Laprade, Eugène

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Eugène Bonhomme de Laprade

Eugène Bonhomme de Laprade

auch La Prade

Gründer und Abt des Trappistenklosters Darfeld

* 1763/1764 Carcassonne
† 16. Juni 1816 Verlaine, Belgien

Eugène Bonhomme, Taufname Bertrand, war der Sohn eines wohlhabenden Fabrikanten in Carcassone. Er war bürgerlicher Abstammung; den Namenszusatz „de Laprade“, nach dem Geburtsort des Großvaters, hatte sein Vater, Pierre Bonhomme (1742–1801), hinzugefügt, um eine adelige Abstammung vorzutäuschen. Bertrands Geburtsdatum ist heute nicht mehr festzustellen. Die Entrammer Chronik gibt zwar den 24. August 1759 an, wahrscheinlicher ist aber 1763/64 (Knoll S. 99). Als junger Mann war Bertrand vermutlich Kammerpage der Königin Marie Antoinette, was seine guten Kontakte zum französischen Königshof erklärt, die er 1814 zum Wohl seines Ordens zu nutzen wusste. Zu Beginn der Französischen Revolution aus dem königlichen Dienst entlassen, trat er 1790 als einer der letzten Novizen in die Zisterzienserabtei La Trappe in der Normandie ein. Dort war schon sein Onkel Timothée Bonhomme (1753–1829) Mönch.

Nach der Aufhebung der Klöster infolge der Französischen Revolution folgte Laprade 1791 dem Novizenmeister Augustin de Lestrange nach La Valsainte in der Schweiz. Am 28. August 1793 verließ er Valsainte gemeinsam mit dem Cellerar Dom Jean-Baptiste Desnoyers und einem weiteren Mönch (Jean-Marie de Bruyne[1]) mit dem Auftrag, eine Neugründung in Kanada zu versuchen. Noch am selben Tag wurde er in Fribourg zum Subdiakon geweiht und während der Weiterreise in Brüssel zum Priester, vielleicht durch den dort im Exil weilenden Bischof Jean-Baptiste du Plessis d'Argentré (1720–1805), in dessen ehemaliger Diözese Séez das Kloster La Trappe lag. Da sich die von Lestrange noch personell verstärkte Gruppe in Antwerpen, dessen Hafen wegen des Krieges gesperrt war, nicht einschiffen konnte, gründeten die Mönche auf Wunsch des Ortsbischofs Nelis im Juni 1794 ein Kloster in Westmalle, das sie aber schon am 17. Juli auf der Flucht vor den französischen Invasionstruppen wieder aufgeben mussten. Laprade war dort Subprior.

Über Marienfeld, wo sie ein Jahr lebten, kamen die aus Westmalle geflüchteten Mönche schließlich nach Darfeld im Bistum Münster, wo sie im Oktober 1795, mit Unterstützung des Erbdrosten Adolf von Droste-Vischering (1769–1826), noch einmal ein Kloster gründen konnten (N.-D. de l'Eternité). Zu dessen Superior ernannte der inzwischen zum Abt erhobene Lestrange Eugéne de Laprade. Als einziges stabiles Kloster der Trappisten wurde Darfeld bald zum Sammelpunkt für zahlreiche, zum großen Teil aus Russland zurückgekehrte Mönche und Nonnen, außerdem Kinder und Mitglieder des dritten Ordens. Schon bald mussten weitere Häuser eingerichtet werden, u.a. in Driburg im Fürstbistum Paderborn und im nahegelegenen Zisterzienserkloster Klein-Burlo (1804). 1802 konnte auch die 1794 aufgegebene Gründung Westmalle mit Religiosen aus Darfeld wiederhergestellt werden.

Wegen Meinungsverschiedenheiten über die Stellung Darfelds im Verhältnis zur 'Kongregation' von Valsainte überwarfen sich die Darfelder Konventualen schließlich 1806 mit dem autokratischen Lestrange, nachdem dieser den in England weilenden Prior Laprade in Abwesenheit abgesetzt hatte. Am 6. Juni 1806 wählten sie einstimmig Laprade zum Abt und wurden mit päpstlicher Bestätigung selbständige Abtei (Breve In summo apostolatu v. 21. Juni 1808). Damit war die ordensrechtliche Trennung von Valsainte und Lestrange vollzogen. Am 16. Juli 1808 wurde Laprade von Weihbischof Kaspar Max von Droste-Vischering in Klein-Burlo zum Abt geweiht. Verbunden mit der Trennung war auch die Abkehr Darfelds und der mit ihm verbundenen Klöster von dem strengen Reglement von Valsainte und die Rückkehr zu den milderen Konstitutionen des Abtes Rancé.

Als Napoleon 1811 in seinem Herrschaftsbereich, wozu auch das Königreich Westfalen gehörte, die Auflösung sämtlicher Trappistenklöster anordnete, tauchte Laprade unter. Inkognito reiste er durch Deutschland, Belgien und Frankreich. Im Sommer 1813 traf er in Fontainebleau mit Papst Pius VII. zusammen. Nach Napoleons Sturz 1814 rief er mit seiner Exhortation aux Religieux et Religieuses de la Réforme de La Trappe en Westphalie, die als sein geistiges Testament gelten kann, die Darfelder Religiosen wieder zusammen und erwirkte am 20. August 1814 gemeinsam mit dem ebenfalls aus dem Verborgenen wieder aufgetauchten Bernard de Girmont in einer Audienz bei König Ludwig XVIII. die Genehmigung zur Rückkehr der Darfelder Trappisten nach Frankreich. Im September 1814 konnte er nach langen Verhandlungen die Reste der ehemaligen Abtei La Trappe zurückkaufen, überließ sie aber auf dessen Verlangen Augustin de Lestrange und gründete Anfang Februar 1815 mit einem Teil des Darfelder Konvents das Kloster Port-du-Salut bei Laval.

Den Umzug der Darfelder Nonnen nach St. Catherine in Laval bereitete er noch vor, starb aber kurz danach, am 16. Juni 1816 auf Schloss Borsut in Verlaine, Belgien, wo die Schwestern nach der Klosteraufhebung 1811 ein vorläufiges Unterkommen gefunden hatten. Am folgenden Tag wurde er in der Pfarrkirche von Verlaine beigesetzt. Nach seinem Tod wurde von Darfelder Religiosen das Kloster Le Gard wiederbesiedelt, das 1845 nach Sept-Fons verlegt wurde. Dorthin wurden Laprades Gebeine 1867 überführt. Die Abtei Sept-Fons bewahrt einen Abtstab, der Laprade aus Anlass seiner Abtweihe von der Familie Droste-Vischering geschenkt worden sein soll.

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  1. Jean-Marie de Bruyne, * Ouwegem (Oudenaarde) 1747; Oblate in Valsainte; 1794 Mitgründer von Westmalle; 1800 Profess in Lulworth, † Melleray 5. Jan. 1819 als frère Leopold.

Literatur:

Martelet, Bernard: Dom Eugène de Laprade. In: COCR 1948, S. 199–209 · Eberl, Immo: Die Zisterzienser Geschichte eines europäischen Ordens. Stuttgart : Jan Thorbecke, 2002, S. 483f. · Knoll, Wilhelm: 30 Jahre Trappistenniederlassung in Darfeld, Aachen 2012, passim · Stintzi, Paul: Oelenberg. 900 Jahre Geschichte der Abtei (1046–1954), (Alsatica Monastica 4), Westmalle 1962, passim.

Zitierempfehlung: Laprade, Eugène, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 16.1.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Laprade,_Eug%C3%A8ne