White, Stanislaus

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Stanislaus White

Stanislaus White OCSO/OCist

ital. Stanislao Vhite

Generalprokurator der Observanz von La Trappe 1881–1892; Konventualprior (1893–1901) und Abt (1901–1910) von Valvisciolo, Apostolischer Administrator von Casamari 1910–1911

* 12. Juli 1838 Londonderry, Irland
03. Jan. 1911 Casamari

Stanislaus White, Taufname James, stammte aus einer wohlhabenden katholischen Familie der irischen Grafschaft Ulster. Er wurde 1838 in Londonderry als Sohn des Baronets Sir Thomas White geboren und auf den Namen James getauft. Als einer der wenigen katholischen Schüler besuchte er eine standesgemäße, aber protestantische Schule. Nachdem sein Vater bei einem Jagdunfall ums Leben gekommen war, verzichtete er zugunsten seiner Geschwister auf sein Erbteil und trat am 17. Oktober 1860 in die Trappistenabtei Mount Melleray ein. Am 1. November 1860 wurde er als Novize eingekleidet und legte am 25. Dezember 1861 die (einfache) Profess ab (feierliche Gelübde wurden vom hl. Stuhl erst 1868 wieder erlaubt). Am 26. Mai 1866 weihte ihn der irischstämmige Bischof John Hennessy von Dubuque zum Priester.

Im folgenden Jahr, 1867, ging White als Sekretär des Generalprokurators François-Régis de Martrin-Donos nach Rom, wo er in dieser Funktion an wichtigen Entwicklungen des Zisterzienserordens der strengeren Observanz beteiligt war und sie mit vorbereitete, wie z.B. die Wiedereinführung der 1837 aufgegebenen feierlichen Gelübde im April 1868 und die Übernahme der Abtei Tre Fontane im selben Jahr, der er vom 13. Januar 1886 bis 25. Juni 1886 auch als Oberer vorstand. Bei diesen Gelegenheiten erwarb er sich die Gunst Papst Pius IX. der ihm ein wertvolles Reliquiar mit einem Kreuzsplitter schenkte. Nach dem krankheitsbedingten Rückzug Martrin-Donos’ 1879 übernahm White zunächst kommissarisch dessen Tätigkeit und wurde 1881 selbst zum Generalprokurator gewählt. In diesem Amt blieb er bis zum Unionskapitel 1892. Viermal wurde er in dieser Zeit auf Abtstühle berufen (Roscrea, Cîteaux, New Melleray, Mount Melleray), lehnte aber jedesmal ab.

Nach seiner Entpflichtung als Generalprokurator kehrte White nicht nach Mount Melleray zurück, sondern trat zur Abtei Casamari über, die der Union nicht beigetreten war. Am 20. November 1892 übertrug er seine Stabilität dorthin und ging als Superior (Ernennung 15. Nov. 1893) nach Valvisciolo in Sermoneta (Latium). Dort wurde er am 8. Februar 1894 auf ausdrücklichen Wunsch des Abtes von Casamari, Gabriele Perniccia, als Konventualprior eingesetzt.

Valvisciolo, eine altes, in napoleonischer Zeit aufgehobenes Fulienserpriorat, hatte der letzte Kommendatarabt 1864 Papst Pius IX. geschenkt. Dieser hatte es den Zisterziensern von Casamari übergeben, mit deren damaligem Abt Michelangelo Gallucci er am Priesterseminar studiert hatte. Er übernahm auch die Kosten für die Wiederherstellung der Gebäude und schenkte wertvolle Gemälde (Caravaggio). Nach der Eroberung Roms durch die Truppen des Königs Viktor Emanuele II. und der Annexion des Kirchenstaats war Valvisciolo, wie auch alle anderen italienischen Klöster, 1873 verstaatlicht worden. Erst im Juli 1888 hatte Prior Bartolomeo M. Daini den Klosterkomplex von der Gemeinde Sermoneta zurückerwerben können.

Der neue Prior machte sich mit Unterstützung seines Konvents, seines Sekretärs Stefano Volpe und des römischen Architekten Giuseppe Quaroni sofort an die Restauration der jahrzehntelang vernachlässigten und teilweise verfallenen Gebäude, beginnend mit dem Kreuzgang, dem die anderen Gebäude, die Kirche und die Außenanlagen bald folgten. Durch ein motu proprio Papst Leos XIII. vom 19. Mai 1901 zum Abt von Valvisciolo erhoben, wurde White am 24. Juni 1901 in der Abteikirche von Casamari von Bischof Paolo Fioravanti von Veroli benediziert[1]. Drei Tage später hielt er seinen feierlichen Einzug in Valvisciolo.

White blieb in Valvisciolo bis er 1910 als Apostolischer Administrator nach Casamari berufen wurde, dessen Abt Gabriele Paniccia aus Altersgründen sein Amt, unter Beibehaltung des Titels, niedergelegt hatte. Das Ernennungsdekret Papst Pius’ X. trägt das Datum 31. Mai 1910. Am 7. Juni 1910 übernahm White in Casamari die Amtsgeschäfte, starb aber schon ein halbes Jahr später, am 3. Januar 1911, an einem schweren Malariaanfall. Er wurde auf dem Friedhof der Abtei Casamari begraben.

gge, März 2014

  1. Es assistierten der Generalprokurator Benoît Chambon, Titularabt von Cherlieu, Abt Albéric Baranger von Fontgombault und Abt Gabriele Paniccia von Casamari.

Daten:

Vest.: 1. Nov. 1860; Prof.: 25. Dez. 1861; Sac.: 26. Mai 1866; Abbas: ben. 24. Juni 1901.

Literatur:

Hermans, Vincent: Notes historiques sur le Procureur Général des l’Orde de Cîteaux. ACi 24 (1968), S. 143–152, zu White: S. 149–150 · Raymondi, Michelangelo: La Badia di Valvisciolo : notizie e ricerche. Velletri : Stab. Tip. Pio Stracca, 1905, zu White S. 187ff. · Raymondi, Michelangelo: D. Stanislao White - abate di Valvisciolo. Velletri : Stab. Tip. Pio Stracca, 1913 · Schneider, Bruno: Der Versuch der Trappisten, Santa Croce in Gerusalemme in Rom als Kloster des Generalabtes zu erwerben (1894–1898). Geschichte und Dokumente. ACi 40 (1984) 107–149, zu White S. 109, FN 7.

Weitere Literatur:

Bernardo Ma. Rossi: In memoria del rev.mo D. Stanislao White: abate di Valvisciolo, Amminstratore Apostolico di Casamari : nei solenni funerali del 3 Febbraio 1911 in S. Domenico presso Sora. Tipografia C. Camastro, 1911.

Zitierempfehlung: White, Stanislaus, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 4.5.2018, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/White,_Stanislaus