Stürzer, Bonaventura

Biographia Cisterciensis – Dictionary of Cistercian Biography online

Bonaventura Stürzer, ca. 1928

Bonaventura Stürzer OCist/OCSO

Zisterzienser der Abteien Mehrerau und La Trappe; Generalprokurator der Zisterzienser der Strengeren Observanz 1908 bis 1913

* 16. Juli 1848 Zellberg, Tirol
† 18. März 1930 Rom

Bonaventura Stürzer, Taufname Ludwig, wurde am 16. Juli 1848 im damals zur Pfarrei Hippach gehörenden Zellberg im Zillertal geboren, wo sein aus Niederösterreich stammender Vater Franz Stürzer als Zollbeamter Dienst tat. Seine Mutter hieß Anna Hörtnagel und er hatte zwei Schwestern. Die Kasse der Finanzwachmannschaft ermöglichte es der Familie, den Sohn 1860 – nach der Versetzung des Vaters nach Vorarlberg – als Stipendiat („Stiftling“) auf das Internat der Zisterzienserabtei Mehrerau am Bodensee zu schicken. Am 19. November 1866 trat er – der Vater war inzwischen verstorben und auch die Mutter starb bald – unter Abt Martin Reimann in das Noviziat der Abtei Mehrerau ein und erhielt bei der zeitlichen Profess am 21. November 1866 den Ordensnamen Bonaventura. Zum Militärdienst für untauglich erklärt, studierte er wahrscheinlich an der Hauslehranstalt Theologie und wurde am 14. Mai 1871 in der Feldkircher Pfarrkirche von Weihbischof Amberg zum Priester geweiht. Die wegen seines Alters erforderliche päpstliche Dispens von 18 Monaten hatte er aufgrund des damals in Mehrerau herrschenden Priestermangels erhalten. Die Vollmacht zum Beichtehören für zwei Jahre erhielt er am 14. Mai d.J.

Nach der Priesterweihe setzte er seine theologischen Studien fort und wurde am 13. Dezember 1880 innerhalb weniger Wochen in Rom zum Doktor der Theologie promoviert (eine schriftliche Dissertation war damals nicht üblich). Auf Antrag erhielt er die Erlaubnis, verbotene Bücher zu lesen, wurde 1881 apostolischer Notar und 1890 Examinator für die Curaprüfungen im Dekanatsbezirk Bregenz. In Mehrerau unterrichtete er am Collegium Bernardi alte Sprachen und war gleichzeitig oder wechselnd von 1873 bis 1881 Registrar, 1879 bis 1881 Bibliothekar und Sekretär, 1882 bis 1895 Novizenmeister und Theologiedozent an der theologischen Hauslehranstalt der Abtei. Nebenbei lernte er im Selbststudium orientalische Sprachen, Französisch und Englisch. Italienisch hatte er bereits auf der Schule gelernt, Latein sprach er fließend.

In seiner freien Zeit unternahm P. Bonaventura – nach seinen zwei Reisen nach Rom – mehrere Reisen zu historischen Zisterzienserstätten v.a. in Frankreich: 1886 Cîteaux, Fontaines-les-Dijon und La Valsainte, 1888 Clairvaux, Troyes, La Trappe und Lérins, 1890 Morimond, 1892 Reifenstein im Eichsfeld, 1894 La Ferté. Über alle diese Reisen veröffentlichte er Berichte in der Cistercienser Chronik, deren Mitarbeiter er seit ihrer Gründung 1889 war. Für diese Zeitschrift gab er, neben mehreren teils nicht signierten Nachrufen auf Mitbrüder, auch das Fürstenfelder Manuskript Institutio Religiosorum Tironum Cisterciensium und die in der Münchner Hofbibliothek aufbewahrte Handschrift der Drey Raisen nach Cistertz des Raitenhaslacher Chronisten Johann Konrad Tachler heraus.

