Driesch, Stephan

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Stephan Driesch

Stephan Driesch

Cellerar der Abtei Marienstatt 1775–1802

* 24. April 1740 Koblenz
03. Mai 1803 Koblenz

Stephan Driesch war ein Sohn des Koblenzer Goldschmieds Moritz Driesch (1701–1772) und seiner Ehefrau Veronika geb. Queng (1711–1786). Sein Bruder Matthias Joseph Driesch (1749–1821) war Kanoniker und Dechant des Stiftes St. Kastor in Koblenz, seine Schwester Maria Josepha Driesch (1734–1777) Äbtissin des Klosters St. Katharinen bei Linz. Ein weiterer Verwandter war Leonhard Stephan Driesch (1713–1770), ebenfalls Dechant des Kastorstifts.

Driesch besuchte das Jesuitenkolleg in Koblenz und trat 1761 in die Zisterzienserabtei Marienstatt ein. 1762 legte er die Profess ab. 1762 Subdiakon und 1763 Diakon, wurde er am 21. September 1766 zum Priester geweiht und 1768 für sieben Jahre als Hilfsseelsorger approbiert (1775 und 1781 für jeweils drei Jahre verlängert). Am 28. März 1773 wurde er zum Speichermeister (Granarius) bestellt, a, 9. April 1775 zum Gästepater (Provisor extraneus) und war vom 4. Oktober 1775 bis zur Auflösung der Abtei 1802 Kellner (Cellerar). Am 14. Juli 1770 unterzeichnete er das Bestätigungsschreiben der Resignation des Abtes Bernhard Colonia und nahm am 24. August an der Wahl des Nachfolgers Edmund Leser teil. Auch bei dessen Resignation am 6. September 1784 war er Zeuge.

Als Cellerar verwaltete Driesch erfolgreich die verstreuten Wirtschaftshöfe der Abtei, soweit dieses unter den Bedingungen des ersten Koalitionskrieges (Plünderung der Abtei 1795) möglich war. Als rechte Hand der Äbte Edmund Leser und Joseph Frosch beriet er diese in allen administrativen und rechtlichen Belangen und begleitete sie auf Reisen. Mehrfach musste er während der französischen Besetzung die Abtei verlassen.

Von 1773 bis 1798 führte Driesch eine Art Tagebuch, in dem er seine amtlichen Tätigkeiten, Reisen, Korrespondenzen und allgemeine die Abtei betreffende Angelegenheiten festhielt (Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Abt. 74 Nr.1436). Diese Notizen sind heute eine wertvolle Quelle für die Geschichte der Abtei Marienstatt und die Ereignisse des ersten Koalitionskriegs im rechtsrheinischen Raum.

Nach der Auflösung der Abtei 1802 verließ er Marienstatt und ließ sich in Arienheller nieder. Bei der nassauischen Regierung beschwerte er sich gegen die Höhe seiner Pension, die daraufhin aufgestockt wurde. Als Grund für seine Klage führte er an dass er wegen seiner verantwortungsvollen Tätigkeit der eigentliche Abt des Klosters gewesen und nur wegen seiner selbstkritisch eingestandenen Strenge, Unverträglichkeit und Herrschsucht bei den Wahlen übergangen worden sei. Hans-Joachim Cristea (s.u. Literatur) sieht darin „exemplarisch die Befindlichkeit eines seiner Existenzgrundlage beraubten Ordensgeistlichen in nachrevolutionärer Zeit, der sich um seine Lebensleistung betrogen sieht.“

Die letzten Wochen seines Lebens verbrachte er im Haus seines Bruders Matthias Joseph in Koblenz, wo er am 3. Mai 1803 starb und begraben wurde.

gge, Nov. 2017


Daten:

Prof.: 1862; Subdiac.: 18. Dez. 1762; Diac.: 24. Sep. 1763; Sac.: 21. Sep. 1766.

Literatur:

Hillen, Christian: Das Erzbistum Köln 7: Die Zisterzienserabtei Marienstatt (Germania Sacra. Dritte Folge 14). Berlin/Boston: Walter de Gruyter, 2017, S. 500–502 · Cristea, Hans-Joachim: Stephan und Matthias Joseph Driesch. Zwei Koblenzer Geistliche und ihre Bibliothek im Umbruch zwischen Germania Sacra, Revolution und Neubesinnung, in: Kurtrierisches Jahrbuch 53 (2013), S. 203–234 · Ders. Kurzbiographie in der Rheinland-Pfälzischen Personendatenbank, Version vom 20. Nov. 2013 [1].

Normdaten:

GND: 1051175941 · BEACON-Findbuch · GSN: 078-00425-001

Zitierempfehlung: Driesch, Stephan, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 7.12.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Driesch,_Stephan