Salasc, Etienne

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Étienne Salasc OCSO

Étienne Salasc OCSO

Abt von Désert 1867–1881 und La Trappe 1881–1911

* 02. Feb 1836 Bédarieux, Hérault
† 20. Aug. 1921 Mount Melleray, Irland

Étienne Salasc, Taufname Auguste, erhielt seine höhere Schulbildung bei den Lazaristen am kleinen Seminar in Montpellier und trat am 22. September 1855 in die Zisterzienserabtei strengerer Observanz Sainte-Marie-du-Désert im Bistum Toulouse ein. Am 21. August 1859 wurde er in Valence zum Priester geweiht, mit römischer Dispens, da er das erforderliche Alter noch nicht erreicht hatte. Danach wurde er Magister der Chornovizen, dann Klaustralprior und am 25. Juli 1867 als Nachfolger des verstorbenen Marie Daverat zum Abt gewählt. Am 13. November 1867 wurde er von Kardinal Desprez in der Kirche der Zisterzienserinnen von Blagnac feierlich benediziert (die Abteikirche in Désert war noch im Bau).

Am 9. Mai 1868 legte Salasc gemeinsam mit allen Teilnehmern des Generalkapitels der Kongregation von La Trappe die feierlichen Gelübde ab. Er ließ die Abteikirche fertig bauen (Einweihung am 19. August 1874), außerdem den Gästetrakt und eine Likörfabrik errichten. 1875 ließ er die ehemalige Abtei Igny in der Diözese Reims mit Mönchen aus Désert wiederbesiedeln. Einer davon, ein Novize, war der spätere Generalabt Augustin Marre.

Am 6. August 1881 als Nachfolger des verstorbenen Timothée Gruyer, der ihn auf dem Sterbebett empfohlen hatte, zum Abt von La Trappe in der Normandie gewählt, war Salasc gleichzeitig auch Generalvikar der Kongregation von La Trappe. Als solcher begann er umgehend mit zahlreichen (17 in den ersten neun Monaten) Visitationreisen im In- und Ausland (Algerien, Italien). 1882 schlug er dem Generalkapitel eine Stärkung seiner Position vor – La Trappe sollte die Rolle des in der Revolution aufgehobenen Mutterklosters Cîteaux übernehmen und Salasc den Italiener Gregorio Bartolini als Generalabt ablösen. Auf Druck des hl. Stuhls nahm Salasc seine Vorschläge zwar wieder zurück, hatte jedoch viel Porzellan zerschlagen. Mit Dekret vom 4. Juli 1884 trennte der hl. Stuhl (unerwartet) das Amt des Generalvikars von dem des Abtes von La Trappe und berief Salasc als Generalvikar ab. Statt seiner wählte das Generalkapitel im September Abt Eugène Vachette von Melleray für eine Amtszeit von sechs Jahren. Die Gemeinschaft von La Trappe, die ihrem Abt die Treue hielt, bemühte sich, unterstützt von einflussreichen Prälaten wie dem Kardinalerzbischof von Reims, bis 1888 erfolglos um eine Revision des Dekrets.

Von seinem Amt als Generalvikar entbunden, konzentrierte Dom Etienne in den folgenden Jahren seine ganze Energie auf La Trappe und dessen Filiation. Nach dem Vorbild des hl. Johannes Bosco, den er in Paris besucht hatte, ließ er 1885 statt der 1880 vom Staat geschlossenen Strafgefangenkolonie ein Waisenhaus für Kinder einrichten, eine Oblatenschule zur Nachwuchsgewinnung folgte im März 1891. Von 1885 bis 1895 ließ er komplett neue Abteigebäude im neo-gotischen Stil errichten, einschließlich der dritten, bis heute bestehenden Abteikirche, die am 30. August 1895 unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit feierlich geweiht wurde. Die Mittel dafür kamen v.a. aus der Schokoladenfabrikation, deren Ausbau Dom Salasc große Aufmerksamkeit widmete. Sie wurde 1903 wegen der klosterfeindlichen Gesetzgebung der französischen dritten Republik jedoch verpachtet. Das Waisenhaus war aus demselben Grund schon 1901 geschlossen worden. Die schon beschlossene Klosteraufhebung selbst konnte jedoch durch persönliche Fürsprache des Abtes Jean-Baptiste Chautard von Sept-Fons bei Georges Clemenceau abgewendet werden (für alle französischen Zisterzienserklöster strengerer Observanz außer Fontgombault, Chambarand und Staoueli).

Nachdem die Abtei 1910/11 zahlungsunfähig geworden war und Generalabt Augustin Marre im April 1911 zwei Äbte[1] zur Aufklärung der Ursachen eingesetzt hatte, reichte Abt Salasc im Verlauf der Visitation seine Demission ein (akzeptiert vom Generalkapitel am 15. Sep. 1911). Er starb 1921 in Irland, in der Abtei Mount Melleray. Sein Schädel wurde 1954 nach La Trappe gebracht und in der Äbtegruft beigesetzt.

gge

  1. Vital Lehodey von Bricquebec und Jean-Baptiste Chautard von Sept-Fons.

Daten:

Vest.: 1. Nov. 1855; Prof.: 2. Feb. 1857, 9. Mai 1868; Sac.: 21. Aug. 1859; Abbas: el. 25. Juli 1867, inst. 24. Sep. 1867, ben. 13. Nov. 1867, res. 14. Sep. 1911.

Werke:

La règle de saint Benoît : traduite et commentée. Imp.-libr. de Montligeon, 1908 [Hrsg.].

Literatur:

Schneider, Bruno: Eine zeitgenössische Kritik zu Janauscheks Originum Cisterciensium Tomus I. ACi 21 (1965) 259–283, hier S. 267 · Dubois, Marie-Gérard et. al.: L'abbaye Notre-Dame de la Trappe. Amis du Perche, [2001], S. 98–120.

Zitierempfehlung: Salasc, Etienne, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 29.3.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Salasc,_Etienne