Genger, Dionysius

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Dionysius Genger

Dionysius Genger

47. Abt des Klosters Kamp 1773–1778

* 1710 Königswinter
† 17. Mai 1778

Dionysius Genger wurde 1710 in Königswinter geboren. Maria Genger, letzte Äbtissin des der Abtei Altenberg unterstellten Frauenklosters Maria Benden in Brühl war eine Verwandte.

Er trat 1729 in die Zisterzienserabtei Kamp ein, wurde 1733 Sakristan und 1735 zum Priester geweiht. 1749 wurde er Prior und Beichtvater im Zisterzienserinnenkloster Mariengarten in Köln. Wie aus dem Wahlprotokoll hervorgeht, war er vor seiner Abtwahl Rentmeister (Receptor) in Köln. Am 21. Juni 1773 unter dem Vorsitz des Abtes Johannes Hoerdt von Altenberg zum Abt gewählt und durch den Vaterabt Pierre Thirion von Morimond und den Generalabt François Trouvé von Cîteaux bestätigt[1], wurde er am 5. September von Weihbischof Karl Alois von Königsegg-Aulendorf in der Abteikirche benediziert. Assistenten waren die Äbte Johannes Hoerdt und Andreas Kruchen von Heisterbach.

Abt Dionysos war ein (auch außerhalb des Klosters) beliebter und milder Vorsteher (Dicks, S. 546). Er besaß eine vielseitige Bildung, sprach mehrere europäische Sprachen und war ein großer Freund der schönen Künste. Schon in jungen Jahren hatte er eine Übersetzung der Nachfolge Christi des Thomas von Kempen (1379–1471) mit einem Anhang von Gebeten verfasst und herausgegeben (Kurfürst Clemens August gewidmet). Im Interesse eines anderes Klosters hatte er eine Reise nach Rom unternommen und dabei mehrere bedeutende Städte Italiens besucht und dabei ihre Kunst- und Meisterwerke kennengelernt.

In Kamp förderte Abt Genger die künstlerische Tätigkeit seiner Mitbrüder. Er ließ eine Gemäldegalerie anlegen und schmückte damit die großen Säle der Prälatur. Das heutige Prunkstück des Klosters, den Rokokosaal im ehemaligen Krankenflügel, ließ er zum Musikzimmer ausschmücken und herrichten. Für den musikalischen Unterricht der Mönche ließ er Instrumente und Noten anschaffen. Während seiner Antszeit entwickelte sich das Kloster zu einem musikalischen Zentrum, in dem die Ordensbrüder selbst, aber auch auswärtige Musiker, Konzerte und musikalische Messen aufführten. Es heißt, jeder reisende Musiker habe (auch noch unter Gengers Nachfolgern bis zur Aufhebung) freien Zutritt zum Kloster gehabt und wäre bewirtet und beschenkt worden. Kritiker des barocken Lebensstils bemängelten jedoch, dass (wie damals in vielen Klöstern) der Geist der Einfachheit und klösterlichen Disziplin nicht mehr vorhanden sei.

Am 26. Juli 1774 weihte Dionysius Genger mit bischöflicher Vollmacht vom 5. Dezember 1773 den Neubau der noch heute stehenden, im spanisch-niederländischen Krieg 1633 zerstörten St.-Anna-Kapelle in Rheinberg. 1777 verkaufte er mit Genehmigung des Ordensgenerals und des Kurfürsten (und mit Zustimmung des dortigen Restkonvents) das in Verfall geratene Priorat Bottenbroich bei Kerpen mit seinen Wirtschaftshöfen und dem Patronatsrecht über die Pfarrkirche Kierdorf (Erftstadt) an die Abtei Marienstatt im Westerwald, deren Abt Edmund Leser die Paternität übernahm.

Der kunstsinnige Abt Dionysius starb, allgemein betrauert, am 17. Mai 1778, nach fünfjähriger Regierung und im Alter von 68 Jahren. Er wurde im Chor der Abteikirche begraben. Sein Grabstein wurde später gehoben und an der Wand zwischen der Sakristei und dem St.-Anna-Altar aufgestellt. Zu seinem Nachfolger wurde Eugenius Reinartz gewählt, dem er, wie Michels in seiner Klostergeschichte berichtet, die Abtei verschuldet hinterließ.

gge, Dez. 2017

  1. Bemerkenswert ist der durch die Doppelbestätigung entstandene Kompetenzkonflikt. Generalabt Trouvé hatte auf die Anzeige Gengers hin, dass er zum Abt von Kamp gewählt worden sei, diesen auch seinerseits bestätigt. Dagegen protestierte Abt Genger mit dem Hinweis, dass er schon durch den Vaterabt von Morimond bestätigt sei und deshalb eine Bestätigung durch den Generalabt nicht annehmen könne. Generalabt Trouvé drückte in einem Schreiben an Abt Johannes Hoerdt von Altenberg vom 23. August 1773 sein Befremden über Gengers Reaktion aus und bat Hoerdt, Dionysius Genger an dessen Pflichten zu erinneren. Die Sache wurde schließlich durch Johannes Hoerdts Vermittlung beigelegt (vgl. Dicks, S. 546, FN 3).

Daten:

Sac.: 1735; Abbas: 21. Juni 1773, ben. 5. Sep. 1773.

Werke:

Thomas von Kempen von der Nachfolgung Christi In gefolg des von Sr. Paepstlichen Heiligkeit Benedicto dem XIV ausgefertigten … Sendschreiben zu dem innerlichen Gebett eingerichtet, und durch einen Anhang erforderlicher Gebetter zu einem taeglichen Gebettbuch nach Anleitung eines franzoesischen Authoris verfasset, und … herausgegeben durch F. Dionysium Genger Ord. Cist. der Abtey Alten Camp Professen, und zeitlichen Prioren in Maria Garten; Cölln 1748, 1777 (Digitalisat) .

Literatur:

Michels, Friedrich: Geschichte und Beschreibung der ehemaligen Abtei Camp bei Rheinberg. Krefeld: Funcke, 1832, S. 83–84 · Dicks, Matthias: Die Abtei Camp am Niederrhein. Geschichte des ersten Cistercienserklosters in Deutschland. Kempen, 1913 (Unveränderter Nachdruck: Moers: Steiger, [1978]), S. 545–548 · Torsy, Jakob: Die Weihehandlungen der Kölner Weihbischöfe 1661–1840: nach den weihbischöflichen Protokollen. Studien zur Kölner Kirchengeschichte Band 10, 1969, S. 89 und 454 · Veteris Campi Nova Facies Rosis Odoriferis Noviter Enatis Florens Et Versibus Hieroglyphicis Musis Depicta. [S.l.], 1773 (Festschrift zur Benediktion).

Normdaten:

GND: 172094631 · BEACON-Findbuch · VIAF: 218593434 · GSN: 039-01316-001

Zitierempfehlung: Genger, Dionysius, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 8.12.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Genger,_Dionysius