Joseph: Geschichte der Dörfer Ober- und Nieder-Mois: im Neumarkter Kreise : Nach archivalischen Quellen. Breslau: G.P. Aderholz' Buchhandlung, 1885, S. 215 · Wutke, Konrad: Die Leubuser Abtswahl von 1757, in: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens 24 (1890), S. 374–376 [1] · Wintera, Laurentius: Leubus in Schlesien, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige 25 (1904) S. 502–514, 676–697, hier: 695 · Grüger, Heinrich: Schlesisches Klosterbuch: Leubus, in: Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau, Band 22, 1981, S. 1–32.

Zitierempfehlung: Steiner, Wilhelm, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 29.8.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Steiner,_Wilhelm