Keating, Thomas

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Thomas Keating
Foto: Snowmass Abbey

Thomas Keating OCSO

Abt des Klosters Spencer 1961–1981; Mitbegründer der kontemplativen Bewegung

* 07. März 1923 New York City
† 25. Okt. 2018 Spencer, Massachusetts

Thomas Aquinas Keating, Taufname Parker, wurde 1923 in Manhattan als drittes der vier Kinder des prominenten Rechtsanwalts Cletus Keating (1891–1964) und dessen Ehefrau Elizabeth Kirlin Keating geboren. Nach dem Besuch der privaten Buckley School an der Upper East Side und dem Abschluss der exklusiven Deerfield Academy studierte er von 1940 bis 1942 Philosophie und Theologie in Yale, dann an der von Jesuiten geführten Fordham University, wo er im Dezember 1943 in einem gestrafften Studiengang ein Bakkalaureat in Theologie erwarb. Vom Kriegsdienst freigestellt, trat er im Januar 1944 als Frater Thomas Aquinas in die Zisterzienserabtei strengerer Observanz („Trappisten“) Our Lady of the Valley in Valley Falls, Rhode Island, ein, die im März 1950 abbrannte und nach Spencer, Massachusetts, verlegt wurde. Im Frühjahr 1949 legte er die feierliche Profess ab und empfing im Juni desselben Jahres die Priesterweihe.

In Spencer war er u.a. als Berufungsdirektor (1952) und Direktor der Chornovizen (1954) tätig, bis er im April 1958 zum Oberen der Tochtergründung (1956) Snowmass in Colorado ernannt wurde. Nach dem erzwungenen Rücktritt des Abtes Edmund Futterer Ende August 1961 zum Abt von Spencer gewählt, kehrte er dorthin zurück und leitete die Abtei u.a. während der schwierigen Umbruchsjahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In den 1970er-Jahren verbreitete er – angeregt durch buddhistische Meditationsformen und nach dem Vorbild christlicher Traditionen aus dem 14. Jahrhundert – mit William Meninger und Basil Pennington eine zeitgemäße christliche Meditationspraxis, das Centering Prayer (Gebet der Sammlung).

Keatings Enthusiasmus für die neue Gebets- und Meditationsform führte schließlich zu Spannungen im Konvent und zu seiner Resignation 1981. Er zog sich nach Snowmass zurück (Stabilitätswechsel 1985), wo er sich – frei von administrativen Verpflichtungen – der Vertiefung seiner persönlichen kontemplativen Berufung und dem Aufbau einer kontemplation Bewegung widmen konnte. 1982 begründete er die Snowmass Interreligious Conference und 1984 zusammen mit Gustave Reininger und Edward Bednar die Contemplative Outreach Ltd. (Vorsitzender von 1985 bis 1999), ein internationales ökumenisches geistliches Netzwerk, mit dem das Centering Prayer größere Verbreitung fand, u.a. durch die Veranstaltung von Einkehrtagen und Workshops. Keating unternahm weltweite Vortragsreisen und verfasste 28 Bücher. 2014 erschien ein Dokumentarfilm Thomas Keating: A Rising Tide of Silence. Keating war zudem Präsident der nordamerikanischen Kommission des Monastic Interreligious Dialogue und von Temple of Understanding.

Im April 2018 zog er in die Krankenabteilung der Abtei Spencer um, wo er am 25. Oktober 2018 im Alter von 95 Jahren starb. Er wurde auf dem Klosterfriedhof Spencer beigesetzt.

gge, Nov. 2018


Daten:

Prof.: sol. 1949; Sac.: Juni 1949; Abbas: el. Aug. 1961, res. 10. Sep. 1981.

Werke (Auswahl):

Das Gebet der Sammlung. Einführung und Begleitung des kontemplativen Gebetes. Münsterschwarzach: Vier Türme, 2010 · Das kontemplative Gebet. Münsterschwarzach: Vier Türme, 2012 · Kontemplation und Gottesdienst. Liturgie als spirituelle Erfahrung. Münsterschwarzach: Vier Türme.

Literatur:

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Normdaten:

GND: 119482363 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Keating, Thomas, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 9.11.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Keating,_Thomas

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