Angelsbrugger, Cölestin

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Cölestin Angelsbrucker, Kupferstich, 1771

Cölestin Angelsbrugger

42. Abt des Klosters Kaisheim 1771–1783, Reichsprälat, Generalvikar des Ordens in Oberdeutschland

* 02. Nov. 1726 Augsburg
† 26. Sep. 1783 Kaisheim

Cölestin Angelsbrugger oder Angelsbrucker wurde am 2. November 1726 in Augsburg geboren, wo der Vater als Wachszieher und Lebzelter tätig war. Der Abt trug deshalb einen Bienenkorb im Wappen. In das reichsunmittelbare Zisterzienserstift Kaisheim eingetreten, legte er am 7. November 1745 die Profess ab und feierte am 21. November 1749 seine Primiz. Danach war er Vikar in Leitheim, Bibliothekar und Sub-Bursarius sowie Archivar und Küchenmeister. In dieser Zeit verfasste er eine Chronik, die er 1764 Abt Cölestin Mermos „zum Handgebrauch“ überreichte. Am 4. Oktober 1764 wurde er Präfekt in Heilbronn, am 25. Mai 1765 Direktor des Kaisersheimer Studienhauses in Ingolstadt und am 5. Februar 1779 Oberbursar. Am 26. Juni 1771 wählten ihn die Kapitularen zum Abt.

Abt Cölestin hatte ein Herz für die Armen. Gleich nach seinem Regierungsantritt ließ er die Kornspeicher des Klosters öffnen, um der Not und der Getreideteuerung zu begegnen. Die Armen unterstützte er aus seiner Privatschatulle. Im Herbst 1771 unternahm der Prälat eine Prachtreise nach Frankreich, wo er „durch sein glänzendes Auftreten und nicht weniger durch seine imponierende Erscheinung und geistigen Fähigkeiten gewaltiges Aufsehen erregte“ (Reindl). Vom Ordensgeneral zu König Ludwig XVI. nach Frontainbleau geschickt, konnte er dort „durch seine Klugheit, Beredsamkeit und gewandtes Auftreten Vorteile für seinen Orden erwirken“ (Reindl). Auch auf dem Generalkapitel stellte er, wie sein späterer Mitbruder Franz Dionys Reithofer (1767–1819) feststellt, „mit der Tiefe eines teutschen Canonisten die Rechte des päbstlichen Stuhles und seines Ordens sicher.“

Bei der 300-Jahrfeier der Ingolstädter Universität am 12. Juli 1772 hielt Angelsbrugger das Hochamt und das Tedeum und nahm am nächsten Tag an der doppelten Promotion (Theologie und Recht) seines Mitbruders Ulrich Mayr teil. Als dessen zwei Dissertationen De nexu historiae literariae cum studio theologico und De nexu Statisticae ecclesiasticae cum Jurisprudentia ecclesiastica im folgenden Jahr von Rom aus angefochten wurden, ergriff er Partei für Mayr, der als Lektor im Kloster tätig war. Überhaupt beförderte Angelsbrugger im Sinne der Aufklärung die wissenschaftliche Bildung der Mönche, indem er Bücher und naturwissenschaftliche Sammlungen anschaffen ließ. Er ließ das Sommerrefektorium bauen und ein Gewächshaus, unterhielt die Klostergebäude in gutem Stand und brachte, wie Reithofer bemerkt, durch seine Kunst- und Prachtliebe und seine Neigung, jedermann glücklich zu machen, den Namen Kaisersheim zu Ehren. Am Mannheimer Hof lernte Abt Cölestin viele bedeutende Gelehrte und Künstler kennen, z.B. 1778 Wolfgang Amadeus Mozart, der elf Tage in Kaisheim zu Besuch blieb und Angelsbrugger in einem Brief vom 18. Dezember 1778 als „recht liebenswürdigen“ Mann charakterisierte.

Der Chronist Luitpold Reindl merkt jedoch an, „dass seine Nachsicht und Milde zu weit ging, so dass die alte Kaisheimer Klosterstrenge unter seiner Regierung sich immer mehr lockerte“. Auch „zu sparen verstand Coelestin nicht. Er lebte wie ein Fürst unter Fürsten. Seine Kunst- und Prachtliebe[1], seine fürstlichen Geschenke, die fürstlichen Besuche in seinem Kloster, seine Freigebigkeit gegen alle, auch gegen den Geringsten seiner Untertanen, verschlangen große Summen. So hinterließ er bei seinem Tode seinem Nachfolger nach dessen eigenen Aufzeichnungen eine Schuldenlast von nahezu 600 000 Gulden.“

Für das Kloster erwarb Prälat Angelsbrugger neben wissenschaftlichen Sammlungen und wertvollen Kirchengeräten auch die Hochgerichtsbarkeit in Biberberg und Wallenhausen. Mit dem Benediktinerkloster Heilig Kreuz in Donauwörth schloss er einen Vergleich über das Patronatsrecht in Buchdorf. 1779 wurde er als erster Kaisheimer Abt zum Generalvikar der oberdeutschen Zisterzienserprovinz ernannt. Als solcher hatte er das Visitationsrecht über alle Zisterzienserklöster der Provinz und führte auf den Nationalkapiteln den Vorsitz.

Kaiser Josef II ernannte Angelsbrugger 1772 zum kaiserlichen Erbrat und Erbkaplan. Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz ernannte ihn 1774 zum kurfürstlichen wirklichen geheimen Rat und berief ihn in die Kurpfälzisch-Physikalisch-Oekonomische Gesellschaft. Kurfürstin Elisabeth verlieh ihm das Kreuz des 1766 von ihr gestifteten Elisabethordens, dessen ständiger Großalmosenier der Abt von Kaisersheim war. 1778 nahm ihn die kurpfälzische Akademie der Wissenschaften in Mannheim als Ehrenmitglied auf.

Cölestin Angelsbrugger starb am 26. September 1783 im Alter von 57 Jahren, als er von einem Spaziergang zum Neuhof zurückkehrte und dabei vom Schlag getroffen wurde. Sein Nachfolger Franz Xaver Müller ließ an der Stelle ein Denkmal in Form eines kleinen Obelisken errichten, das dort heute noch steht.

gge, Okt. 2011, rev. Dez. 2017

  1. An seine Kunstliebe erinnern heute noch in der Kaisheimer Kirche ein silberner Kelch mit roten Steinen und eine prächtige Strahlenmonstranz eines Augsburger Goldschmiedes.

Daten:

Prof.: 7. Nov. 1745; Prim.: 21. Nov. 1749; Abbas: el. 26. Juni 1771.

Literatur:

Reithofer, Dionys Franz: Die letzten 31 Jahre von Kaisersheim. Ein Denkmal der Dankbarkeit, dieser ehemaligen berühmten Cistercienser-Reichs-Abtey. München 1817, S. 5–12 · Reindl, Luitpold: Geschichte des Klosters Kaisheim. Ellgau, 1913, ²1926 · Schiedermair, Werner: Reichsprälat Coelestin II. Angelsprugger (1726–1783; reg. 1771–1783), in: Kaisheim – Markt und Kloster. Lindenberg 2001, S. 263–265.

Normdaten:

GND: 133241432 · BEACON-Findbuch · CERL: cnp01116939

Zitierempfehlung: Angelsbrugger, Cölestin, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 12.12.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Angelsbrugger,_C%C3%B6lestin