Widmann, Bernhard

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Bernhard Widmann OCist
Foto: Abtei Marienstatt

Bernhard Widmann OCist

Abt von Sittich 1913–1922, Bronnbach 1922–1931 und Seligenporten 1931–1934

* 15. Juli 1867 Vorderburg
† 28. Okt. 1934 Aschaffenburg

Karl Widmann kam 1882 nach Mehrerau, trat 1885 in das Noviziat ein und legte 1886 die einfache Profess ab, bei der er den Ordensnamen Bernhard erhielt. Er studierte Theologie am fürstbischöflichen Seminar in Brixen und wurde am 2. März 1890 ebd. zum Priester geweiht. Die Primiz, bei der sein Vetter, der Eichstätter Domkapellmeister Dr. Wilhelm Widmann, die Predigt hielt, feierte er am 7. April 1890 in Mehrerau.

Wegen seiner musikalischen Begabung besuchte Widmann von Mai bis Juli 1891 die Kirchenmusikschule in Regensburg und war in den folgenden Jahren fortwährend auf dem Gebiet der Kirchenmusik tätig – als Musikschriftsteller und Herausgeber (u.a. Alberich Zwyssig und Johann Nucius), als Chorleiter und als Komponist (Psalm 19,10 zur Benediktion des Abtes Eugen Notz 1903). Von Regensburg nach Mehrerau zurückgekehrt war Widmann dort Succentor (Gehilfe des Chorregenten), 1892–1895 Subpräfekt am Internat, 1895–1898 Präfekt und Subpräses, 1898–1912 Prior, 1899–1912 Brüdermagister und 1900–1912 Chorregent. Nach der Resignation des Sitticher Abtes Gerhard Maier im Frühjahr 1912 wurde er, als Wunschkandidat des Konvents und des Vaterabtes Eugen Notz, zum Administrator der Abtei Sittich bestimmt und im folgenden Jahr dort zum Abt gewählt.

Die im damaligen Kronland Krain, heute Slowenien, gelegene Abtei Sittich stand in dieser Zeit vor einer Richtungsentscheidung. Es ging um die Frage, welche Nationalität der Konvent zukünftig haben sollte. Abt Gerhard Maier hatte, um den Nachwuchs des Klosters zu sichern, eine Oblatenschule gegründet und v.a. deutsche Schüler aufgenommen. Die letzten Zöglinge dieser Kurse traten 1913 ins Noviziat ein. Abt Bernhard entschied sich, teilweise gegen den Willen des Konvents, die Schule mit slowenischen Schülern weiterzuführen. Jedoch machte der Erste Weltkrieg (1914–1918) der Schule bald ein Ende, ebenso wie auch vielen anderen Projekten, wie z.B. der Sanierung der Klosterkirche, die Abt Bernhard mit großer Energie betrieben hatte. Während des Krieges nahm Abt Bernhard den Erzbischof von Görz, Frančišek Borgia Sedej, und sein gesamtes Priesterseminar im Kloster Sittich auf, übernahm selber den Choralunterricht und fungierte als Beichtvater der Seminaristen.

Wegen der politischen Spannungen in der Folge des Ersten Weltkriegs entschieden sich die deutschen Mönche – wenn auch widerstrebend – das Kloster Sittich zu verlassen und kamen 1921 in das ehemalige Zisterzienserkloster Bronnbach im Taubertal, das am 2. Oktober 1921 feierlich eröffnet und 1922 kirchenrechtlich bestätigt wurde. Der schwerkranke Abt war schon 1920 vom Generalkapitel in Mehrerau aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nach Sittich zurückgekehrt, sondern im Mehrerauer Priorat Birnau am Bodensee in der Seelsorge tätig. Am 22. Oktober 1922 nahm Abt Kassian Haid als Generalabt und Pater Immediat Widmanns Resignation auf die Abtei Sittich entgegen und ernannte ihn gem. dem Breve Apostolicum vom 11. Juli 1922 zum Abt des Klosters Bronnbach, dem auch die Befugnisse der Schlosskaplanei inklusive der Seelsorge in Bronnbach übertragen wurden. Da sich in Bronnbach wegen der unzuträglichen äußeren Bedingungen (räumliche Enge, Belästigungen durch den benachbarten Brauereibetrieb) keine Entwicklungsmöglichkeiten boten, zog der Konvent im Mai 1931 weiter nach Seligenporten bei Nürnberg.

Abt Bernhard Widmann, der sich von seiner schweren Ruhrerkrankung 1920 nie wieder vollständig erholt hatte, starb auf einer Reise im Kapuzinerkloster Aschaffenburg und wurde auf dem neu angelegten Klosterfriedhof in Seligenporten beigesetzt. Die Abtei Seligenporten bestand bei seinem Tod aus zwölf Patres, zwei Klerikern und sieben Laienbrüdern.

gge


Daten:

Prof.: 1886; Sac.: 2. März 1890 (Brixen); Abbas (Sittich): el. 30. März 1913, ben. 4. April 1913 (Fb. Anton Bonaventura Jeglič v. Laibach), res. 22. Okt. 1922, Abbas (Bronnbach): 1922–1931; Abbas (Felix Porta): 1931–1934.

Werke:

Die neuen Choralbücher des Cistercienserordens. In: CistC 16 (1904), S. 120–123, 184–188, 213–217, 280–284 und CistC 17 (1905), S. 24–28, 53–58, 83–92, 147–149, 299–304, 335–346. · P. Alberich Zwyssig als Komponist. Ein Gedenkblatt zu seinem 50. Todestag. Bregenz: J. N. Teutsch, 1905. · Johann Nucius, Abt von Himmelwitz: Ein Altmeister der klassischen Polyphonie. CistC 32 (1920), S. 1–4, 49–51, 70–74, 113–122, 132–136, 150–155, 161–163. · weiteres siehe Bibliographie.

Literatur:

Walter, Leodegar: In Christi Gefolgschaft. In: 100 Jahre Zisterzienser in Mehrerau. (=Mehrerauer Grüße, NF 1). Mehrerau, Sommer 1954, S. 81. · Abt Bernhard Widmann. CistC 47 (1935), S.10–17 [Nachruf von Kassian Haid und Stephan Geyer].

Zitierempfehlung: Widmann, Bernhard, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 19.2.2014, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Widmann,_Bernhard