Wolff-Lüdinghausen, Alexander

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

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Alexander von Lüdinghausen genannt Wolff

Abt des Klosters Pelplin 1673/74–1678, ernannter Bischof von Livland

* ? Alt-Jahn, Westpreußen [Stara Jania, Polen)
† 17. Dez. 1678 Valenciennes, Frankreich

Alexander Ludwig von Lüdinghausen genannt Wolff stammte aus einem freiherrlichen Geschlecht, das ursprünglich aus Lüdinghausen bei Münster stammte und seit der Mitte des 13. Jahrhunderts den Beinamen Wolf(f) führt. Ein Zweig der Familie war Mitte des 16. Jahrhunderts nach Kur- und Livland und von dort nach Litauen und Polen gekommen (Pierer). In Westpreußen hatte sich Johann Wolff um 1640 auf dem Gut Alt-Jahn (poln. Stara Jania) im späteren Kreis Marienwerder (Kwidzyn) niedergelassen, wo auch sein Sohn Alexander geboren wurde (Frydrychowicz S. 107).[1]

Alexander Wolff trat wie sein Vater in den Staatsdienst und wurde Starost mehrerer Domänen. Erst nach dem Tod seiner Frau wandte er sich dem geistlichen Stand zu und wurde schließlich Mitglied eines Warschauer Kollegiatstiftes, obwohl er nur die niederen Weihen empfangen hatte. Am 28. März 1673 ernannte ihn König Michael Wiśniowiecki zum Abt des Zisterzienserklosters Pelplin. Der dortige Konvent postulierte ihn am 18. April 1673 unter der Bedingung, dass er in den Orden eintrete und die Gelübde ablege. Diese Vorgehensweise bei der Bestellung von Kommendataräbten in Polen entsprach den Bedingungen, unter denen die Päpste in die Ernennung solcher Äbte notgedrungen eingewilligt hatten (Willi). Am 23. April begann er sein Noviziat und erhielt vom Ordenskommissar die Verwaltung des Klosters übertragen. Noch im selben Jahr empfing er in Warschau die Priesterweihe und feierte dort in Gegenwart des Königspaars seine Primiz. Am 1. April 1674 legte er die Ordensgelübde ab, wurde am 2. April unter dem Vorsitz des Kommissars der polnischen Ordensprovinz, Jan Zapolski, und des Weihbischofs von Leslau [Włocławek], Stanisław Święcicki, einstimmig zum Abt gewählt[2] und am 3. April benediziert. Am 10. Mai 1674 bestätigte Abt Jean Petit von Cîteaux als Ordensgeneral die Wahl.

Als Abt ließ Wolff die Klosterkirche mit drei neuen Altären und einer neuen Orgel ausstatten. König Jan Sobieski, den der Abt mehrfach auf dessen Reisen begleitete und der Wolff zum königlichen Sekretär ernannte, besuchte 1677 das Kloster und erwirkte bei Papst Innozenz XI. Wolffs Ernennung zum Bischof von Livland. Aber wegen der ungünstigen Zeitverhältnisse konnte Abt Wolff von seinem Bistum nicht Besitz ergreifen und starb am 17. Dezember 1678 auf einer Reise nach Frankreich in Valenciennes.

Die Nachricht von seinem Tod erreichte den Konvent erst am 28. Januar 1679 und erst am 17. Juni brachte sein Kammerdiener, der ihn auf der Reise begleitet hatte, das Herz des Verstorbenen in einer zinnernen Pyxis nach Pelplin, wo es in dem neuen Grabgewölbe der Kirche feierlich beigesetzt wurde.

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  1. Wenn das stimmt, wäre Alexander Wolff bei seiner Abtwahl erst 33 und bei seinem Tod 38 Jahre oder jünger gewesen. Das ist zwar nicht unmöglich, angesichts seiner Vorkarriere als Starost, Ehemann und Stiftsherr aber eher unwahrscheinlich. Die Allgemeine Deutsche Biographie nennt ihn unter dem Eintrag „Lüdinghausen genannt Wolff, Friedrich“ als Bruder des Stadtstarosten von Dünaburg und Generalstarosten (oberster Richter) von Livland, Georg Wolff († 1647) und Sohn des Stadtstarosten von Dünaburg Georg Wolff († 1638). Dort wird auch ein Bruder Johann, polnischer Generalleutant, aufgeführt. Möglicherweise war dieser der von Frydrychowicz genannte Gutsherr auf Alt-Jahn.
  2. Auf der Kandidatenliste hatten noch drei weitere Kandidaten gestanden: Alexander Włostowski, Prior des Klosters Ląd, Ludwig Łos, Konventuale des Klosters Oliva (und 1679 Nachfolger Wolffs), und Władysław Sokolowski, Regens des Posener Priesterseminars.

Daten:

Sac.: 1673, Prof.: 1. April 1674; Abbas: el. 2. April 1674, ben. 3. April 1674.

Literatur:

Pierer's Universal-Lexikon, 4. Auflage, Band 19. Altenburg 1865, S. 328 (sub verbo Wolff) [1] · Frydrychowicz, Romuald: Geschichte der Cistercienserabtei Pelplin und ihre Bau- und Kunstdenkmäler, Düsseldorf 1905, S. 107–108 · Köhler, Joachim: "Lüdinghausen genannt Wolff, Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 457—459 [2] · Willi, Dominikus: Päpste, Kardinale und Bischöfe aus dem Cistercienserorden, Bregenz 1912, S. 28.

Normdaten:

GND: 137982720 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Wolff-Lüdinghausen, Alexander, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 7.8.2015, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Wolff-L%C3%BCdinghausen,_Alexander