Pittreich, Marian

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Marian Pittreich
Exlibris des Abtes Marian Pittreich

Marian Pittreich

43. Abt des Zisterzienserstiftes Rein 1745–1771

~ 04. April 1708 Marburg a. d. Drau [Maribor]
† 23. Feb. 1771 Ragnitz, Steiermark

Marian Pittreich, Taufname Franz Ferdinand, stammte aus einer wahrscheinlich um die Mitte des 17. Jahrhunderts aus Graz nach Marburg/Maribor eingewanderten Kaufmanns- und Ratsbürgerfamilie. Er war ein Sohn des Handelsmanns und Ratsherrn Johann Michael Pittreich († 1716) und seiner Ehefrau Maria Katharina, geborene Tiernberger († 1739) und wurde am 4. April 1708 in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer getauft. Da seine Familie wohlhabend war, konnte er die renommierte Pfarrschule[1] in Maria Rast/Ruše bei Maribor besuchen (1716–1718) und an der Jesuitenuniversität in Graz studieren, wo er zum Magister der Philosophie und Bakkalaureus der Theologie promoviert wurde. 1723 trat er in das Zisterzienserstift Rein ein, legte am 19. November 1724 die Profess ab und wurde am 12. April 1731 in der bischöflichen Hauskapelle in Seckau von Bischof Leopold Graf Firmian zum Priester geweiht.

Nach der Priesterweihe war er ein Jahr Novizenmeister, dann drei Jahre Spiritual und Festtagsprediger. Von 1740 bis 1742 war er Verwalter des Reinerhofs in Graz und leitete dann Pfarrvikar in Semriach/St. Ägidius, bis er 1744 er als Prior in das Kloster zurückgerufen wurde. Am 10. Mai 1745 wurde er zum Abt gewählt[2] und am 7. Juni von Generalvikar Chrysostomus Wieser in Lilienfeld infuliert – die Stiftskirche in Rein war noch im Bau.

Auf den neugewählten Abt – der Hauschronist des Klosters bezeichnet ihn als „Meister der Regierungskunst“ – wartete viel Arbeit. Die von seinem Vorgänger Placidus Mally begonnene Barockisierung des Klosters war noch im Gange. Abt Marian widmete seine Energie daher vor allem der Fertigstellung und der spätbarocken Innenaustattung der neuerbauten Stiftskirche, die er nur zwei Jahre nach seinem Amtsantritt, am 5. November 1747, mit besonderer Vollmacht Papst Benedikts XIV. selbst konsekrierte. 1766 wurde sie von dem bekannten Maler Joseph Adam Mölk mit Freskogemälden ausgeschmückt.

Der Abt förderte das 1745 eröffnete philosophische und theologische Hausstudium, das auch die Kleriker anderer Klöster besuchten (Sittich, Viktring, Schlierbach), u.a. von 1751 bis 1752 der spätere Abt von Sittich, Franz Xaver von Taufferer, der bei den Jesuiten in Graz die philosophischen Studien absolvierte, bevor er zum Theologiestudium nach Rom ging. Der Archivar und Chronist Alanus Lehr sammelte alle Manuskripte, Diplome und Urkunden des Klosters und verfasste (bis zu seinem Tod 1775) das Collectaneum Runense in fünf Foliobänden. 1745 wurden alle Klosterzellen mit Öfen ausgestattet. Den Bestand der 1753 in den neuerbauten Nordtrakt verlegten Bibliothek vermehrte Abt Marian 1759 durch Kauf eines großen Teils (rund 1300 Bände) der Grazer Hofbibliothek des Erzherzogs (1619 Kaisers) Ferdinand II.

Nach dem Tod des Abtes Robert Leeb von Heiligenkreuz 1755 zum Generalvikar für Österreich und die Steiermark gewählt, wirkte Pittreich weit in das Vikariat hinein, zu dem auch Klöster in Krain (Sittich) und Kärnten (Viktring) gehörten. Als Ratgeber und Visitator unternahm er mehrere Reisen dorthin und und besetzte fünf (alii sechs) erledigte Abtstühle neu.[3] Von den besonderen Beziehungen zu den Äbten von Sittich und Landstraß (Mariabrunn) zeugen deren Porträts in der Reiner Stiftsbibliothek und die rege Korrespondenz, die im Stiftsarchiv Rein erhalten ist.

Von 1751 bis 1771 war Marian Pittreich auch Verordneter der steirischen Landstände. Noch in seinem Todesjahr wurde er von Kaiserin Maria Theresia zum Erblandhofkaplan ernannt. Er starb am 23. Februar 1771, 65 Jahre alt, auf dem Stiftsgut Rohr bei Wildon. Sein Leichnam wurde nach Rein gebracht und in der Gruft unter dem Chor der Stiftskirche bestattet.

Ihm folgte Gerhard Schobinger auf den Abtstuhl.

gge, April 2018

  1. Auch Abt Candidus Schillinger (reg. 1673–1684) von Rein war hier Schüler gewesen.
  2. Nach Mlinarič, S. 249, führte den Wahlvorsitz Abt „Benedikt Hell vom Stift Neuberg in der Steiermark“. Benedikt Hell war aber Abt des Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt, einer Tochter von Rein. Abt von Neuberg, einer Tochter von Heiligenkreuz, war 1745 Edmund Spormayr.
  3. U.a. 1760 Leopold Buseth in Landstraß, 1764 Franz Xaver von Taufferer in Sittich und Bernhard Winterl in Viktring.

Daten:

Prof.: 19. Nov. 1724; Sac.: 12. April 1731; Abbas: el. 10. Mai 1745, ben. 7. Juni 1745.

Literatur:

Martin Wild: Die Äbte von Rein. In: 850 Jahre Stift Rein. (Rein 1979), 58 · Beiträge zur Geschichte der Cistercienser-Stifte. Wien : A. Hölder, 1891, S. 17 · Mlinarič, Jože: Mariborčan Marijan Pittreich, opat cistercijanskega samostana Rein pri Gradcu (1745–1771), in: Studia Historica Slovenica 3 (2003), Nr. 2-3, S. 243–263.

Zitierempfehlung: Pittreich, Marian, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 11.4.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Pittreich,_Marian