Seine Besuche in Klöstern der strengeren Observanz förderten P. Bonaventuras Trachten nach einem idealeren Vorstellungen folgenden Zisterzienserleben als es in Mehrerau möglich war. Besonders hingezogen fühlte er sich zur französischen Abtei La Trappe und ihrem Abt Étienne Salasc, mit dem er von 1888 an einen mehrjährigen Briefwechsel führte. Da eine Erlaubnis für einen Aufenthalt dort von Abt Maurus Kalkum nicht zu erhalten war (erst 1892 hatte Papst Leo XIII. die strengeren Observanzen vom Gesamtorden getrennt), blieb es zunächst dabei. Erst Kalkums Nachfolger Laurentius Wocher stellte ihm 1894 eine Bewilligung für einen längeren Aufenthalt in La Trappe aus, die Abt Augustin Stöckli 1895 wiederholte. Nach mehreren Jahren der Prüfung (und längerer Bedenkzeit im explizit nicht nach Mehrerauer Vorbild lebenden Kloster Marienstatt) übertrug P. Bonaventura schließlich am 5. Februar 1898 sein Stabilitätsgelübde (Klosterzugehörigkeit) endgültig auf La Trappe und schied damit aus dem Konvent von Wettingen-Mehrerau aus.[1]

Schon im Jahr nach seinem Übertritt wurde er Hausgeistlicher und Beichtvater der Zisterzienserinnen (Bernhardinerinnen) in Saint-Paul-aux-Boix (heute in Chimay). Dort erreichte ihn am 13. Dezember 1902 die Ausweisung aus Frankreich infolge der klosterfeindlichen Gesetzgebung der Dritten Republik (Vereinsgesetz vom 1. Juni 1901). Binnen dreier Tage hatte er das Land zu verlassen und ging zunächst nach Scourmont in Belgien, dann 1904 wieder als Beichtvater in ein Frauenkloster, das Landhaus Jachtrust in Boxtel, wo die aus La Cour Pétral vertriebenen Zisterzienserinnen ein Exil gefunden hatten und das zum Einflussbereich des Abtes von Koningshoeven, Willibrord Verbruggen, gehörte. 1905 übersiedelte er als Definitor für die französischen Klöster in die Generalkurie der Zisterzienser der strengeren Observanz („Trappisten“) in Rom, wo er von September 1908 bis September 1913 – unter anderem wegen seiner Sprachkenntnisse – als Generalprokurator amtierte.[2] Während des Ersten Weltkrieges war er interniert, von 1921 bis 1925 erneut Definitor, diesmal für die niederländischen Klöster.

Er starb am 18. März 1930 in Rom und wurde auf dem Friedhof des Klosters Tre Fontane bestattet. Mit seinem Heimatkloster Mehrerau blieb er zeitlebens in Kontakt, besonders mit seinem Mitbruder Gregor Müller, dem er sehr verbunden war und der ihm einen ausführlichen Nachruf in der Cistercienser Chronik widmete, wechselte er jahrelang Briefe.

gge, März 2017

  1. Bonaventura Stürzer war nicht der erste, der aus dem Kloster Wettingen nach La Trappe übertrat. Vor ihm tat dies P. Alberich Wagner aus Augsburg, der aber auch erst nach einem zweimaligen Versuch den Schritt 1759 ernsthaft wagte. Er starb am 21. Oktober 1775.
  2. Er war schon 1896 von Abt Theobald Grasböck von Wilhering als Generalprokurator der allgemeinen Observanz vorgeschlagen worden, wie aus dem Tagebuch des Marienstatter Abtes Dominikus Willi hervorgeht.

Daten:

Vest.: 19. Nov. 1865; prof.: 21. Nov. 1866, 21. Nov. 1869; Sac.: 14. Mai 1871; Prim.: 21. Mai 1871.

Werke:

siehe Werkverzeichnis.

Literatur:

Müller, Gregor: [Necrolog Dom Bonaventura Stürzer], in: Cistercienser Chronik 42 (1930), S. 152–157 und 183–188 · Herzog, Hermann M.: Zisterzienser zwischen Gesetz und Geist: Sebastien Wyart, Bonaventura Stürzer, Alexis Presse und Vitus Recke, in: Cistercienser Chronik 119 (2012), S. 361–376.

Zitierempfehlung: Stürzer, Bonaventura, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 6.7.2017, URL: http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/St%C3%BCrzer,_Bonaventura