Silberysen, Christoph

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Blatt aus dem Chronicon Helvetiae des Christoph Silberysen, 1576

Christoph Silberysen

auch Silbereisen, Silberisen

Abt des Klosters Wettingen 1563–1594; Chronist und Buchillustrator

* 1542 Baden AG
† 21. Juli 1608 Wettingen

Über Familie und Herkunft des 1542 in Baden im Aargau geborenen Abtes Christoph Silberysen fehlen Nachrichten. Der Name des Vaters ist unbekannt, die Mutter, Dorothea Steinbuch, starb am 6. März 1588 als Christoph Silberysen schon 25 Jahre an der Regierung und fünf Jahre Konventsenior war.

Wohl um 1588 in das Zisterzienserkloster Wettingen eingetreten, legte Silberysen 1560 die Profess ab, wurde im März 1561 in Konstanz zum Subdiakon, im September d.J. zum Diakon und am 27. März 1563, kaum 21 Jahre alt, zum Priester geweiht (Willi). Als nach dem Tod des Abtes Peter Eichhorn († 15. Juni 1563) die eidgenössischen Schirmorte dem Kloster Wettingen die 1550 versprochene Wahlfreiheit gewährten, wurde Silberysen am 29. Juni 1563, als jüngstes Konventmitglied und nur drei Monate nach seiner Priesterweihe, zum Abt gewählt. Den Vorsitz bei der Wahl führte der Fürstabt Joachim Eichhorn OSB von Einsiedeln. Von wem dieser die Legitimation dazu erhalten hatte, wird nicht berichtet. Einziger anwesender Zisterzienserabt war Jakob Kündig von St. Urban als Assistent. Auch Vertreter der katholischen Kantone waren anwesend, ob auch bei der Wahlhandlung selbst, die, wie Dominikus Willi berichtet, nach dem Zisterzienserritus vor sich ging,ist aus der sehr gut erhaltenen Wahlurkunde nicht zu entnehmen.

Da zu dieser Zeit das Filiationsverhältnis zwischen der Mutterabtei Salem und Wettingen unterbrochen war, sah der Konvent die päpstliche Bestätigung, die am 3. April 1564 eintraf, als ausreichend an (Kottmann). Am Weißen Sonntag, den 9. April 1564, wurde Abt Christoph zugleich mit dem Abt Jakob Kündig von St. Urban in der Wettinger Klosterkirche vom Konstanzer Weihbischof Jakob Eliner, Titularbischof von Askalon, von dem er auch die übrigen Weihen empfangen hatte, benediziert. Assistenten waren dabei die Benediktineräbte Joachim Eichhorn von Einsiedeln und Johann Christoph vom Grüth von Muri. Die lange Zeit zwischen der Wahl und der Benediktion lässt darauf schließen, dass die unter teilweiser Umgehung der Ordensvorschriften vollzogene Wahl eines so jungen Mannes in Cîteaux oder in Rom auf Hindernisse gestoßen ist (Willi).

Die ungewohnlich frühzeitige Priesterweihe und Abtwahl lassen auf besondere Begabungen des jungen Konventualen schließen und zeigen, dass der Konvent große Hoffnungen auf ihn setzte, die sich jedoch nicht in jeder Hinsicht erfüllten. Wie seine berühmte Schweizerchronik und andere Schriften sowie seine vortrefflichen Zeichnungen beweisen, war Silberysen ein Gelehrter und Künstler, hatte aber in Finanz- und Wirtschaftsangelegenheiten keine glückliche Hand. Nachdem die Schirmorte in den ersten Jahren mit seiner Verwaltung noch zufrieden gewesen waren und dem Abt die Rechnungslegung erlassen hatten, gab dieser wohl Ende der 1560er-Jahre die Verwaltung einem Kanzler ab und kümmerte sich nur noch um seine historischen und künstlerischen Arbeiten. Inzwischen wuchs die Schuldenlast des Klosters zu einer erschreckenden Höhe an. Die Schirmorte entzogen ihm daraufhin 1580 „der übeln hußhaltung halben“ die Rechnungsführung und übergaben sie dem Großkellner Georg Stoll. Von 1584 bis 1593 erhielt der Abt die Finanzhoheit zurück, musste den Orten aber jährlich Rechenschaft ablegen. Trotzdem spitzte sich die Lage gegen Ende 1593 soweit zu, dass die Kantone dem Abt Christoph mit Einwilligung des Abtes von Cîteaux, Edmond de la Croix, am 7. September 1593 den jungen und reformwilligen P. Peter Schmid (seinen späteren Nachfolger) als Statthalter mit allen Vollmachten an die Seite stellten (Kottmann, Willi).

