Schmidberger, Caritas

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Caritas Schmidberger

Caritas Schmidberger OCist

Äbtissin des Klosters Oberschönenfeld 1949–1985

* 29. Okt. 1905 Illertissen-Jedesheim
† 18. Mai 1990 Gessertshausen

Caritas Schmidberger wurde am 29. Oktober 1905 in Jedesheim bei Illertissen als fünftes Kind der Eheleute Leo und Katharina Schmidberger geboren und am nächsten Tag in der Pfarrkirche St. Meinrad auf den Namen Maria Katharina getauft. Ihr Vater war Bürgermeister von Jedesheim. Als Neunjährige kam sie zu ihrem geistlichen Onkel nach Augsburg, um das Institut der Englischen Fräulein (heute Congregatio Jesu) an der Frauentorstraße besuchen zu können. Nach dem Abitur 1921 kehrte sie nach Jedesheim zurück.

Nach ersten Exerzitien 1927 in der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld, trat sie am 7. Januar 1928 dort ein, wurde am 23. August mit zwei Mitnovizinnen von Vaterabt Eberhard Hoffmann (Marienstatt) eingekleidet (Ordensname Maria Caritas) und legte am 28. August 1929 die einfache Profess in die Hände der Äbtissin Cäcilia Zimmermann ab. Die feierliche Profess folgte am 28. August 1932.

Nach der Profess war sie Kantorin und Subcellerarin, gab Handarbeitsunterricht, lernte das Weben und war zuständig für die bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs bestehende Limonadenfabrik. 1939 wurde ihr die Buchhaltung übertragen. Als Buchhalterin hatte sie während der NS-Zeit mehrere Verhöre der Gestapo zu überstehen. Nachdem Äbtissin Cäcilia Zimmermann 1949 resigniert hatte, wurde sie am 10. November 1949 unter der Leitung von Vaterabt Idesbald Eicheler zur 38. Äbtissin (der 2. nach der Säkularisation) gewählt und am 27. Dezember 1949 vom neuen Augsburger Diözesanbischof Dr. Joseph Freundorfer (1949–1963) in seiner ersten öffentlichen Amtshandlung benediziert. Unter ihrer Leitung erfuhr die Abtei Oberschönenfeld in den nächsten Jahrzehnten eine tiefgreifende Umgestaltung im Inneren und Äußeren.

Auf Bitten des Generalabtes Matthäus Quatember, der dazu persönlich aus Rom angereist war, wurden am 21. September 1951 die ersten fünf Missionarinnen (darunter die spätere Äbtissin von Campo Grande, Menna Graupner) nach Brasilien ausgesandt, um dort ein Tochterkloster zu gründen. Immer wieder reiste die Äbtissin in den folgenden Jahrzehnten selbst dorthin. Noch während ihres dritten Aufenthaltes dort wurde, da der erste Standort ungeeignet war, 1964 mit dem Neubau des Klosters Itararé (Nossa Senhora de Fatima) begonnen, das bereits 1968 zur Abtei erhoben wurde und bald selbst zwei Tochterklöster gründen konnte (Santa Cruz de Monte Castelo 1973 und Campo Grande 1976).

1952 begann Cariatas Schmidberger mit dem Umbau und der Renovierung des maroden Abteibesitzes in Oberschönenfeld. Das Gebäude St. Maria wurde 1952 zu einem Altenheim umgebaut. 1956 begann die Außenrenovation der Kirche mit der Erneuerung der Dächer an Kirche und Kloster. Die komplette Instandsetzung und Modernisierung des Klosterkomplexes erfolgte mithilfe der bayerischen Landesregierung in den Jahren 1973 bis 1979. 1978 wurde der Klosterladen öffnet. Im selben Jahr begann die große Kirchenrenovation, die 1979 abgeschlossen war

Ebenfalls in den 1950-er Jahren erfolgte nach einem Verwalterwechsel die Umgestaltung und Modernisierung der Landwirtschaft, die bis 1962 komplett mechanisiert wurde. Dazu kam eine durchgreifende Flurbereinigung. Jedoch machten die gesamtwirtschaftlichen Veränderungen der damaligen Zeit die Landwirtschaft bald unrentabel. 1972 wurde der Betrieb verpachtet, die Viehherde versteigert, der Maschinenpark verkauft. 1982 wurde in den Ökonomiegebäuden ein Volkskundemuseum eingerichtet.

Einschneidende Veränderungen im Inneren brachte die durch das zweite Vatikanische Konzil ausgelöste Erneuerung. Dazu gehören die spirituelle Erneuerung und die Neugestaltung vieler klösterlicher Räume. Die Liturgiesprache wurde Deutsch, die beiden Konvente, Chorfrauen und Laienschwestern, wurden zusammengelegt. Anfang der Siebziger Jahre wurden auf Anordnung des Vaterabtes Thomas Denter die Klausurgitter in allen Sprechzimmern und der Kapelle entfernt.

Caritas Schmidbergers Wirken erfuhr vielfache öffentliche Anerkennung. 1980 erhielt sie den Bayerischen Verdienstorden, 1982 die Verdienstmedaille für vorbildliche Heimatpflege, 1984 die Denkmalschutzmedaille und 1985 die Verdienstmedaille des Landkreises Augsburg.

Nach 36-jähriger Amtszeit legte sie ihr Amt 1985 nieder, führte aber noch die Klosterchronik. Sie starb am 18. Mai 1990 in ihrer Klosterzelle und wurde auf dem Klosterfriedhof begraben.

gge, Nov. 2017


Daten:

Vest.: 22. Aug. 1928; Prof.: 28. Aug. 1929, 28. Aug. 1932; Abbatissa: el. 10. Nov. 1949, ben. 27. Dez.1949, res. 28. Sep. 1985; Dev.: Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unseren Herzen durch den Heiligen Geist (Röm 5,5).

Auszeichnungen:

Bayerischer Verdienstorden (1980) · Verdienstmedaille für vorbildliche Heimatpflege (1982) · Denkmalschutzmedaille (1984) · Verdienstmedaille des Landkreises Augsburg (1985).

Literatur:

Betting, Ancilla: Caritas M. Schmidberger OCist (1905–1990), in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 39 (2005), S. 601–614 · Abtei Oberschönenfeld: Ein Leben lang auf Gott zu : unserer lieben Hochwürdigen Mutter Äbtissin Maria Caritas Schmidberger zur Goldenen Jubelprofeß. Oberschönenfeld, 1979 (30 S. : ill.).

Normdaten:

GND: 1060156636 · BEACON-Findbuch

Zitierempfehlung: Schmidberger, Caritas, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 23.6.2018, URL: http://www.biocist.org/wiki/Schmidberger,_Caritas