Laverdure, Robert

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Robert Laverdure

Robert Laverdure OCSO

Abt der Zisterzienserabtei strengerer Observanz Ölenberg 1949–1951

* 09. Okt. 1904 Straßburg
† 22. Juni 1951 Ölenberg

Robert Laverdure wurde am 9. Oktober 1904 in Straßburg geboren und im Straßburger Dom auf die Namen Marcellus Josephus Xaverius getauft. Er besuchte das bischöfliche kleine Seminar und trat nach dem Abitur in das Priesterseminar ein. Nach dem Studium der Philosophie trat er 1925 in die Abtei Ölenberg ein (Profess 1927) und erhielt den hl. Robert von Molesme zum Patron. Sein Noviziat wurde von der Militärzeit in Constantine (Algerien) unterbrochen. An Ostern 1932 (27. März) legte er die feierliche Profess ab und wurde am 16. Juli 1933 im Straßburger Dom zum Priester geweiht. Mit besonderer Erlaubnis feierte er dort am folgenden Tag seine Primiz.

Nach der Priesterweihe erhielt Laverdure in Ölenberg das Lehramt für Philosophie. Den Gesangsunterrichts des Chores hatte der musikalische Zisterzienser schon vorher übernommen und behielt sie bis zu seinem Tod 1951. 1932 wurde er kurzzeitig Kantor und 1936 Prior.

Im Zweiten Weltkrieg zur französischen Armee eingezogen, kehrte er nach der Kapitulation 1940 nach Ölenberg zurück, wo er die Leitung des Luftschutzes übernahm, auch in der „Katakombenzeit“ von November 1944 bis Januar 1945. Nach der Zerstörung der Abtei leitete Prior Robert im Exil die Mönchsgruppe in Gebweiler bis die Mönche kurz vor Kriegsende in ihr zerstörtes Kloster zurückkehren konnten (Ende Februar 1945).

Bei dem durch die Rückkehr des Engelszeller Konvents[1] nach Österreich veranlassten Ämterwechsel erhielt er zusätzlich das Amt des Magisters der Chornovizen und übernahm zugleich auch, neben der Philosophie, das Lehramt für Dogmatik. Nach der Resignation des achtzigjährigen Abtes Petrus Wacker von Abtvisitator Columbanus Tewes zum „Kapitelvikar“ ernannt, bereitete er die Wahl eines neuen Abtes vor, zu dem er am 15. Dezember 1949 wie erwartet gewählt wurde. Die Benediktion erhielt er am 27. Dezember 1949 im Straßburger Dom (die Ölenberger Abteikirche war zerstört) durch Bischof Jean-Julien Weber PSS, der ihn am folgenden Tag zum Ehrendomherrn der Kathedrale ernannte.

Abt Roberts Abbatiat war neben dem weiteren Wiederaufbau der Abtei und der Kirche (Glockenweihe am 24. Sep. 1950) v.a. geprägt durch die Sorge um die vom Weltkrieg ebenfalls stark geschädigten Tochterklöster Ölenbergs: für das Frauenkloster Altbronn besorgte er eine neue Heizung und deren Finanzierung, Mariawald war seit 1944 nicht mehr visitiert worden und Maria Veen musste im Auftrag des Generalkapitels in andere Hände übergeben werden, weil es Pfarrseelsorge übernehmen sollte, die mit dem beschaulichen trappistischen Leben nicht vereinbar war. In Engelszell war der Abt Gregor Eisvogel schwer krank; er starb am 19. November 1950. Mehrmals reiste Abt Robert in diesen Angelegenheiten zu den Klöstern und – in Begleitung des vertriebenen Abtes von Mariastern, Dom Bonaventura Diamant – nach Rom, wo er u.a. mit Papst Pius XII. zusammentraf.

Neben diesen Aufgaben als Vaterabt hielt Abt Robert in Ölenberg noch die Vorlesungen in Philosophie und Dogmatik und behielt (bis Okt. 1950) das Amt des Novizenmeisters[2]. Im September 1950 nahm er am Generalkapitel teil, wo er in die liturgische Kommission für den Choralgesang gewählt wurde.

Abt Robert Laverdure leitete die Abtei nur anderthalb Jahre. Er starb am 22. Juni 1951, nachdem er am 15. Juni 1951 einen schweren Schlaganfall erlitten hatte. Er wurde auf dem alten Friedhof beigesetzt.

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  1. 1939 von den Nazis aufgehoben
  2. Am 2. Oktober 1950 nahm er seinen späteren Nachfolger François Rubrecht in das Noviziat auf

Daten:

Vest.: 1. Nov. 1925; Prof.: 21. Nov. 1927, 27. März 1932; Sac.: 16. Juli 1933 (Straßburg, Bf. Charles Ruch); Abbas.: el. 15. Dez. 1949, ben. 27. Dez. 1949; Dev.: Misericordia et Veritas.

Literatur:

Dom M. Robertus Laverdure (1949–1951), in: Stintzi, Paul: Oelenberg. 900 Jahre Geschichte der Abtei (1046–1954), (Alsatica Monastica 4), Westmalle 1962, S. 211–219.

Zitierempfehlung: Laverdure, Robert, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 18.4.2016, URL: http://www.biocist.org/wiki/Laverdure,_Robert