Ihren Abschluss fand die Angelegenheit mit der Resignation, durch die Abt Christoph seiner Absetzung zuvorkam. Am 10. Februar 1594 verzichtete er in die Hände des nach Wettingen gereisten Generalabtes Edmund de la Croix, auf sein Amt und zog sich in das 1548 gebaute sog. Weiberhaus neben dem äußeren Klostertor zurück. Dort widmete er sich, zunehmend vereinsamt, bis zu seinem Tod am 21. Juli 1608 historischen Arbeiten, die er schon als Abt mit Vorliebe gepflegt hatte. Begraben wurde er in der damaligen St. Nikolaus-Kapelle, jetzt Sakristei, wo sein Grabstein noch zu sehen ist (Willi).


Als Abt stiftete Silberysen Glasgemälde, sammelte Standesscheiben der eidgenössischen Orte und Silberwaren. In den 14 Jahren von seinem Rücktritt 1594 bis zu seinem Tod 1608 widmete er sich historischen Arbeiten, die er schon als Abt mit Vorliebe gepflegt hatte. Von 1569 schuf er u.a. ein Wappenbuch nach Aegidius Tschudi und schrieb eine mit Bildern geschmückte Reimchronik über den 2. Kappelerkrieg. Sein reich bebildertes dreibändiges Chronicon Helvetiae ist eine Kompilation früherer Chroniken. Der 1. Teil von 1576 beruht auf der Schweizerchronik von Heinrich Brennwald, während für den 2. und 3. Teil von 1572 hauptsächlich die Chronik von Werner Schodoler als Vorlage diente (Kottmann). Ihr hauptsächlicher Wert besteht in den beigefügten zahlreichen Federzeichnungen (u.a. von Jacob Hoffmann), die bes. die zweite Chronik von 1576 zu der am reichsten illustrierten Schweizerchronik machen, die bis heute erhalten ist (Aargauer Kantonsbibliothek in Aarau). Einen Teil dieser Chronik arbeitete Silberysen im Herbst 1594 nach seinem Rücktritt in einer besonderen Schrift Von dem ursprung und alten geschichten der statt Zürich noch weiter aus.

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Daten:

Prof.: 1560; Sac.: 27. März 1563; Abbas: el. 29. Juni 1563, res. 10. Feb. 1594.

Werke:

Digitalisate des Chronicon Helvetiae bei e-codices, Teil I, Teil II, Teil III.

Literatur:

ADB 34 (1892), S. 318–319 (Hans Herzog) · HS III/3, 466–468 (Anton Kottmann)· Herzog, Hans; Rahn, Johann Rudolf: Christoph Silberysen, Abt von Wettingen, und eine rheinische Bilderfolge des XV. Jahrhunderts in Zürich, in: Turicensia. Beiträge zur zürcherischen Geschichte (1891) S. 52–70 · Kottmann, Anton; Hämmerle, Markus: Die Zisterzienserabtei Wettingen. Baden, 1996, 132–145 · Willi, Dominikus: Zur Geschichte des Klosters Wettingen-Mehrerau: Wahl, Benediction und Tod der Äbte. CistC 14 (1902), S. 106–108.

Normdaten:

GND: 138453489 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Silberysen, Christoph, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 25.3.2014, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Silberysen,_Christoph