Rathausen-Thyrnau

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Abtei St. Josef von Rathausen zu Thyrnau


Kloster Thyrnau (Foto: Konrad Lackerbeck)
Abbatia B.M.V. et S. Ioseph de Rathausen in Thyrnau
Ort: Thyrnau, Landkreis Passau, Niederbayern
Observanz: OCist
gegründet: 1245/1902
Tochterklöster: Apolo (1929)
Pater Immediat: Abt von Marienstatt
Web: www.kloster-thyrnau.de

Zisterzienserinnenabtei der gewöhnlichen Observanz (OCist) in Thyrnau, Landkreis Passau, Niederbayern; gegründet 1902 als Fortsetzung der 1848 aufgehobenen Abtei Rathausen bei Luzern, Schweiz.

Geschichte

Das Kloster in Thyrnau wurde 1902 von den Zisterzienserinnen der 1848 vom Grossen Rat des Kantons Luzern aufgehobenen Abtei Rathausen erworben, die nach der Vertreibung 1874 im ehemaligen Kapuzinerkloster Vézelise bei Nancy (Frankreich) ein Exil gefunden hatten, bis die französischen Religionsgesetze von 1901 sie auch von dort vertrieben.

Am 13. Februar 1902 gestattete Prinzregent Luitpold von Bayern den Schwestern, im ehemaligen fürstbischöflichen Jagdschloss Thyrnau ein selbständiges Priorat unter der Jurisdiktion des Bischofs von Passau zu gründen. Am 12. März 1902 zogen die ersten fünf Schwestern mit ihrer Äbtissin Juliana Füglister ein und begannen mit dem gemeinsamen Chorgebet. Dieser Tag wurde als Gründungsdatum festgeschrieben. Am 13. Oktober 1902 war der aus 19 Chorfrauen und zwölf Laienschwestern bestehende Konvent vollzählig in Thyrnau versammelt.[1] Das neue Kloster stellten die Schwestern unter den Schutz der Gottesmutter (wie alle Zisterzienserklöster) und den des heiligen Josef, der nach der Aufhebung 1848 in all den Schwierigkeiten als Helfer empfunden wurde.

Zusammen mit dem Schlossgut hatte Äbtissin Juliana auch ein landwirtschaftliches Anwesen erworben, das im Laufe der Jahre erweitert und ausgebaut wurde und bis heute besteht. 1904 eröffneten die Schwestern eine Kleinkinderbewahranstalt und übernahmen im Herbst die Arbeitsschule für die Mädchen der Volksschule Thyrnau. 1910 wurde an der Westseite des Schlossbaues ein Zellentrakt errichtet, 1914 die Kirche geweiht. Im Todesjahr der Äbtissin Juliana 1919 zählte der Konvent 52 Schwestern.

Nachdem das Priorat 1925 die Privilegien der alten Abtei Rathausen zurückerhalten hatte, wurde es zur Abtei erhoben (20. Mai) und an die Mehrerauer Kongregation angegliedert. 1929 wurde das Tochterkloster Unserer Lieben Frau von Nazareth in Apolo, Bolivien, gegründet, das heute selbständige Abtei ist. Während der Zeit des Nazionalsozialismus war das Kloster zwar bedroht (die Schulen wurden geschlossen), blieb aber von der Beschlagnahmung verschont, weil die Räumlichkeiten für staatliche Zwecke ungeeignet erschienen. Die aus Vézelise mitgebrachte Glocke musste am 21.Dezember 1941 für Kriegszwecke abgeliefert werden, kam aber 1948 zurück.

1952 wird den Schwestern das alte Recht der Feierlichen Gelübde wieder zugestanden[2], die am 10. Juni 1956 in Gegenwart von Generalabt Sighard Kleiner und Vaterabt Idesbald Eicheler abgelegt werden; 1955 wird die Abtei Rathausen-Thyrnau wieder voll in den Zisterzienserorden inkorporiert.[3]. 1954 wird der Kindergarten nach genau 50 Jahren geschlossen. In den 1970er Jahren werden unter der Leitung von Äbtissin Mechtildis Wieth Kloster und Kirche generalsaniert und 1989/90 die Kirche erneut renoviert und mit einem neuen Altar und einer neuen Orgel versehen; 1997 kommen neue Kirchenfenster dazu. 1995 wird das 750-jährige Bestehen des Klosters Rathausen-Thyrnau gefeiert, 2002 das 100-jährige Bestehen des Klosters Thyrnau.

Das Kloster verfügt über ein Gästehaus mit Tagungsraum. Ihren Lebensunterhalt erwirtschaften die Schwestern mit der Landwirtschaft (Mastschweine) und einer Fahnen- und Paramentenstickerei.

Äbtissinnen von Rathausen-Thyrnau

1. Juliana Meier, 1919/1925–1949, 1919 44. Äbtissin von Rathausen und 2. Priorin von Thyrnau; seit 1925 Äbtissin von Rathausen-Thyrnau
2. Ludwigis Baumgartner, 1949–1970
3. Mechtildis Wieth, 1970–1982
4. Caritas Baumgartner 1982–2002
5. Mechthild Bernart, seit 2002

gge

  1. Von diesen Schwestern hatte nur noch eine ihre Profess in Rathausen abgelegt, Sr. M. Agnes Hodel.
  2. Dekret Prot.Nr. 7372/52 vom 14. Juni 1952
  3. Dekret Num. 3486/55 vom 12. Juli 1955

Literatur:

750 Jahre Zisterzienserinnenabtei Rathausen-Thyrnau 1245–1995, [Thyrnau]: Abtei Thyrnau, 1995 · Verzeichnis aller Schwestern der Zisterzienserinnenabtei Rathausen-Thyrnau 1245–1995. [Thyrnau]: Abtei Thyrnau, 1995 · Ora et labora: 100 Jahre Kloster Thyrnau: Zisterzienserinnenabtei St. Josef 1902–2002. Thyrnau: Zisterzienserinnenabtei St. Josef, 2002 · Bernart, Mechthild: Zisterzienserinnenabtei St. Josef Kloster Thyrnau. Alt- und Jung-Metten 80 (2013), S. 35–48.

Zitierempfehlung: Rathausen-Thyrnau, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 12.1.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Rathausen-Thyrnau