Gerards, Alberich

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Alberich Gerards OCist

Alberich Gerards OCist

Abt von Seligenporten bei Nürnberg 1955–1968

* 30. Okt. 1900 Rurberg, Eifel
† 25. Feb. 1974 Mehrerau, Bregenz

Ludger Gerards wurde am 30. Oktober 1900 in Rurberg, Gemeinde Simmerath im damaligen Kreis Montjoie (Monschau), geboren und an Allerheiligen ebd. getauft. Sein Vater Hubert Gerards (1869–1955) war von Beruf Kaufmann, Postverwalter und Versicherungsvertreter. Die Mutter Ida Gerards geb. Grimberg starb 1914 bei der Geburt ihres neunten Kindes. Gerards bestand 1918 in Neuss das Abitur und trat am Ostermorgen 1918 in die Zisterzienserabtei Marienstatt im Westerwald ein. Dort erhielt er von Abt Konrad Kolb den hl Alberich von Cîteaux zum Namenspatron, musste sein Noviziat aber wegen seiner Einberufung zum Kriegsdienst unterbrechen. Nach Abschluss des dritten theologischen Studienjahres wurde er 1924 in der Klosterkirche zum Priester geweiht und bestand im Juli 1925 die theologische Abschlussprüfung.

In Marienstatt befasste sich P. Alberich besonders mit der Wirtschaftsverwaltung und der praktischen Landwirtschaft. Er war ausgebildeter Melkermeister, Müllermeister und Grünlandfachmann. Daneben studierte er an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover Veterinärmedizin. Seit 1925 Subcellerar, war er von 1926 bis 1936 Cellerar und von 1936 bis 1938 Bursar und Kantor in Marienstatt. 1938 wurde er als Cellerar in das Kloster Stams in Tirol berufen. Als die Nationalsozialisten das Kloster im August 1938 beschlagnahmten, wurde P. Alberich verhaftet und in Innsbruck inhaftiert. Am 20. Oktober 1940 übernahm er die Stelle des Pfarrvikars in Obsteig in Tirol. Nach Kriegsende wurde er von der Tiroler Landesregierung zum kommissarischen Verwalter des Klosters Stams bestellt, da keine Verbindung mit dem Generalat in Rom oder dem im Schweizer Exil lebenden Abtpräses Kassian Haid möglich war.

Alberich Gerards Ruf als fähiger Verwalter führte 1948 zu seiner Berufung als Generalökonom und bald auch Generalkommissar des Ordens nach Rom. Als „Finanzminister“ der Zisterzienser nahm er sich der nach der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg desolaten Finanzlage des Ordens an und wirkte an der künstlerischen Gestaltung des neuen Generalatshauses auf dem Aventin maßgeblich mit. 1953 erhielt er als einziger lebender Zisterzienser für sein Wirken die höchste Auszeichnung des Ordens, den Titel bene meritus ordini. Im April 1954 zum Administrator des deutschen Zisterzienserklosters Seligenporten bestellt, wurde er nach dem Tod des Abtes Stephan Geyer im Oktober 1955 selbst zum Abt gewählt, dem dritten nach der Wiederbegründung 1930, und am 20. November 1955 in einem dreistündigen Ritus in der Klosterkirche von Generalabt Sighard Kleiner feierlich benediziert.

Da in Seligenporten die Bedingungen für den Weiterbestand des Klosters nicht gegeben waren, bemühte sich Abt Gerards seit 1955, den Konvent an einen anderen Ort zu verlegen. Sein Versuch, mit Unterstützung der Erzdiözese Köln den Konvent von Seligenporten nach Altenberg zu bringen, scheiterte an den wegen des Simultancharakters der Kirche ausgelösten ökumenischen und kirchenpolitischen Konflikten und musste schließlich im März 1958 aufgegeben werden. Eine Niederlassung in Weil der Stadt bei Stuttgart scheiterte am Widerstand der Gemeinde, auch zwei weitere Neugründungsversuche in Jülich bei Aachen und 1966/67 in Worphausen bei Bremen („Maria im Moor“) verliefen glücklos. 1967 wurde der Konvent Seligenporten schließlich aufgelöst. Abt Alberich ging als Spiritual in das Zisterzienserinnenkloster Frauental in der Schweiz. Im Januar 1973 erlitt er bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch, von dem er sich nicht mehr erholte. Er starb am 25. Februar 1974 im Sanatorium Mehrerau und wurde drei Tage später in der Mehrerauer Unterkirche beigesetzt.

1962 hatte Abt Alberich anlässlich des 79. Katholikentages in Hannover auf Einladung des evangelischen Abtes, Landesbischof Dr. Lilje, das in der Reformation protestantisch gewordene Zisterzienserkloster Loccum besucht und war zu dessen Ehrenfamiliaren ernannt worden. Er war der erste Zisterzienserabt, der nach der Reformation das Kloster Loccum offiziell wieder betreten hat.

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Gen.:

V.: Hubert Gerards († 1955); M.: Ida Gerards geb. Grimberg († 24. Mai 1914).

Daten:

Vest.: 31. März 1918 (Marienstatt); Prof.: 31. Jan. 1920; Sac.: 14. Juni 1924; Abbas: el. 28. Okt. 1955, ben. 20. Nov. 1955; Dev.: Amare fratres et regulam – In Liebe zu den Brüdern und zur Ordensregel.

Werke:

Der Einfluß des Armutsideals auf die Architektur der Basilika in Marienstatt. CistC 50 (1938) 246–249 · Wirtschaftliche Hintergründe zur Zeit der Gründung des Cistercienserordens. CistC 58 (1951) 65–79 · Die ersten Cistercienser und die Handarbeit. CistC 59 (1952) 1–6 · Rundgang durch das neue Generalatshaus in Rom. CistC 59 (1952) 65–74 · Bernhard und die Verwaltung des Klosters Clairvaux. CistC 60 (1953) 104-110 · Bernhards Eintritt in Citeaux 1112 - 850 Jahre - 1962. CistC 69 (1962) 37–39 · Abtei Maria im Moor. CistC 73 (1966) 188–1990.

Literatur:

100 Jahre Wiederbesiedlung Marienstatt. (= Marienstatter Aufsätze VI), Marienstatt, Buch- und Kunstverlag, 1988, S. 157. · Reimund Haas: „Gefährdung des konfessionellen Friedens“. Kardinal Frings und die gescheiterte Wiederansiedlung von Cisterciensern im Simultaneum Altenberg 1955–1958, in ACi 59 (2009) 310–330. · Heinrich Huppertz: Abt Gerards † aus Rurberg: Rastloser Arbeiter im Weinberg des Herrn, in Das Monschauer Land, Jahrbuch 1975, S. 176–182. · Johannes J. Siegmund: Bischof Johannes Lilje, Abt zu Loccum, Göttingen 2003, S. 576–578 · Kolumban Spahr: Abt Alberich Gerards †. Cistercienser Chronik 81 (1974) 20–26.

Normdaten:

GND: 101864892 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Gerards, Alberich, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 2.1.2016, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Gerards,_Alberich