Christophe, Jean-Christophe

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Christophe Christophe

Jean-Christophe Christophe OCSO

Zisterzienser der Abtei Sainte-Marie du Désert, Vizepostulator

* 10. Mai 1931 Sars-Poteries, Dép. Nord
† 23. Juni 2008 Bellegarde-Sainte-Marie, Haute-Garonne (?)

Jean [l'Evangéliste] Christophe wurde 1931 in Sars-Poteries in Nordfrankreich als mittlerer von drei Söhnen geboren. Seinen Vater Victor Christophe, einen Kohlenhändler, verlor er im Alter von vier Jahren, seine Mutter Marie-Thérèse Christophe († 1983) übernahm das Geschäft neben der Erziehung der Kinder. Alle drei Söhne wurden Priester; der ältere, André (* 1930), bei der Missions Étrangères de Paris in Singapur, der jüngere, Paul (* 1932), wurde Professor für Kirchengeschichte an der Katholischen Universität Lille.

Jean Christophe studierte nach seinem Militärdienst in Algerien Literatur und Theologie und wurde 1957 zum Priester der Diözese Cambrai geweiht. Danach unterrichtete er Literatur am Knabenseminar, später Lyceum, in Solesmes. Als immer mehr Lehrtätigkeit an weltliche Lehrer übertragen wurde, übernahm er die Aufgabe des Schulseelsorgers und daneben verschiedene Aufgaben in der Pfarrseelsorge, u.a. in den Sommerferien bei den Schwestern der katholischen Kreißsäle (Petites Sœurs des Maternités Catholiques). Nach dem Tod seiner Mutter an Karfreitag 1983 und einer Wallfahrt ins Hl. Land bat er seinen Bischof um die Erlaubnis, den Schuldienst verlassen und in ein Zisterzienserkloster der strengeren Observanz eintreten zu dürfen. Bischof Delaporte schickte ihn nach Mont-des-Cats (Abt André Louf).

Am 14. September 1984 begann er als Frère Jean-Christophe sein Noviziat. Als Ende 1985 der Abt von Sainte-Marie du Désert, Dom Alexandre Decabooter, sein ursprüngliches Professkloster besuchte und nach personeller Verstärkung für seinen kleinen Konvent und einen Nachfolger für sich suchte, folgte Frère Jean-Christophe, nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Cîteaux, seinem Novizenmeister Jean-Marie Couvreur, der am 8. März 1986 kommissarischer Oberer (Superior ad nutum) in Désert geworden war (Abt 1987–2013).

Am 14. August 1986 in Désert angekommen, legte er nach einem erneuten Noviziat 1987 die einfache und 1990 die feierliche Profess ab. Er arbeitete in der Klosterschneiderei (Vestiarium), war Organist und von 1994 bis 2000 Novizenmeister. Nachdem schon in Mont-des-Cats seine Kenntnisse als ehemaliger Lateinlehrer zur Übertragung der ursprünglichen Texte von Cîteaux genutzt worden waren, erhielt er auch in Désert den Auftrag, den Tractatus De amore Dei (PL 184, 366–408) für eine französische Ausgabe der Werke Bernhards von Clairvaux zu übersetzen (Sources Chrétiennes). Daneben war er sehr aktiv in der Menschenrechtsorganisation Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter (Action des Chrétiens pour l’Abolition de la Torture, ACAT).

Seine bedeutendste Aufgabe aber war die des Vizepostulators im Seligsprechungsverfahren des 1903 im Kloster Désert verstorbenen Marie-Joseph Cassant, das nach der Zuerkennung des heroischen Tugendgrades 1984 ins Stocken geraten war. Mit großem Engagement widmete sich Fr. Jean-Christophe der Recherche und Bewertung von Zeichen und Wundern, die auf Cassants Fürsprache hin geschehen sein sollen. Eines davon, die Heilung des jungen Jean Delibes 1936 wurde schließlich anerkannt und führte zur Seligsprechung auf dem Petersplatz in Rom (3. Okt. 2004), bei welcher Gelegenheit fr. Jean-Christophe Papst Johannes Paul II. eine Reliquie des neuen Seligen überreichte. Zusammen mit seinen Mitbrüdern Robert Balayé und Pierre-André Burton veröffentlichte er die Korrespondenz Cassants und kurz vor seinem Tod, schon von seiner Krankheit gezeichnet, die Lebensbeschreibung Demeurer dans le cœur de Jésus . Eine Broschüre mit Gebeten blieb unvollendet; sie erschien 2010 postum.

Nachdem er sich im Januar 2007 einer größeren Operation hatte unterziehen müssen, erlag Fr. Jean-Christophe Christophe am 23. Juni 2008 einem Krebsleiden und wurde zwei Tage danach auf dem Klosterfriedhof begraben.

gge


Daten:

Sac.: 1957; Prof.: 1987, 1990.

Werke:

L'Instinct du bonheur: Frère Marie-Joseph Cassant, Moine Trappiste 1894–1903. Mesnil-Saint-Loup: Éditions du Livre Ouvert, 2001 · Frère Marie-Joseph Cassant, hier et aujourd'hui. Collectanea Cisterciensia 66 (2004) 66–72 · (mit Guerric Espiau) Frère Marie-Joseph Cassant (1878–1903. Liens Cisterciens 6 (2004), S. 14–18. · Demeurer dans le cœur de Jésus - Vie du Bx Marie-Joseph Cassant. Flavigny-sur-Ozerain: Traditions Monastiques, 2008 (Vorwort von Jean-Marie Couvreur) · Cœur à cœur avec Jésus, Prier avec le Bienheureux Marie-Joseph Cassant. Éditions Dfr, 2010 (61 Seiten).

Q:

Nachruf der Abtei

Zitierempfehlung: Christophe, Jean-Christophe, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 10.2.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Christophe,_Jean-Christophe